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Kölner Polizei wusste viel früher über Übergriffe Bescheid als bisher zugegeben



Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers gerät nach den Übergriffen in der Silvesternacht unter Druck. Nach Angaben eines leitenden Beamten war die Polizei bereits frühzeitig über Ausmass und Dramatik der Übergriffe informiert.

Auf die Beamten seiner Hundertschaft seien bereits bei der Ankunft am Hauptbahnhof deutlich vor Mitternacht viele aufgewühlte Passanten zugelaufen und hätten von Schlägereien, Diebstählen und sexuellen Übergriffen auf Frauen berichtet, schrieb der Beamte im Bericht, der am Donnerstag der Nachrichtenagentur DPA vorlag.

epa05090340 Police officers standing outside the main station next to Cologne cathedral, in Cologne, Germany, 06 January 2016.  After sexual assaults on women at New Year, there is an increased police presence at the main station.  EPA/MAJA HITIJ

Beamte am Kölner Dom am 6. Januar.
Bild: EPA/DPA

Die Polizei habe Schwerverletzte oder Tote befürchtet und daher um 23.30 Uhr mit der Räumung des Platzes zwischen Bahnhof und Dom begonnen. In der ersten Pressemitteilung der Polizei am Neujahrsmorgen war die Stimmung in der Innenstadt dagegen als «friedlich» bezeichnet worden. Erst zwei Tage nach Silvester hatte die Polizei über Übergriffe informiert.

«Spiessrutenlauf»

Hingegen schreibt der Bundespolizist: «Frauen mit Begleitung und ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne »Spiessrutenlauf« durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann». Viele weinende und schockierte Frauen und Mädchen hätten den Beamten von sexuellen Übergriffen berichtet.

Hätten die Beamten Hilferufe wahrgenommen, seien sie von Umstehenden, die Ringe um Täter und Opfer gebildet hätten, am Einschreiten gehindert worden. Daher sei auch eine Identifizierung der Angreifer nicht möglich gewesen.

epa05089574 A picture made available on 06 January 2016 shows crowds of people outside Cologne Main Station in Cologne, Germany, 31 Decemeber 2015. The mayor of Cologne came under fire on 06 January after suggesting a code of conduct for women in response to a wave of sexual assaults likely committed by men of North African descent inflamed Germany's ongoing migration debate. The mass attacks took place on New Year's Eve near Cologne's main train station and included more than 90 alleged sexual assaults and one rape.  EPA/MARKUS BOEHM

In der Silvesternacht war die Lage in der Rheinmetropole völlig aus dem Ruder gelaufen.
Bild: EPA/DPA

Wegen der ständigen Präsenz der Polizei und aufmerksamer Passanten hätten Vergewaltigungen verhindert werden können. Massnahmen der Polizei sei mit einer Respektlosigkeit begegnet worden, wie er sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe, schrieb der Beamte.

Auffällig sei die «sehr hohe Anzahl an Migranten innerhalb der polizeilichen Massnahmen» gewesen. Da die Polizei «nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration», schreibt der Bundespolizist im Bericht, der zunächst der «Bild»-Zeitung und dem Magazin «Der Spiegel» vorgelegen hatte.

Die Bundespolizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Berichts, den die «Bild» veröffentlichte. Sie erklärte, sie wolle den Bericht derzeit öffentlich nicht bewerten. Er fliesse aber in die Nachbereitung des Einsatzes ein, sagte ein Sprecher.

epa05089093 Police check suspects at the Cologne Central Station in Cologne, Germany, 05 January 2016. On New Years Eve dozens of women were molested and robbed around the Cologne Central Station.  EPA/MARIUS BECKER

Angespannte Lage: Personenkontrollen beim Kölner Bahnhof am 5. Januar.
Bild: EPA DPA

Merkel: «Widerwärtige Taten»

«Was in der Silvesternacht passiert ist, das ist völlig inakzeptabel», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin. «Es sind widerwärtige, kriminelle Taten, (...) die Deutschland nicht hinnehmen wird.» Wenn sich Frauen schutzlos und ausgeliefert fühlten, sei das auch für sie persönlich unerträglich.

Es müsse geklärt werden, ob es in manchen Gruppen Frauenverachtung gebe. «Wir müssen dem mit aller Entschiedenheit entgegentreten», betonte die Kanzlerin. Sie glaube nicht, dass es sich nur um Einzelfälle handle.

Der Staat habe die Pflicht, die richtigen Antworten zu finden, «wenn es rechtlicher Änderungen bedarf, oder wenn es auch Polizeipräsenz bedarf». Der deutsche Justizminister Heiko Maas hatte zuvor gesagt, es sei möglich, dass die Täter der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können. Asylsuchende könnten auch während eines laufenden Asylverfahrens ausgewiesen werden.

16 Verdächtige identifiziert

Die Kölner Polizei hat inzwischen nach eigenen Angaben Hinweise auf 16 Verdächtige, welche vor allem aus dem nordafrikanischen Raum stammen. Zugleich stieg den Ermittlern zufolge die Zahl der Strafanzeigen von Opfern der Übergriffe und Raubstraftaten auf 121.

Laut Polizei wird es nun Aufgabe der Beamten sein, den 16 identifizierten Männern «konkrete Straftaten nachzuweisen». Dazu würden unter anderem Videosequenzen analysiert und die Aussagen von Opfern und Zeugen ausgewertet.

(sda/dpa/reu/afp)

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