DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Was für ein Idiot. Jesus Christus» – Republikaner bringen Fauci aus der Fassung

Im US-Kongress sollte gestern über den Umgang mit der Corona-Pandemie diskutiert werden. Die Republikaner warten stattdessen hauptsächlich mit persönlichen Anschuldigungen gegen den Immunologen Anthony Fauci auf – bis diesem der Kragen platzt.
12.01.2022, 05:4312.01.2022, 12:36

Bei einem hitzigen Schlagabtausch mit republikanischen Abgeordneten bei einer Anhörung im US-Kongress ist dem präsidialen Covid-Berater Anthony Fauci der Kragen geplatzt. «Was für ein Idiot, Jesus Christus», entfuhr es dem Immunologen, dessen Mikrofon nach einer Befragung durch Senator Roger Marshall noch immer angeschaltet war.

Hintergrund der Anhörung
Fauci sowie die Direktorin des Centers for Disease Control and Prevention (Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention), Rochelle Walensky, traten vor dem Senatsausschuss auf, um den Umgang der Biden-Administration mit der COVID-19 Pandemie zu diskutieren. Die USA verzeichnet zurzeit fast 1.5 Millionen Fälle pro Tag. Mit mehr als 1500 Toten pro Tag erreicht das Land bald die Marke von 900'000.

Grund für seinen Ausruf war die offen feindselige Befragung durch Marshall, der vom 81-Jährigen Fauci als «bestbezahltem Regierungsmitarbeiter» wissen wollte, ob dieser seine Finanzen und Investitionen offenlegen werde.

Dafür hat Marshall hinter sich extra eine Tafel aufstellen lassen, die Anthony Faucis Gehaltscheck darstellen soll. Sein Gehalt in Höhe von 434'312 ist rot umkreist. Er fragt Fauci:

«Wären Sie bereit, dem Kongress und der Öffentlichkeit Ihre Finanzen sowie ihre früheren und aktuellen Investitionen offenzulegen?»

Irritiert entgegnet Fauci:

«Ich verstehe nicht, wieso Sie mich das fragen. Meine finanzielle Offenlegung ist öffentlich zugänglich, und das schon seit 37 Jahren oder so – seit 35 Jahren – sie sind direkt –»

Marshall fällt ihm ins Wort:

«Aber die grossen Tech-Giganten leisten unglaubliche Arbeit, um zu verhindern, dass diese an die Öffentlichkeit gelangt. Wir werden weiter danach suchen. Wo würden wir sie finden?»

Alles, was es er dafür tun müsse, sei danach zu fragen, antwortet Fauci, gefolgt von einem ungläubigen Lachen. Tatsächlich ist Fauci wie die meisten hohen Regierungsbeamten in den USA gesetzlich dazu verpflichtet, seine Finanzdaten jährlich offen zu legen. Es gibt keine Beweise dafür, dass Fauci dieses Gesetz nicht befolgt hätte. Er fährt fort:

«Sie sind so falsch informiert, das ist aussergewöhnlich. Alles, was Sie tun müssen, ist danach zu fragen.»

Marshall lässt sich dadurch nicht beirren und hält an seinem Standpunkt fest:

«Warum bin ich falsch informiert? Das ist ein riesiges Problem. Ist es nicht so, dass Sie Dinge sehen, bevor die Mitglieder des Kongresses sie zu sehen bekommen, so dass es scheint, als seien vielleicht ein paar Schwindeleien im Gange? Wissen Sie, ich glaube nicht, dass das der Fall ist – ich nehme an, dass das nicht der Fall ist.»

Implizit wirft er Fauci damit illegale Insider-Geschäfte mit der Pharmaindustrie vor, womit er auf unbewiesene Behauptungen zurückgreift, die in Pro-Trump-Medien tagtäglich gestreut werden. Sichtlich aufgebracht unterbricht Fauci den Senator:

«Wovon sprechen Sie? Meine finanzielle Offenlegung ist für jeden zugänglich und war es schon immer. Sie haben erstaunlich falsche Informationen.»

Er und sein Team könnten diese aber nicht finden, entgegnet Marshall und fragt nochmals nach:

«Wo wäre sie, wenn sie öffentlich zugänglich ist?»

Langsam genervt wiederholt Fauci:

«Es ist für Sie absolut zugänglich, wenn Sie es wollen.»
Marshall: «Für die Öffentlichkeit? Ist es für die Öffentlichkeit zugänglich?»
Fauci: «Für die Öffentlichkeit! Für die Öffentlichkeit!»

Toll, er freue sich darauf, diese anzuschauen, krebst Marshall kleinlaut zurück, während sich Fauci noch immer über die impliziten Vorwürfe empört. Er läge völlig falsch, wiederholt er mit fassungslosem Blick in Richtung Marshall, bevor er sich zurücklehnt.

Daraufhin ergreift die als Moderatorin agierende Demokratin Patty Smith das Wort und bringt die Diskussion zu Ende. Sie wiederholt, dass es sich bei den erfragten Dokumente um öffentliche Informationen handelt und dass Fauci ihm diese auf Nachfrage herausgeben würde.

Dann – in der Annahme, dass sein Mikrofon nun ausgeschaltet sei – lässt Fauci seinem Ärger freien Lauf:

«Was für ein Idiot. Jesus Christus.»

Kritik von Senator Paul – und Faucis Gegenschlag

Nebst Senator Marshall packt auch Rand Paul, Senator aus Kentucky, heftige Vorwürfe aus. Fauci missbrauche seine Stellung, um andere Wissenschaftler, die nicht seiner Meinung seien, zu diskreditieren, so Paul. Ob er wirklich denke, dass ein 420'000-Dollar-Lohn angebracht sei, um die Wissenschaft zu attackieren. Fauci versucht, auf die Vorwürfe einzugehen, wird von Paul aber immer wieder unterbrochen.

Der verbale Schlagabtausch geht hin und her, bis Fauci den Sentor auf das eigentliche Thema hinweist:

«Senator. Wir sind hier in einem Ausschuss, um uns mit einem Virus zu befassen, das fast 900'000 Menschen getötet hat. Der Zweck des Ausschusses war es, herauszufinden, wie wir der amerikanischen Öffentlichkeit helfen können. Und Sie kommen immer wieder mit persönlichen Angriffen auf mich zurück, die absolut keinen Bezug zur Realität haben.»

Paul nutzt die Rückkehr zum Thema, um weitere Vorwürfe anzubringen:

«Unter Präsident Biden sind jetzt mehr Menschen gestorben als unter Präsident Trump. Sie sind der Verantwortliche, Sie sind der Architekt. Sie sind der leitende Architekt für die Reaktion der Regierung. Und jetzt sind 800'000 Menschen gestorben. Denken Sie, dass Ihr Rat für die Regierung ein Erfolg gewesen sei?»

Fauci entgegnet, dass alles, was er gesagt habe, den Richtlinien der CDC (Centers for Disease Control and Prevention) entsprochen habe. Daraufhin greift Paul wieder auf persönliche Anschuldigungen zurück, doch Fauci hat genug davon und holt zum Gegenschlag aus. Er könne das einstecken, so Fauci über sich selbst, aber das Verbreiten solcher Lügen habe Konsequenzen:

«Was passiert, wenn er (Rand Paul) rauskommt und mir Dinge vorwirft, die völlig unwahr sind, ist, dass das plötzlich die Verrückten da draussen auf den Plan ruft und mein Leben bedroht wird, meine Familie und meine Kinder mit obszönen Telefonen belästigt werden – weil Leute Lügen über mich verbreiten.»

Er bringt das Beispiel von einem Mann, der letzten Monat auf dem Weg vom kalifornischen Sacramento nach Washington DC wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten worden war. Als er von der Polizei gefragt worden sei, wohin er unterwegs sei, antwortete dieser, dass er Dr. Fauci umbringen wolle. In seinem Auto sei eine AR15, ein halbautomatisches Maschinengewehr und Munition gefunden worden.

Für viele Corona-Skeptiker, Impf- und Masken-Gegner vom rechten Rand ist Fauci zu einem Feindbild geworden. Die heftigen Angriffe der Republikaner gegen Anthony Fauci scheinen dies zu verschärfen.

Fauci unterstreicht dies mit einem Beispiel und hält ein Papier in die Höhe, auf dem sein eigenes Gesicht zu sehen ist. Er führt aus:

«Gehen Sie auf Rand Pauls Website, dann sehen Sie ‹Feuert Dr. Fauci›. Daneben steht in einem kleinen Kästchen: ‹Spenden Sie hier›. Sie können 5, 10, 20 oder 100 Dollars spenden.»

Dann, an Paul gerichtet, kommt er zum Schluss:

«Sie machen also eine katastrophale Epidemie zu Ihrem politischen Spiel.»

Unterstützung erhält Fauci vom demokratischen Senator Chris Murphy, der sich als nächstes zu Wort meldet:

«Danke, dass Sie diese Agenda als das bezeichnen, was sie ist: ein Versuch, politische Punkte zu sammeln, eine politische Machtbasis aufzubauen, die auf der Leugnung der Wissenschaft und auf persönlichen Angriffen auf Sie und Ihre Familie beruht.»

Das Gesundheitsministerium meldet sich zu Wort

Auch das amerikanische Gesundheitsministerium (Department of Health and Human Services) zeigt sich alles andere als begeistert über diese Anhörung im Senatsauschuss. Der Sprecher des Ministeriums findet klare Worte:

«In einer Zeit, in der Amerika steigende COVID-Fälle verzeichnet, ist es enttäuschend und offen gesagt inakzeptabel, dass republikanische Senatoren sich dafür entscheiden, eine Anhörung mit den führenden Gesundheitsexperten des Landes damit zu verbringen, Verschwörungstheorien und Lügen über Dr. Fauci zu verbreiten, anstatt sich damit zu befassen, wie wir die Menschen vor COVID-19 schützen.»

Zuletzt hat Fauci erneut vor Omikron gewarnt: «Mit der aussergewöhnlichen und beispiellosen Effektivität der Übertragung wird Omikron letztlich fast jeden finden». Auch Geimpfte würden davon betroffen sein, allerdings nicht so schwer wie Ungeimpfte.

Mit Material der Nachrichtenagentur sda.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«System der Vertuschung» – 4 Punkte zum Missbrauchsskandal um Ex-Papst Benedikt

Ein neues Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising erhebt schwere Vorwürfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe in seiner Zeit als Münchner Erzbischof Missbrauchstäter «mit hoher Wahrscheinlichkeit» wissentlich in der Seelsorge eingesetzt und darüber die Unwahrheit gesagt. So beurteilt es die vom Bistum beauftragte Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW). In insgesamt vier Fällen werfen ihm die Gutachter Fehlerverhalten vor.

Zur Story