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Influencern wird Geld angeboten, wenn sie schlecht über den Pfizer-Impfstoff sprechen

«Tu so, als hättest du eine Leidenschaft und ein Interesse für dieses Thema»: Französische und deutsche Influencer sollten für Geld den Impfstoff von BioNTech-Pfizer diskreditieren. Dahinter steckt eine dubiose Agentur – die Spur führt nach Russland.
26.05.2021, 11:3327.05.2021, 10:01

Französische Social Media Influencer sollten offenbar gegen Geld den Impfstoff von BioNTech-Pfizer in schlechtes Licht rücken. Sie seien von einer mysteriösen Kommunikationsagentur kontaktiert worden, berichtet das französische Newsportal The Connexion. Ihnen sei Geld angeboten worden, wenn sie im Gegenzug behaupteten, dass der BioNTech-Pfizer-Impfstoff gefährlich sei.

Im Fokus der Agentur standen vor allem Influencer, die sich in den Bereichen Wissenschaft und Medizin ansiedeln. Darunter auch Jérémie, bekannt als «Docteur JFK» auf TikTok. Gegenüber FranceInfo erzählt er:

«Ich sollte sagen, dass die Impfung von BioNTech-Pfizer drei Mal mehr Todesfälle verursacht habe als der von AstraZeneca. Die Person, die mich kontaktiert hat, wollte völlig inkognito bleiben, während man üblicherweise seine Marke nennen muss, wenn man eine Partnerschaft eingeht.»

Der Influencer mit 63'000 Followern auf TikTok hat das mit 2000 Euro bezifferte Angebot ausgeschlagen. Das entspreche nicht seinen Prinzipien.

Agentur vermutlich mit russischem Hintergrund

Die Agentur, die ihm das Angebot unterbreitete, nennt sich «Fazze» und beschreibt sich auf ihrer Website als eine «Influencer-Marketing-Plattform». Laut Website befindet sich das Unternehmen an der 5 Percy Street in London, ist aber nicht dort registriert. Die Londoner Adresse sei gefälscht und im Jahr 2018 sei das Unternehmen noch auf den Britischen Jungferninseln ansässig gewesen, so The Connexion. Seit Dienstagabend ist die Website offline.

Über eine archivierte Website, geteilt von der französischen Newsplattform Fact and Furious gelangt man auf eine alte Stellenanzeige. Dort werden Mitarbeitende für Büros in Moskau gesucht – fliessende Russischkenntnisse sind für eine Anstellung Voraussetzung. Auch auf dem mittlerweile verschwundenen LinkedIn-Profil der Agentur wurde Moskau als Hauptsitz genannt.

Genaue Anweisungen für «Informations-Kampagne»

Auch YouTuber Léo Grassert, bekannt als «DirtyBiology», erhielt am 24. Mai eine ähnliche Nachricht. Er twitterte: «Das ist seltsam. Mir wurde eine Partnerschaft angeboten, die darin besteht, den Impfstoff von Pfizer in einem Video zu zerreissen. Riesiges Budget und ein Kunde, der anonym bleiben will.»

«Riesiges Budget und ein Kunde, der anonym bleiben will.»

Des Weiteren solle er Links teilen, die zu einem Report führen, welcher die Behauptungen stütze. Auf Twitter teilte er Screenshots der ominösen Nachricht. Darin werden ihm genaue Instruktionen gegeben, wie er die Informationen übermitteln soll:

  1. Verwende nicht die Wörter «advertising», «gesponsertes Video», etc. in deinen Beiträgen, Stories oder Videos. Es soll wie ein Rat an deine Zuschauerinnen und Zuschauer aussehen.
  2. Präsentiere das Material auf natürliche Weise. Tu so, als hättest du eine Leidenschaft und eine Interesse für dieses Thema. Präsentiere das Material als deine unabhängige Ansicht.
  3. Ziehe die Schlussfolgerung von der Tabelle. Erkläre mit Ausdruck: Die Todesrate unter den mit Pfizer geimpften Personen ist fast 3 Mal höher als bei den mit AstraZeneca geimpften.
  4. Erkläre, dass die Mainstream-Medien dieses Thema ignorieren und dass du dich dazu entschieden hast, es mit deinen Followern zu teilen.
  5. Stelle eine Frage wie: «Wieso bezieht eine Regierung den Pfizer-Impfstoff, wenn er für die Gesundheit der Leute gefährlich ist?»

Grasset erhielt ebenfalls keine Antwort auf die Frage, wer denn der Klient sei. Dieser wolle lieber anonym bleiben.

Auch der deutsche YouTuber und Podcaster Mirko Drotschmann erhielt eine Anfrage derselben Agentur:

Motiv der Kampagne noch unklar

Das französische Gesundheitsministerium liess verlauten, dass es diese Ereignisse genau beobachte. Zudem verurteilt es den offensichtlichen Versuch, Falschinformationen zu verbreiten. Bisher konnte noch kein klares Motiv für die Desinformations-Kampagne identifiziert werden.

Französische Medien haben aber auf Ähnlichkeiten zwischen «Fazzes» Nachrichten und dem offiziellen Twitter-Kanal des russischen Impfstoffes Sputnik V hingewiesen. Denn laut der folgenden, auf dem offiziellen Kanal von Sputnik V geteilten Tabelle hat Pfizer eine dreimal höhere Todesrate als AstraZeneca – wie in «Fazzes» Nachrichten immer hervorgehoben:

Zudem betont Sputnik V auf seinem Twitter-Kanal seit geraumer Zeit, dass der eigene Impfstoff sicherer und effizienter als mRNA-Impfstoffe sei. Sie sind nicht die Einzigen: Eine im vergangenen Monat veröffentlichte Studie des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) beschuldigte russische und chinesische Medien der «staatlich geförderten Desinformation». Es werde versucht, Misstrauen gegenüber den westlichen Impfstoffen zu säen. Dabei würden unbegründete Zusammenhänge zwischen verabreichten Impfdosen und Todesfällen in Europa hergestellt, heisst es im Bericht weiter.

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