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Demonstranten rangeln am 14.10.2017 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main (Hessen), bei einer Lesung und Podiumsdiskussion mit Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Höcke, mit Ordnern. (KEYSTONE/DPA/Frank Rumpenhorst)

Rangeleien an der Frankfurter Buchmesse: Im vergangenen Herbst gab es Proteste gegen die Anwesenheit rechter Verlage. Bild: dpa

Trotz der Tumulte von Frankfurt: Leipziger Buchmesse lädt rechtspopulistische Verlage ein

Vergangenen Herbst kam es an der Frankfurter Buchmesse zum Eklat, es gab Proteste gegen die Anwesenheit rechter Verlage, Provokationen von beiden Seiten und gewalttätige Angriffe von rechts. In wenigen Tagen eröffnet in Leipzig die zweitgrösste Buchmesse Deutschlands. Dieselben umstrittenen Verlage werden wieder anwesend sein. Der Widerstand formiert sich.



Die Junge Freiheit, Manuscriptum und Antaios sind drei Verlage, die dem rechten bis rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Sie waren im vergangenen Herbst an der Frankfurter Buchmesse vertreten. Als drei von über 7000 Ausstellern machten sie nur einen geringen Anteil aus, doch ihre Anwesenheit reichte für eine Eskalation.

In zehn Tagen beginnt die Leipziger Buchmesse. Mit knapp 2500 Ausstellern ist sie die zweitgrösste Buchmesse Deutschlands, die Besucherzahlen steigen Jahr für Jahr. Als erster grosser Branchentreff des Jahres gilt sie mit der Präsentation der Neuerscheinungen als wichtiger Impulsgeber für den Büchermarkt. Gastland ist dieses Jahr Rumänien, Top Shots wie Norman Manea, Mirvea Vartarescu und die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller werden anwesend sein.

Ebenfalls anwesend werden auch die umstrittenen Verlage sein, die Anmeldung läuft noch, der Veranstalter rechnet mit vier bis fünf Ausstellern «aus diesem Spektrum».

«Ein Ort der Vielfalt»

Die Kritik kam postwendend: So haben sich die deutschsprachigen Literaturinstitute jüngst mit einem offenen Brief an die Stadt Leipzig gewandt. Titel: «Keine Nazis auf der Buchmesse».

Man sei wütend über die Entscheidung, auch in diesem Jahr rechte Zeitschriften und Verlage auf der Messe zuzulassen. Die Buchmesse trage durch diese Entscheidung eine Mitverantwortung «dafür, dass sich rassistische, sexistische, geschichtsrevisionistische und homophobe Positionen in Parlamenten und auf der Strasse normalisieren und etablieren können».

An den Ständen der Verlage sollen «der wegen Volksverhetzung verurteilte Autor Pirinçci und der verschwörungstheoretische Publizist Elsässer» sprechen. Die Buchmesse sei ein Ort der Vielfalt, deshalb dürfe dort kein Raum für jene sein, die die Vielfalt bekämpfen wollten. Die Stadt solle deshalb die Teilnahmebedingungen ändern und die Verlage und Zeitschriften ausschliessen.

Direktor betont Meinungsfreiheit

Der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, hält gegenüber dem «Mitteldeutschen Rundfunk» an der Entscheidung fest. Man werde daran arbeiten, dass das Thema um diese Verlage die Leipziger Buchmesse «nicht so dominiert». Diese Verlage seien Kunden wie andere auch, sie hätten das Recht, Publikationen – so lange diese mit dem Gesetz vereinbar seien – an der Messe auszustellen.

Zusammen mit der Gruppe #verlagegegenrechts habe man eine Veranstaltungsreihe initiiert, die ein anderes Menschenbild und Meinungsspektrum transportiere – «das einer offenen, freien Gesellschaft». Man müsse damit umgehen, dass immer mehr unterschiedliche Gesellschaftsmodelle in den Fokus rücken würden – darunter auch solche, die offen demokratiefeindlich seien. Zille: «Die Buchmesse ist immer ein Brennglas der gesellschaftlichen Entwicklung gewesen.»

Die Gruppe #verlagegegenrechts ruft derweil zu einer Kundgebung gegen die Verlage auf.

(dwi)

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Watson=Propagandahuren 05.03.2018 21:15
    Highlight Highlight Lustig, wenn "Anti-Faschisten" so was faschistisches wie Zensur fordern.
    Oder eher bedenklich?
  • 7immi 05.03.2018 13:45
    Highlight Highlight meinungsfreiheit gilt nunmal auch für meinungen, die mir selber nicht passen. so ist das nunmal. wenn man sie nicht einlädt, existieren sie dennoch. durch diese öffentliche exposition sind diskussionen möglich. man sollte nie einseitigkeit mit einseitigkeit bekämpfen, sonst verliert man die glaubwürdigkeit...
  • Makatitom 05.03.2018 12:38
    Highlight Highlight Leipzich ist auch in Sucksen, dort würde es wohl Tumulte geben. wenn der Kopp-verlag oder die Hirnis von Compact nicht eingeladen würden
  • walsi 05.03.2018 12:00
    Highlight Highlight Zitat: "Die Buchmesse sei ein Ort der Vielfalt, deshalb dürfe dort kein Raum für jene sein, die die Vielfalt bekämpfen wollten." Darum muss man die Vielfalt bekämpfen und die rechten Meinungen die einem nicht gefallen bekämpfen. Wer findet den Fehler?

    Wer nur Meinungen zulässt die einem gefallen ist kein Verfechter der freien Meinungsäusserung, er ist ein Zensor und Unterdrücker.
    • Shlomo 05.03.2018 12:59
      Highlight Highlight Faschismus ist keine Meinung PUNKT
    • walsi 05.03.2018 13:33
      Highlight Highlight Eeklären sie doch mal, weshalb diese Verlage faschistisch sind? Auf Grund welcher Bücher und den darin getroffenen Aussagen kommen sie zu ihrem Urteil, dass diese Verlage faschistusch sind.
    • Shlomo 05.03.2018 15:13
      Highlight Highlight @Atlantar: Es gibt auch Leute die glauben an den Samichlaus oder Gott. Nur weil man dran glaubt ist es noch lang nicht wahr.
  • Kaspar Floigen 05.03.2018 11:59
    Highlight Highlight Bücher... Die gibt's noch? Schon lange keine mehr gesehen.
    • phreko 05.03.2018 12:48
      Highlight Highlight Cool! McDonalds auch dein Lieblingsrestaurant?
    • Cityslicker 05.03.2018 19:10
      Highlight Highlight Also wenn man schon früher nur ein Telefonbuch hatte, dann brauchts jetzt natürlich keine mehr.
  • Raudrhar 05.03.2018 11:43
    Highlight Highlight Richtige Entscheidung der Messeleitung. Ich bin ein zugegebenermassen radikaler Verfechter der Meinungsfreiheit- und der Tatsache, dass man mit den Konsequenzen seiner Taten leben muss.

    Oder anders formuliert:

    Ja, "man" darf mir an einer Messe ein Buch zeigen, das dem "Nigger" für "alles" die Schuld gibt.

    Aber "man" muss dann damit leben, dass ich

    A) dezidiert erläutere, warum das hanebüchener Quatsch ist
    B) den Präsentator einen ignoranten Hohlkopf finde und ihm das mitteile
    C) mit besagtem Präsentator wohl nie Freund sein werde, weil so jemand in meinen Kreisen nichts verloren hat.
  • Political Incorrectness 05.03.2018 11:34
    Highlight Highlight Die Gruppe könnte doch die Bücher der rechten Verlage gleich verbrennen... Ah warte - Da war doch mal was...
    • alterecht? 05.03.2018 15:00
      Highlight Highlight Also mit mein Kampf und Konsorten zu heizen ist das schlauste was man damit machen kann...
  • Sir Konterbier 05.03.2018 11:01
    Highlight Highlight Richtig so. Natürlich sind die auch mir komplett unsympathisch aber eine intakte Demokratie sollte solche Leute eigentlich verkraften können.

    Mich stören die Aktivisten die hier die Rechten ausladen möchten ziemlich. Es wirkt total selbstgerecht und schiesst völlig übers Ziel hinaus, denn an einer Buchmesse hat man ja Zeit für eine Podiumsdiskussion mit den rechten, wo man ihnen Argumente entgegenstellen kann.

    Die Buchmesse ist nicht zuletzt für Leute vom Fach die auch wissen müssen, was sie nicht bestellen sollten und vor welchen Büchern sie den Kunden abraten sollten.
    • alterecht? 05.03.2018 11:22
      Highlight Highlight Bin ich andere Meinung eine Buchmesse ist eine Privatveranstaltung und der Veranstalter deshalb für ihren Inhalt verantwortlich zu machen. Und mit den drei im Artikel genannten Verlagen ist meiner Meinung nach jeder Kontakt zu meiden. Insbesondere der Buchhandel der besonders auf Meinungsfreiheit angewiesen ist sollte sich gut überlegen Menschen einen Bühne zu bieten die die Einschränkung der selben durch Faschisten in Ungarn und Polen offen begrüssen und sich eine ähnliche Knechtung der Presse auch bei uns bzw. in Deutschland wünschen..
    • Sir Konterbier 05.03.2018 11:51
      Highlight Highlight Ja aber die Messe ist ja hauptsächlich für Buchhändler, Bibliothekare und dergleichen, das heisst hier können sie sich das ganze mal ansehen und dann entscheiden ob sie solche Bücher ins Sortiment nehmen wollen.

      Ich finde deine Argumentation zwar auch schlüssig aber das ist (soviel ich weiss) eine private Veranstaltung, ich finde es da unverschämt solche Tumulte zu planen.

      Aber ja wenn man einfach nur dagegen ist find ichs okay👍
    • Makatitom 05.03.2018 12:40
      Highlight Highlight Solche Podiumsdiskussionen wie in Frankfurt? Wo ältere Leute von der neuen SA rund um diese Stände angegriffen wurden? Sprich: mit Fäusten "diskutiert" wurde? Nein, solche Diskussionen haben auf einer Buchmesse nichts zu suchen
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