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Nach Attentat auf Shinzo Abe – so selten sind Gewaltverbrechen in Japan

Kaum Waffen, kaum Morde: Darum schockiert das Attentat auf Shinzo Abe Japan speziell

08.07.2022, 16:57
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Der frühere japanische Regierungschef Shinzo Abe wurde am Freitag an einer Wahlkampfveranstaltung erschossen. Der 67-Jährige befand sich zunächst in kritischem Zustand und kämpfte im Krankenhaus um sein Leben. Schliesslich erlag er seinen schweren Verletzungen. Das Attentat sendet Schockwellen durch den Inselstaat, denn Gewaltverbrechen sind hier extrem selten, geschweige denn Attentate auf Politiker. Wie selten, zeigen diese Daten:

Morde

daten: UNODC

Die Mordrate pro 100'000 Einwohner ist in Japan nur gerade halb so hoch wie in der Schweiz und beläuft sich auf einen Bruchteil jener der USA. Laut worldpopulationsreview.com wurden 2018 in Japan 334 Morde verübt – bei 125 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Im selben Jahr waren es 50 in der Schweiz, 16'214 in den USA. Ein Grossteil der Gewalttaten werden im Inselstaat auf das organisierte Verbrechen rund um die japanische Yakuza zurückgeführt.

Schusswaffen-Gewalt

Es handelt sich hier um ausgewählte Länder, keine vollständige Rangliste.daten: worldpopulationreview

Todesfälle, bei denen Schusswaffen im Spiel sind, sind in Japan sogar noch seltener. Während es in den USA 2019 zu etwa 12 Waffentoten pro 100'000 Einwohnern kam, waren es in Japan im gleichen Zeitraum nur gerade 0,06. In absoluten Zahlen waren es in den USA 40'175 und in Japan 76 Todesfälle. Hier eingerechnet sind Morde, Unfälle und Suizide.

Grund dafür sind extrem strikte Schusswaffengesetze. Wer eine Waffe kaufen will, muss in Japan mehrere Checks und einen Einführungskurs mit Prüfung überstehen. Laut Medienberichten hatte der mutmassliche Täter Shinzo Abe mit einer selbstgebauten Feuerwaffe erschossen. Bilder vom Attentat bestätigen diesen Verdacht.

Mehr über selbst gebastelte Waffen findest du hier:

Attentate auf Politiker

Besonders in den US-Medien wird darauf hingewiesen, wie schlecht geschützt Abe bei seiner Wahlkampf-Rede war. Tatsächlich ist auf einem Bild kurz vor dem Attentat kaum Security-Personal zu sehen. In den USA undenkbar. In Japan sind politische Morde jedoch äusserst selten.

Die Yakuza ermordete 2002 den Politiker Koki Ishii und 2007 den Bürgermeister von Nagasaki, Iccho Itoh, für einen politisch motivierten Mord muss man jedoch noch weiter in der Geschichte zurückgehen. Am 12. Oktober 1960 ermordete der junge Nationalist Otoya Yamaguchi den damaligen Führer der Sozialisten in Japan, Inejiro Asanuma, vor laufender Kamera mit einem Samurai-Schwert.

Tokyo Stabbing: The photo was taken directly after Yamaguchi stabbed Asanuma and is here seen attempting a second stab, although he was restrained before that could happen.
Der Fotograf Nagao hielt den Moment, kurz bevor Asanuma erstochen wurde, für immer fest. Bild: Yasushi Nagao/Pulitzer Prize for Photography

Das Bild des Mords ging damals um die Welt und der Fotograf Yasushi Nagao gewann damit sogar den Pulitzer-Preis. (leo)

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Anschlag auf Japans rechten Ex-Regierungschef Abe
Video: watson
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21 Kommentare
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Bündn0r
08.07.2022 17:46registriert Januar 2018
Ich würde eher sagen, die USA haben ein völlig verzerrtes Weltbild davon, wie viel Sicherheitsvorkehrungen für politische Veranstaltungen notwendig sind.
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zyrianer
08.07.2022 18:55registriert Dezember 2016
Und all die Morde wurden natürlich von Detectiv Conan aufgeklärt.
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