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In this Monday, March 27, 2017, file photo, Hong Kong's chief executive-elect Carrie Lam stands in front of reporters at government headquarter in Hong Kong. Hong Kong voters cannot directly elect their chief executive. Lam was elected in 2017 by a committee dominated by pro-Beijing elites and is widely seen as the Communist Party's favored candidate. (AP Photo/Vincent Yu, File)

Schaffte es von ganz unten nach ganz oben: Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam. Bild: AP/AP

Sie ist der Albtraum vieler Hongkonger: 3 Dinge, die du über Carrie Lam wissen musst

Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Seit Tagen demonstrieren Tausende Menschen in der Millionenmetropole gegen ein neues Gesetz. Die Wut der Demonstranten richtet sich vor allem auf eine Person: Carrie Lam, Regierungschefin von Hongkong.



Carrie Lam: Von der Idealistin zur Chefin von Pekings Gnaden

Carrie Lam wurde 1957 in Hongkong geboren. Lam wuchs als viertes von fünf Kindern einer Arbeiterfamilie im ehemaligen Fischerviertel Wan Chai in armen Verhältnissen auf. Doch Lam schaffte es bis an die Spitze: 2017 wurde sie zur ersten weiblichen Regierungschefin der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong gewählt. Damit erreichte sie den Zenit ihrer bisherigen Karriere.

Um die Wut der Hongkonger auf ihre aktuelle Regierungschefin zu verstehen, muss man einen Blick auf Lams persönliche Entwicklung werfen. Als Frau des Volkes und Studentin der Soziologie galt sie lange als Idealistin. Die junge Lam demonstrierte gegen die Politik der britischen Kolonialherren, wenn sie diese als ungerecht empfand.

2012 kam der Bruch. Damals wurde sie zur Stellvertreterin des chinatreuen Regierungschefs Leung Chun-ying. Mit harter Hand zwang sie den 7,2 Millionen Einwohnern Hongkongs ein Wahlsystem auf, das primär auf Peking zugeschnitten war. Tagelang demonstrierten Aktivisten in den sogenannten Regenschirmprotesten 2014 gegen die neue Regelung. Die Bevölkerung forderte freie Wahlen.

Lams Beliebtheit sank rapide. Trotz der Proteste und dem Hass, der ihr entgegen schwappte, trat die unbeliebte Lam 2017 in die Fussstapfen ihres Mentors Chun-ying.

CORRECTS TITLE OF LAM - Chinese President Xi Jinping poses with Hong Kong's Chief Executive Carrie Lam ahead of a meeting in Hong Kong, Saturday, July 1, 2017. (Billy H.C. Kwok/Pool Photo via AP)

Der chinesische Präsident Xi Jinping gratuliert Hongkongs neuer Regierungschefin Carrie Lam. Bild: AP/POOL Bloomberg

Obwohl die Hongkonger für freie Wahlen protestierten, wurde Lam nicht von der eigenen Hongkonger Bevölkerung gewählt. Stattdessen bestimmten 1200 Mitglieder eines Wahlkomitees das neue Hongkonger Regierungspersonal. China wählte einen grossen Teil der Mitglieder selbst aus. Die Wahl fiel auf Carrie Lam. Lam hatte damit zwar das Vertrauen Pekings gewonnen, verlor dabei aber gleichsam das Ansehen eines grossen Teils der Hongkonger Bevölkerung.

Der Klopapier-Gate

Aus ärmeren Verhältnisse stammend, sollte Lam eigentlich wissen, wie es ist, mit wenig überleben zu müssen. Doch auch zu ihren Wurzeln scheint Lam den Bezug verloren zu haben.

Ein Ereignis, von den Hongkonger Medien später als «Klopapier-Gate» bezeichnet, illustriert dies besonders gut. Als Lam 2017 zur Regierungschefin gewählt wurde, zog sie aus ihrer noblen Residenz in eine vergleichsweise bescheidene Unterkunft. Dort merkte sie an einem Abend, dass das Klopapier fehlte. Anstatt es in einem der nahegelegenen Läden zu besorgen, fuhr sie mit einem Taxi zurück an ihre alte Adresse und besorgte dort ein paar Rollen. Die Medien erklärten Lam darauf als «weltfremde Bürokratin».

Lam und das «Werkzeug der Einschüchterung»

Fünf Jahre nach den Regenschirmprotesten, finden sich auf den Strassen Hongkongs wieder zahlreiche Aktivisten zusammen. Dieses Mal geht es um ein geplantes Auslieferungsgesetz. Dieses würde es Hongkongs Behörden erlauben, von der chinesischen Justiz verdächtigte Personen an die kommunistische Volksrepublik auszuliefern.

Kritiker argumentieren, dass Chinas Justizsystem nicht unabhängig sei, nicht internationalen Standards entspreche und Andersdenkende politisch verfolge. Auch drohten Folter und Misshandlungen. Es wurde als «Werkzeug der Einschüchterung» in Hongkong beschrieben.

Ungeachtet des massiven Widerstandes will Carrie Lam das Gesetz so schnell wie möglich von der Peking-treuen Mehrheit im nicht frei gewählten Legislativrat absegnen lassen. In Lams Augen sind die Proteste der Hongkonger die «Aufruhr» und «nichts was man tut, wenn man Hongkong liebt.»

epa07643776 Protesters react during a rally against an extradition bill outside the Legislative Council in Hong Kong, China, 12 June 2019. The bill, scheduled for a second reading on 12 June has faced immense opposition from pan-democrats, the business sector, and the international community, would allow the transfer of fugitives to jurisdictions which Hong Kong does not have a treaty with, including mainland China. Critics of the bill have expressed concern over unfair trials and a lack of human rights protection in mainland China.  EPA/VERNON YUEN

Viele junge Hongkonger demonstrieren auf den Strassen gegen das neue Auslieferungsgesetz. Bild: EPA/EPA

In einem Fernseh-Interview bedauerte die 62-Jährige die vielen jungen Demonstranten. Sie sei selbst Mutter von zwei Söhnen. «Wenn ich jedes Mal dem Willen meines Sohnes nachgegeben hätte, hätte es vielleicht kurzfristig weniger Probleme zwischen uns gegeben. Aber wenn ich seinem eigensinnigen Verhalten immer nachgegeben hätte, hätte er bereut, als er erwachsen geworden ist.»

Mit Material von sda

Wenn an Demonstrationen Kunst entsteht

Debatte im Parlament eskaliert

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    Alle Leser-Kommentare
  • DavidP38 14.06.2019 10:08
    Highlight Highlight Kämpft weiter!!!
  • Raeffu 13.06.2019 15:54
    Highlight Highlight wofür gibt es in China räte und parteien wen eh alle nicht frei gewählt sind

  • imposselbee 13.06.2019 11:06
    Highlight Highlight Ich frage mich nur, was China generell erreichen will, es kann nur globale Herrschaft sein. Ob bewusst oder unbewusst, mit der neuen Seidenstrasse wird das wohl gelingen.
    Ein Staat der von Arbeitern geführt wird, wird so lange arbeiten, bis keine Arbeit mehr vorhanden ist und dann ... vermutlich alles zerstören und von vorne anfangen.
    Wir haben wenigstens gelernt, das Leben auch mal zu geniessen.
  • Avenarius 13.06.2019 10:25
    Highlight Highlight Ich bin gespannt auf die Reaktionen der Regierung und ob sie seit Tien'anmen 1989 was dazugelernt hat.
    Die Hongkonger sind absolut berechtigt auf der Strasse.
  • Donald 13.06.2019 08:49
    Highlight Highlight Diverse Regierungen haben sich schon dazu geäussert. Darunter auch die EU und die USA. Hat die offizielle Schweiz auch Bedenken für die ca. 3000 Bürger, welche da leben oder kann Ueli die Lage noch nicht so beurteilen?
    • Adventurer 13.06.2019 12:01
      Highlight Highlight Neinein, Ueli ist zu beschäftigt den Grossen der Weltpolitik Honig ums Maul zu schmieren und sich neben denen zu präsentieren (Trump und Winnie the Pooh)
    • Astrogator 13.06.2019 15:18
      Highlight Highlight Der Ueli träumt vom Handelsabkommen mit China...
  • Fredz 13.06.2019 08:34
    Highlight Highlight China unterdrückt alle, die nicht hörig sind. Tibeter, Uiguren, Hongkonger und und und, und bald auch die, die sich für die Seidenstraße prostituieren.
  • Glenn Quagmire 13.06.2019 08:29
    Highlight Highlight Xi Jinping's Marionette
  • Hüendli 13.06.2019 08:02
    Highlight Highlight Natürlich peitscht Lam das Gesetz durch ihr Marionetten-Parlament, sie ist ja auch nicht dem Volk verpflichtet. Hoffentlich ist sie dann aber auch die Erste, die gestützt darauf unter fadenscheinigen Gründen ausgeliefert wird, wenn sie beim Pandabären in Ungnade fällt.
  • CH-Bürger 13.06.2019 07:52
    Highlight Highlight Tja in China gibt es nur eine Partei und wenn es nur eine Partei gibt, dann gibt es nur eine Meinung. Erstaunlicherweise gibt es aber in diesem Systemapparat, wo eigentlich alle gleich sind, ein Schäumchen von reichen oder gar Superreichen privilegierte Personen, die hinter verschlossenen Türen sehr wohl ihre Freiheit geniessen. Damit das aber für sie lange anhält muss das Volk geknechtet und unterdrückt werden. Aber bis jetzt hattealles ein Ende nur wann.....
  • rodolofo 13.06.2019 07:25
    Highlight Highlight Überall auf der Welt tritt der Grundkonflikt zwischen sehr autoritären Erziehungen und weniger autoritären- bis anti-autoritären Erziehungen in eine neue Phase.
    JEDE Art von Erziehung ist in ihrem Wesenskern autoritär und gewalttätig, auch wenn sie die Prügelstrafe vermeidet und dafür manipulativen Psychoterror anwendet.
    Und jede Erziehung geschieht vor allem zum Wohl DER ERZIEHENDEN SELBST, die die Macht haben!
    Wenn die dabei auch etwas Menschlichkeit und Mitgefühl walten lassen, können sich ihre Untertanen zwischendurch wenigstens mal entspannen und Pause machen vom ständigen Leistungsdruck.
    • MacB 13.06.2019 15:55
      Highlight Highlight Oh Gott. Bitte rauch weniger...:)

      China oder desen Marionette wollen hier niemanden erziehen, sondern eigentlich ein bestehendes Rechtssystem aushebeln und durch das chinesische Modell ersetzen, wo Todesstrafen und plötzlich verschwundene Menschen an der Tagesordnung sind.

      Oder versteh ich dich falsch?
    • rodolofo 14.06.2019 07:55
      Highlight Highlight @ MacB
      Erziehung zum "Neuen Menschen".
      Diskutiert wird nicht mehr.
      Es wird nur noch befolgt, was der grosse Führer und seine Partei vorgeben.
      Und das ist Autoritäre Erziehung in Reinkultur!
      Dass eine solche Erziehung, bzw. Umerziehung für die Million Uiguren in Konzentrationslagern auch jede Menge Willkür-Justiz beinhaltet, gehört zum Konzept der Autoritären Erziehung mit dazu!
      Mir hat mal ein klassischer Macho gesagt, ein Vater müsse seinen Kindern hin und wieder einfach sagen, was sie zu tun hätten, OHNE dafür einen Grund zu nennen.
      Der Grund ist, weil ER das von Dir verlangt!
      ...
    • rodolofo 14.06.2019 13:12
      Highlight Highlight Der "Autoritäre" hat geblitzt...
      Na wenn's weiter nichts ist?
      Dann kann ich gleich noch fragen: Wer hat Angst vor dem starken Mann?
      Wenn die Frauen streiken, zeigt sich, wie schwach er tatsächlich ist, hahaa!
      Und die KP China wird auch noch merken, dass sie seelenlos und leer ist und darum dem Tode geweiht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tenno 13.06.2019 07:02
    Highlight Highlight Schon vor 10 Jahren wollten die Bewohner Hong Kongs die Briten zurück. Der Bruch war schon viel früher. Im 2012 wurde es einfach do prekär, dass es zum ersten Mal knallte.
    Für die "wahre" Bevölkerung Hong Kongs tut mir die Entwicklung unheimlich leid. Ich bin froh, konnte ich dieses "Land" noch in der wahren Pracht geniessen. Die Veränderung sind je länger je mehr spürbar.
  • ali_der_aal 13.06.2019 06:57
    Highlight Highlight unschön was in Hong Kong abgeht..

    Aber warum berichtet ihr nicht auch darüber was momentan im Sudan abgeht? Passiert grad ein riesiges Verbrechen an der Bevölkerung, aber ihr schweigt dazu...
    • Caligula 13.06.2019 08:47
      Highlight Highlight Ich denke, dass ist wohl der schlechten Informationslage geschuldet verlässliche Informationen zu erhalten. Andere Medien hatten vor ein paar Tagen durchaus darüber berichtet. Zudem ergibt "Grosses kommunistisches China gegen kleines demokrarisches Hog Kong" das bessere Narrativ.
    • MacB 13.06.2019 15:55
      Highlight Highlight Narrativ, das Wort der Stunde. Les ich jetzt zum 10. mal innert 2 Tagen, davor gefühlt seit Jahren nicht mehr.
  • manhunt 13.06.2019 05:43
    Highlight Highlight power tends to corrupt, and absolute power corrupts abosutely.

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