International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08355878 Health care professionals in protective suits at work in the intensive care unit (ICU) for patients infected with the coronavirus disease (COVID-19) at the Policlinico di Tor Vergata hospital, in Rome, Italy, 10 April 2020.  EPA/GIUSEPPE LAMI

Italien verzeichnet bereits mehr als 22'000 Corona-Todesfälle. Bild: EPA

Corona-Pfleger aus Italien postet Erlebnisse auf Facebook – und trifft damit einen Nerv



Als Pfleger in der Hospizabteilung eines privaten Spitals in Rom ist Alessio Fantini Leid und Tod gewohnt. Doch sein Leben änderte sich vor wenigen Tagen.

>> Die neusten Entwicklungen im Liveticker.

Da erlebte der 30-Jährige erstmals einen Todesfall in Verbindung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 und der davon verursachten Lungenkrankheit Covid-19. Seine Gefühle beschrieb er in einem Eintrag auf Facebook – und traf damit in dem besonders hart von der Corona-Pandemie getroffenen Italien einen Nerv. Sein Post wurde bis Freitagmittag über 42'000 Mal geteilt.

«Das war anders als sonst», erzählte Fantini der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. «Einen Patienten zu reinigen, ihn in einen Leichensack zu hüllen, auf die Leute vom Leichenbestatter zu warten, ohne eine angemessene Verabschiedung seiner Angehörigen – das ist etwas, das dich berührt», sagte er. «Ja, dieses Virus ist gemein, es nimmt dir nicht nur das Leben, sondern auch die Würde», schreibt er unter anderem in seinem Post.

Er sei erschöpft, weine viel, habe aber auch Wut. «Wut auf zwei Kategorien Mensch: Die, die nicht die Regeln der Quarantäne respektieren und damit ihr Leben und das anderer in Gefahr bringen.» Und Wut auf die, die zu Hause sässen und sich darüber beschwerten. «Dabei müssten sie erkennen, welches Glück sie haben, mit ihren geliebten Menschen zusammen zu sein.»

Italien verzeichnet unter den europäischen Staaten die meisten Toten in Zusammenhang mit dem Virus. Dass Menschen europaweit zu bestimmten Zeiten an ihren Fenstern stehen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen wie Fantini applaudieren, empfindet er als etwas seltsam. «Menschen wollen ihre Anerkennung miteinander teilen und uns danken, doch ich fühle mich ganz sicher nicht wie ein Held», sagt er. Seit sechs Jahren ist er Pfleger, verdient 1500 Euro netto im Monat.

Bild

Alessio Fantini in Vollmontur. bild: Facebook/Alessio Fantini

Statt der üblichen sieben Stunden arbeitet Fantini derzeit täglich zwölf Stunden – immer bekleidet mit Schutzanzug, einer Maske und zwei Paar Handschuhen. Das Anlegen der gesamten Ausrüstung dauert mehr alsfünf Minuten, berichtet er. «Ich schwitze viel und kann kaum etwas hören. Für fünf bis sechs Stunden kann ich nicht trinken, essen oder die Toilette benutzen. Man fühlt sich wie unter Wasser, und das Gefühl bleibt, auch wenn du fertig bist und nach Hause gehst.»

Die Covid-19-Patienten könnten sein Gesicht und das der anderen Pfleger auf der Station gar nicht erkennen. Als die Krankenhausleitung gefragt habe, wer auf der Covid-19-Station arbeiten wolle, habe er sich sofort gemeldet. «Das war eine gute Entscheidung. Ich habe diesen Job gewählt, weil ich anderen helfen möchte.» Fantini ist in seiner Freizeit Amateur-Fussballtrainer und benutzt eine Sport-Metapher, als er sagt: «In einem so kritischen Moment auf der Bank zu sitzen, wäre nicht in Einklang mit meiner Person gewesen.» (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Coronavirus: Was du wissen musst

Coronavirus – Verbreitung durch Husten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

18
Bubble Diese Diskussion wurde geschlossen.
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Morgenbrot 17.04.2020 22:25
    Highlight Highlight Irgendwie trifft in meinem Umfeld (Arbeit, Freizeit, zufällige Begegnungen) nur eins einen Nerv:
    Das gemeinsame Gefühl, nur noch Propaganda zu lesen und von Morgens bis abends eingelullt zu werden.
    Es wird überall berichtet, wie alle hinter den Massnahmen stehen und alles kritiklos befürworten.
    Nun, egal mit wem ich rede, da draussen auf der Strasse, auf der Arbeit, egal wo und wen ich frage, dominieren Bedenken an der Berichterstattung, Kritik an den Massnahmen und das Gefühl, das irgendwas stinkt. Nur weiss noch keiner woher der üble Geruch kommt.
    • Raembe 17.04.2020 23:42
      Highlight Highlight Nur weil man sich an die Massnahmen hält, heisst das noch lange nicht das man keine Bedenken hat. Die Massnahmen sind nachvollziehbar und werden durch den Bund transparent präsentiert und begründet.
      Den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung verstehe ich auch nicht. Bei Watson ist gefühlt jeder zweite Corona Bericht eher kritisch.

      Der üble Geruch kommt aus vielen Ecken, z. B von: Verschwörungstheorien, Sturheit, EU, USA, China, Google und Apple, Dummheit, Parteien und Verbänden.

      Hier habe ich weniger Zweifel, der BR ist transparent und prüft die Schritte jeweils doppelt
    • AnnaFänger 18.04.2020 10:41
      Highlight Highlight Wenn du die richtigen Fragen stellst, sind alle auf einmal Verschwörungstheoretiker und Skeptiker.
    • Raembe 18.04.2020 16:14
      Highlight Highlight @Anna: Kritische Fragen und Gedanke haben ist kein Problem, aber wenn Du mir dann z. B. mit der Hausenteignungs-Theorie kommst, fasse ich mir schon an den Kopf.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DerRaucher 17.04.2020 21:38
    Highlight Highlight Ja sein Schicksal ist nicht zu beneiden. Doch wie lange wird weiterhin immer nur über das negative berichtet? In ganz Europa fielen die Zahlen. Wenn wir von Corona infizierte Statistiken sehen, dann immer nur die komplette. Das in der Schweiz von 27'000 aber schon 15'900 wieder geheilt sind, ist nur eine Randnotiz. Selbiges Bild übrigens in Deutschland und co.

    Man schlachtet dieses Thema bis zum bitteren Thema aus. Ob es nun Medien sind oder Privatpersonen.
    • Raembe 17.04.2020 23:48
      Highlight Highlight Es ist ein schmaler Grat auf dem sich doe Medien zurzeit befinden. Zu negativ berichten macht Leute depressiv und führt zu Kritik. Zu positiv berichten kann ebenfalls den falschen Eindruck vermitteln und Leute zur Unvorsicht verleiten. Ich persönlich würde daher auch eher negative Berichte bringen, damit den Leuten der Ernst der Lage bewusst bleibt.
    • Lululuichmagäpfelmehralsdu 18.04.2020 06:21
      Highlight Highlight Ich fühle mich verschaukelt. Es war nie Ernst da, wir sind nicht in Italien.. Normalität Jetzt!
    • regen 18.04.2020 09:55
      Highlight Highlight es geht nicht mehr lange und dann tönt es aus gewissen kreisen, die schon eh immer alles besser wissen und gewusst haben wollen so, wie in dieser grafik dargestellt. mir graut.....
      Benutzer Bild
  • TheKen 17.04.2020 20:01
    Highlight Highlight Auch wenn Hr. Fantini sich nicht als Held sieht, Respekt hat er sich auf jeden Fall verdient. Er hat sich freiwillig gestellt!!
    • sowhat 18.04.2020 13:28
      Highlight Highlight Wieso gestellt? Was hat er denn für ein Verbrechen begangen?
    • sowhat 18.04.2020 17:27
      Highlight Highlight Hallo liebe Blitzer, habt ihr euren Humor verloren? Wir sind hier nicht beim Blick oder 20Min. 🤦‍♂️
  • Steigeiss 17.04.2020 18:38
    Highlight Highlight Eindrücklich. Aber statt Applaus wären mal echt Lohnanpassungen bei den Pflegeberufen fällig!!!
    • el fuego 18.04.2020 07:54
      Highlight Highlight Bei der Berufswahl ist der Lohn ein Punkt der ziemlich weit hinten kommt.Es ist aber nicht nur die Bezahlung sondern der Spardruck und der sagenhafte Stress! Die Pflege hat sich unter einem neoliberalen Regime überall zu einem berechenbaren Geschäft verändert.Wärend überall privatisiert und verteuert wird, müssen Spitäler rentieren oder sogar Gewinn abwerfen. Diese perverse Seite der kapitalistischen Unkultur führt zu krankem, und schliesslich auch gebrochenem Personal.Viele verlassen die Pflege schon bevor Sie einfach nicht mehr leisten und geben können! Hilfe wäre nötig!
  • Jarhead 17.04.2020 18:04
    Highlight Highlight Ich finde solche Beiträge immer sehr interessant. Er zeigt auch andere Seiten der Krise auf. Das es neben den erkrankten Personen auch andere Personen gibt, welche darunter Leiden. Diese Menschen haben den Beruf gewählt, um anderen zu Helfen. Und diese Belastung, im Stundentakt tote Personen aufzubereiten, im Wissen, dass die Angehörigen sich nicht Verabschieden konnten, möchte ich mit nicht vorstellen.
    Solche Beiträge wirken für mich sensibilisierend und zeigen immer wieder neue Gründe auf, wieso wir als Gesellschaft zusammenhalten müssen. Um genau solche Geschichten in der CH zu verhindern.

WhatsApp-Nachrichten warnen vor Corona-«Impfzwang» – das musst du wissen

Auf WhatsApp kursieren Meldungen, die vor einem «Impfzwang» warnen. Kann der Bundesrat die Schweizer Bevölkerung wirklich zu einer Impfung zwingen? 6 Dinge, die du jetzt darüber wissen musst.

«BITTE DRINGEND TEILEN! Der Impfzwang soll jetzt gesetzlich verankert werden» – so heisst es in einer WhatsApp-Nachricht, die sich derzeit wie ein Lauffeuer verbreitet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Die gesetzliche Grundlage dafür gibt es bereits. Laut Epidemiengesetz (Art. 6, Absatz 2d), das 2013 vom Volk angenommen wurde, kann der Bundesrat in einer besonderen Lage Impfungen für obligatorisch erklären. Allerdings wird dieses Obligatorium im Gesetz auf «gefährdete …

Artikel lesen
Link zum Artikel