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115'000 Franken pro Person - neue Ziele für Hongkongs Kopfgeldjäger

115'000 Franken pro Person – neue Ziele für Hongkongs Kopfgeldjäger

Auf der Basis des nationalen Sicherheitsgesetzes möchte Hongkong Demokratie-Aktivisten im Exil verfolgen. Die Methode ist ebenso simpel wie erschreckend.
05.07.2023, 13:3205.07.2023, 13:32
Fabian Kretschmer, Perking / ch media
Pro-Beijing supporters hold Chinese flags to mark the 26th anniversary of Hong Kong's return to Chinese rule, in Hong Kong, Saturday, July 1, 2023. (AP Photo/Louise Delmotte)
Am 1. Juli feierten patriotische Chinesinnen und Chinesen den Jahrestag der Rückgabe von Hongkong und den Abzug der britischen Kolonialherrschaft.Bild: keystone

Als Hongkongs Verwaltungschef John Lee am Dienstag vor die Presse trat, machte der 61-Jährige mehr als deutlich, wie ernst ihm die Angelegenheit ist: «Wir werden die Kriminellen lebenslang verfolgen, bis sie sich ergeben.»

Bei den «Kriminellen» handelt es sich um acht Anhänger der Hongkonger Demokratiebewegung, die mittlerweile im Exil in Kanada, Australien, den Vereinigten Staaten und Grossbritannien leben. Den ehemaligen Parlamentsabgeordneten und Rechtsanwälten wird unter anderem Separatismus und Untergrabung der staatlichen Ordnung vorgeworfen. Dabei haben sie de facto lediglich an pekingkritischen Demonstrationen teilgenommen.

FILE - Hong Kong Chief Executive John Lee speaks during a news conference in Hong Kong, March 21, 2023. Lee said Tuesday, July 4, that eight pro-democracy activists who now live in the United States,  ...
Hongkongs Verwaltungschef John Lee.Bild: keystone

Am Montag setzten die Sicherheitsbehörden nun auf die acht Hongkonger ein Kopfgeld in Höhe von 1 Million HK-Dollar aus. Umgerechnet sind das knapp 115'000 Schweizer Franken. Die Summe ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Hongkong selbst gegen flüchtige Mörder und Vergewaltiger nur ein Bruchteil davon anbietet.

Doch seit die ehemals britische Kronkolonie vor drei Jahren das umstrittene nationale Sicherheitsgesetz einführte, ist es mit der einstigen Rechtsstaatlichkeit in Hongkong ohnehin vorbei. Auf Druck der chinesischen Zentralregierung in Peking haben die Behörden sämtliche politische Opposition unter Strafe gestellt: Kritische Zeitungen mussten seither schliessen, Politiker zurücktreten und Demonstranten langjährige Haftstrafen absolvieren.

Dass Hongkongs Behörden nun jedoch Kopfgeld auf Kritiker im Exil erheben, stellt eine weitere Eskalationsstufe dar. Ein Sprecher des Washingtoner Aussenministeriums sprach unmissverständlich von einem «gefährlichen Präzedenzfall, der die Menschenrechte und Grundfreiheiten von Menschen auf der ganzen Welt bedroht». Ähnlich kritische Worte kamen auch von den Regierungen in Grossbritannien, Australien und Kanada.

Eine «rein innere chinesische Angelegenheit»

Die chinesische Regierung hingegen wertet das Thema wie immer als rein «innere Angelegenheit». Wie Pekings Aussenamtssprecherin Mao Ning am Dienstag mitteilte, solle die Welt «Hongkongs Rechtsstaatlichkeit respektieren» und «aufhören, Kriminellen Schutz zu bieten».

Bereits Ende Juni veröffentlichte die chinesische Staatszeitung «Ta Kung Pao» einen Leitartikel, der sich wie eine Warnung an Demokratie-Aktivisten im Ausland liest: «Glauben Sie nicht, dass Sie im Ausland tun und lassen können, was Sie wollen. Solange es auch nur die kleinsten Anzeichen von Verstössen gibt, werden Sie sich dem Gesetz nicht entziehen können.»

Laut Peter Dahlin, der die NGO Safeguard Defenders leitet, hat die Strafverfolgung der Hongkonger Behörden rein rechtlich keine realistische Chance auf Erfolg. Die Betroffenen seien sich ohnehin darüber im Klaren, dass sie in kein Land mehr reisen können, das ein Auslieferungsabkommen mit China abgeschlossen hat. «Am Ende schiessen sich Hongkong und Peking wieder einmal selbst ins Bein», kommentiert Dahlin.

Doch die einschüchternde Botschaft der Kopfgeld-Jagd dürfte dennoch verfangen. Denn während einige Menschenrechtsaktivisten jede Drohung der chinesischen Regierung wie ein Ehrabzeichen auf der Brust tragen, führen sie bei vielen anderen Chinesen im Ausland dazu, dass sie sich ins Private zurückziehen - insbesondere, wenn sie die Beziehung zu ihren Verwandten nicht gefährden wollen.

Chinesische Nationalisten hingegen fühlen sich zunehmend ermutigt, die Sicherheitsansprüche ihres Heimatlandes auf eigene Faust umzusetzen. Der in Grossbritannien lebende Menschenrechtsaktivist Finn Lau, der zu den acht verfolgten Hongkongern gehört, hat bereits Screenshots von chinesischen Nationalisten zugeschickt bekommen, in denen offen über seine Entführung diskutiert wird. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: ap / kin cheung
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