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NSA-Hauptquartier in Fort Meade, US-Staat Maryland. 
NSA-Hauptquartier in Fort Meade, US-Staat Maryland. Bild: Patrick Semansky/AP/KEYSTONE

Brisanter NSA-Bericht zeigt, wie Russland die US-Wahlen zu beeinflussen versuchte

06.06.2017, 12:4006.06.2017, 16:06

Das FBI hat eine 25-jährige Frau festgenommen, die vertrauliche Informationen des Geheimdienstes NSA an das Online-Medium The Intercept weitergegeben haben soll. Das Justizministerium bestätigte eine entsprechende Festnahme im US-Bundesstaat Georgia am Montag.

Reality Leigh Winner – Angestellte einer Privatfirma im Sold der NSA – habe zugegeben, die als «Top Secret» klassifizierten Informationen kopiert und an das Nachrichtenportal weitergegeben zu haben. Der bereits am 3. Juni verhafteten Winner drohen nun bis zu zehn Jahre Gefängnis. 

Dem US-Sender NBC wurde ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem nur eine Stunde zuvor erschienenen Intercept-Bericht bestätigt. «Intercept»-Sprecherin Vivian Siu gab an, das Dokument sei der Website anonym zugespielt worden. Man habe «keine Kenntnis über die Identität der Quelle.»

«The Intercept» versagt beim Quellenschutz
Bei der Veröffentlichung des streng geheimen Geheimdienstberichtes hat «The Intercept» vermutlich unabsichtlich die Whistleblowerin Reality Leigh Winner verraten. Sie wurde nur Stunden danach vom FBI verhaftet. 

Zum Verhängnis wurde Winner eine Sicherheitsmassnahme, die von der NSA schon seit vielen Jahren verwendet wird, wie die Tech-Site Golem.de schreibt. Es handle sich um für menschliche Augen nahezu unsichtbare Muster in gelber Farbe, die im Weissraum von Dokumenten gedruckt werden. Sie ermöglichen es, nachträglich zu eruieren, von welchem Drucker – und zu welcher Zeit – das Dokument gedruckt wurde. Danach könne anhand von Logs zweifelsfrei festgestellt werden, von welchem Computer aus das Dokument zum Drucker geschickt wurde. 

Russische Phishing-Mails

Die geleakte Information ist brisant: Aus dem NSA-Dokument, das auf den 5. Mai 2017 datiert ist, gehe hervor, dass der russische Militärgeheimdienst GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) im vergangenen Jahr noch weitergehend in die US-Präsidentschaftswahl eingreifen wollte, als bisher bekannt war. Der GRU habe im Vorfeld der Wahl mittels Cyberattacken versucht, in Wählerregistrierungssysteme einzudringen. 

Unter anderem soll das Dokument belegen, dass der GRU im August 2016 eine Hackerattacke auf eine Firma vornahm, die Wahlsoftware und -automaten produziert. Die Firma werde nicht namentlich genannt, das Dokument gebe jedoch Hinweise, die auf das im US-Staat Florida domizilierte Unternehmen VR Systems deuten. Acht US-Staaten setzen Produkte von VR Systems ein. 

Laut «The Intercept» diente die Attacke auf VR Systems der Vorbereitung des eigentlichen Angriffs. Sie verschaffte den Hackern die notwendige Tarnung, um in die Computer von 122 lokalen Wahlbeamten einzubrechen. Kurz vor den Wahlen, Ende Oktober oder Anfang November erhielten diese 122 Regierungsstellen präparierte E-Mails, die vermeintlich von VR Systems stammten.

Diese im NSA-Bericht enthaltene Grafik zeigt schematisch die Phishing-Aktion des russischen Militärnachrichtendienstes GRU. Die zweite Seite der Grafik ist <a href="https://theintercept.com/2017/06/05/top-secret-nsa-report-details-russian-hacking-effort-days-before-2016-election/?utm_campaign=digest&amp;utm_medium=email&amp;utm_source=app" target="_blank">laut The Intercept</a>&nbsp;nicht im geleakten Bericht enthalten. &nbsp;&nbsp;
Diese im NSA-Bericht enthaltene Grafik zeigt schematisch die Phishing-Aktion des russischen Militärnachrichtendienstes GRU. Die zweite Seite der Grafik ist laut The Intercept nicht im geleakten Bericht enthalten.   

Die Phishing-Mails enthielten Word-Dokumente, die vordergründig Informationen über VR-Systems-Produkte versprachen, aber mit potenter Malware infiziert waren. Wenn die Dokumente geöffnet wurden, installierte sich die Malware auf den Rechnern und gab den Hackern volle Kontrolle über sie. 

Gesichert sei gemäss der NSA, dass es sich um Attacken des GRU handelte. Wie erfolgreich die Angriffe gewesen seien und welche Daten allenfalls gestohlen wurden, sei indes nach wie vor unklar. 

«The Intercept»
ist eine publizistische Website, die unter anderem von der US-Dokumentarfilmerin Laura Poitras und dem US-Journalisten Glenn Greenwald betrieben wird. Das unabhängige Online-Medium wurde 2013 gegründet und gelangte im Zusammenhang mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zu einiger Berühmtheit.
(sda)

Russisches Dementi

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe entschieden zurück: «Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wirklichkeit», sagte er am Dienstag nach der Veröffentlichung des Geheimdienstberichts. Für diese Anschuldigungen gebe es «keinerlei Belege».

Erst am Montag hatte zudem der russische Präsident Wladimir Putin in einem Interview mit dem US-Fernsehsender NBC den Vorwurf zurückgewiesen, russische Hackerangriffe hätten versucht, die US-Wahl zu manipulieren. Die Attacken hätten von überall her erfolgen können, auch aus den USA selbst, sagte Putin. 

Ermittlungen zur Russlandaffäre

Nicht nur der Bericht selbst ist brisant, sondern auch der Zeitpunkt seiner Veröffentlichung: Am Donnerstag wird nämlich der ehemalige FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagen.

Comey war von US-Präsident Trump überraschend abgesetzt worden. Seine Entlassung befeuerte Vermutungen, Trump versuche die Ermittlungen zur Russlandaffäre zu behindern.  

Unter dubiosen Umständen gefeuert: FBI-Direktor Comey.
Unter dubiosen Umständen gefeuert: FBI-Direktor Comey.Bild: Carolyn Kaster/AP/KEYSTONE

Das FBI und mehrere Ausschüsse untersuchen die Frage, ob und wie russische Stellen die US-Wahl 2016 beeinflusst haben. Zudem geht es in den Ermittlungen auch darum, ob Trumps Wahlkampfteam illegale Kontakte zu den Russen unterhielt und diese Versuche der Einflussnahme mit ihnen abgesprochen hat. 

«Mit aller Macht gegen Leaks vorgehen»

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat angekündigt, mit aller Macht gegen Leaks und die Weitergabe geheimer Informationen vorzugehen. 

Der stellvertretende Chefankläger Rod Rosenstein erklärte zu der Festnahme von Winner, die Weitergabe vertraulichen Materials gefährde die nationale Sicherheit und untergrabe das Vertrauen in die Regierung. 

(dhr/sda/dpa)

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