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Coronavirus

«Fundiert spekulieren» über Omikron – Immunologe ordnet Wissenschft ein

Booster wird extrem wichtig – drei neue Erkenntnisse zu Omikron

08.12.2021, 13:5909.12.2021, 07:00
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Seit nicht einmal zwei Wochen ist weltweit bekannt, dass es sie gibt: Die Variante B.1.1.529 des Coronavirus. Besser bekannt als Omikron.

Seither wurde über Omikron viel spekuliert. Und täglich wird weiter spekuliert. Damit zukünftig «fundierter spekuliert» werden kann, hat der deutsche Immunologe Carsten Watzl den Stand der Wissenschaft zusammengetragen und in einem Twitter-Thread veröffentlicht:

Die wichtigsten Erkenntnisse:

«Impfung ist weniger effektiv, aber nicht nutzlos»

Erste Experimente mit dem Pfizer-Impfstoff würden zeigen, dass die Neutralisation von Omikron durch den Impfstoff schwächer ist im Vergleich zum ursprünglichen Virus.
Klartext: Der Impfschutz ist gesunken.

Watzl ordnet diese ersten Daten im weiteren Thread ein:
Die Impfung erzeuge zwar Antikörper, die gegen Omikron wirksam seien. Es brauche allerdings etwa 40-Mal mehr Antikörper, um Omikron zu neutralisieren.

Darum sei es besonders wichtig, nach der vollständigen Impfung auch zu boostern, um die Antikörper im Körper zu stimulieren – und damit den Schutz gegen Omikron aufrechtzuerhalten.

Watzl spekuliert, dass ein auf Omikron angepasster Impfstoff im Frühjahr 2022 kommen werde. Watzl sagt, bis dahin schützten die aktuelle Impfung und der Booster bei Omikron immerhin vor schweren Verläufen.

Daten, auf die Watzl nicht verweist, wurden von der Virologin Sandra Ciesek veröffentlicht:

Cieseks Daten ergaben, dass nach einer Booster-Impfung mit Biontech die Neutralisation nach drei Monaten nur noch 25% betrage – während er bei der Delta-Variante immerhin noch 95% ist. Sie plädiert darum für eine Anpassung des Impfstoffes:

Auch Pfizer schreibt, dass es für einen Schutz vor Omikron drei Dosen der Impfung brauche – dies hätten erste Labordaten ergeben. Pfizer geht davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung weiterhin gegeben sei, da die gebildeten T-Zellen von den Mutationen nicht beeinträchtigt seien. Und: Ab März könne man einen angepassten Impfstoff bereitstellen.

«Omikron setzt sich gegen Delta durch»

Durch den schwächeren Impfschutz kann es vermehrt zu Impfdurchbrüchen kommen: Geimpfte und Genesene werden sich eher anstecken. Das sei auch der Grund, weshalb Daten aus Südafrika, Grossbritannien und Dänemark zeigten, dass Omikron sich schneller verbreite als Delta, schreibt Watzl.
Klartext: Mehr Menschen verteilen das Virus an mehr Menschen.

Die Krankheits-Verläufe würden bei Personen mit einem bestehenden Immunschutz – also Geimpften und Genesenen – allerdings milder ausfallen, schreibt Watzl.

«Omikron wird das Gesundheitssystem deutlich mehr belasten»

Allerdings: Da Omikron ansteckender ist und tendenziell mehr Personen das Virus mit sich herumtragen werden, werden sich auch Ungeimpfte eher anstecken. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ungeimpfte schwer erkrankten, sei mit Omikron darum «deutlich gestiegen».

Ungeimpfte würden so das Gesundheitssystem auch «deutlich mehr belasten».

Watzls Fazit: Impflücke schliessen und Massnahmen einhalten schützt zurzeit durchaus vor Omikron – ganz ohne Spekulation. (yam)

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222 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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BG1984
08.12.2021 14:12registriert August 2021
Und fassen wir die ungeimpften weiterhin mit Samthandschuhen an?
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Jonas der doofe
08.12.2021 14:09registriert Juni 2020
Danke für den Bericht. Leider werden den nur geimpfte lesen. Schwurbler erreicht watson wohl nicht damit.
Gruss von einem, der gestern den Booster bekam und heute im Bett liegt.
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Agakami
08.12.2021 14:17registriert August 2016
Bei uns wird man natürlich erst abwarten und hoffen das Omnikron die neutrale Schweiz verschonen wird. Anschliessend zeigt man sich überrascht dass das Gesundheitswesen jetzt aus unerklärlichen gründen und trotz den "strengen" Massnahmen jetzt überlastet ist. Naja ich Stelle mich schon auf den nächsten shutdown ein.
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