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Seltsames Schauspiel: Einige der Angeklagten erscheinen mit Sonnenbrille und Mundschutz im Gerichtssaal.<br data-editable="remove">
Seltsames Schauspiel: Einige der Angeklagten erscheinen mit Sonnenbrille und Mundschutz im Gerichtssaal.
Bild: Vincent Yu/AP/KEYSTONE

Demonstrant verprügelt: Polizisten müssen in Hongkong vor Gericht antraben – sie erscheinen in seltsamer Montur

19.10.2015, 12:56

Wegen eines Angriffs auf einen Demokratieaktivisten in Hongkong müssen sich seit Montag sieben Polizisten vor Gericht verantworten. Den Beamten wird schwere Körperverletzung zur Last gelegt.

Sie hatten den 40-jährigen Demonstranten Ken Tsang vor einem Jahr während der wochenlangen Proteste gegen eine von China diktierte Wahlrechtsreform attackiert. Die Angeklagten wurden nach Zahlung einer Kaution auf freien Fuss gesetzt.

Videoaufnahmen des Übergriffs auf Tsang sorgten weltweit für Empörung. Einem der Polizisten wird ausserdem vorgeworfen, den Aktivisten nach seiner Festnahme während einer Befragung misshandelt zu haben. Für die Angeklagten, von denen einige mit Sonnenbrillen und Mundschutz im Gerichtssaal erschienen, wurde eine Kaution von umgerechnet 114 Euro festgelegt.

Abgeführt und verprügelt: Der Stein des Anstosses

Dutzende Anhänger der Demokratiebewegung sowie der Regierung verfolgten den Prozessauftakt im Gericht. Vor dem Gebäude forderten etwa 50 Menschen mit chinesischen Flaggen Unterstützung für die Polizei und protestierten gegen die Demokratieaktivisten. Der Prozess gegen die Polizisten wird am 17. November fortgesetzt.

Prozess gegen Tsang vertagt

Auch Tsang wurde in der vergangenen Woche wegen des Vorfalls angeklagt. Er soll Polizisten mit «Flüssigkeit bespritzt» und sich seiner Festnahme widersetzt haben. Sein Prozess begann ebenfalls am Montag. Der Aktivist wurde nach Zahlung einer Kaution auf freien Fuss gesetzt. Das Verfahren wurde auf den 9. Dezember vertagt.

«Ich werde mich dem mutig stellen und Gerechtigkeit einfordern», sagte Tsang. Sein Anwalt warf den Behörden vor, mit der Anklage gegen seinen Mandanten von dem Prozess gegen die Polizisten ablenken zu wollen.

Proteste gegen Wahlreform

Im Herbst vergangenen Jahres hatten Proteste gegen eine geplante Wahlreform die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong über Monate lahmgelegt.

Das Opfer zeigt seine Verletzungen

Die Reform sah vor, dass die Bürger der früheren britischen Kronkolonie erstmals ihren Verwaltungschef selber wählen dürfen – allerdings behielt sich die Zentralregierung in Peking das Recht vor, die Kandidaten vorher auszuwählen. Die Demonstranten lehnten dies ab und forderten wahrhaft freie Wahlen.

Die Massenproteste wurden nach mehreren Monaten von den Behörden aufgelöst. Die Wahlreform wurde im Juni jedoch überraschend von den Abgeordneten Hongkongs zurückgewiesen. (tat/sda/afp)

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