Haie wegen Karibik-Tourismus auf Koks – die Folgen sind bedenklich
Ein Hai auf Koks könnte eigentlich eine Steilvorlage für einen Witz oder aber für einen herrlich trashigen Horrorfilm sein. Das Vieh mit den rasiermesserscharfen Zähnen, von dem man mittlerweile eigentlich weiss, dass es gar nicht so aggressiv ist, wie etwa in «Der Weisse Hai» dargestellt, lässt es sich in der Karibik mit ein bisschen weissem Pulver gut gehen und mutiert dann doch zum wilden Monster.
Umso witziger, wenn dann auch noch obendrein Koffein ins Spiel kommt. Tatsächlich wurden beide Substanzen vor Kurzem bei Haien in der Karibik nachgewiesen. Doch vom Witz bleibt nicht viel übrig, wenn man sich die Gründe vor Augen führt – sowie die dramatischen Folgen.
Auch Schmerzmittel nachgewiesen
Ein internationales Forscherteam aus den Bahamas, Brasilien und Chile hat eine alarmierende Entdeckung gemacht: Haie in der Karibik tragen Spuren von Kokain, Koffein und Schmerzmitteln in ihrem Blut. Die Untersuchung konzentrierte sich auf 85 Haie, von denen bei 28 Rückstände von Medikamenten oder Drogen festgestellt wurden.
Die Tiere wurden rund um die Insel Eleuthera, eine der abgelegeneren Gegenden der Bahamas, untersucht.
Der Studie zufolge wurden die Haie auf eine Reihe von psychoaktiven Chemikalien getestet, von denen vier – Kokain, Koffein, zudem die Schmerzmittel Acetaminophen (enthalten in Paracetamol) und Diclofenac – in unterschiedlichen Konzentrationen bei Karibischen Riffhaien, Atlantischen Ammenhaien und Zitronenhaien nachgewiesen.
Es ist, wie Science Alert schreibt, das erste Mal, dass bei Haien weltweit Koffein nachgewiesen und das erste Mal, dass Kokain im Organismus von Haien auf den Bahamas gefunden wurde. Koffein war demnach die am häufigsten nachgewiesene Substanz bei den Haien, Kokain wurde lediglich bei zweien von ihnen nachgewiesen.
Tourismus mitverantwortlich – vor allem Kreuzfahrtschiffe
Doch wie genau kann es dazu kommen, dass Haie plötzlich auf chemischen Substanzen hängen bleiben?
Die Forschenden schreiben dazu in ihrer Studie:
Rund um Eleuthera, wo die Haie untersucht wurden, gibt es zahlreiche beliebte Tauch- und Kreuzfahrtziele. Die Forschenden vermuten, dass unbehandeltes Abwasser von Kreuzfahrtschiffen und anderen touristischen Aktivitäten erheblich zur Verschmutzung beiträgt.
Ein ähnliches Problem wurde laut «Science Alert» bereits in der Arktis festgestellt, wo Kreuzfahrtschiffe Antibiotika und andere pharmazeutische Substanzen ins Wasser abgeben, die sich dort auf die Meeresbewohner auswirken.
Im Falle des Kokains könnten die Haie mit den Substanzen in Kontakt gekommen sein, indem sie auf ins Wasser gelangte Drogenpakete bissen, wie die an der Studie beteiligte Biologin Natascha Wosnick von der Universidade Federal do Paraná in Brasilien gegenüber Science News erklärte.
Der Tourismussektor auf den Bahamas boomt seit Jahren, 2025 haben laut Travelmarket Report 12,5 Millionen Menschen den Karibikstaat besucht – ein Rekord. Demnach hätten 10,6 Millionen – also 86,5 Prozent der Touristinnen und Touristen – das Land mit Kreuzfahrtschiffen bereist, eine Verdopplung im Vergleich zu 2019.
Wasserverseuchung betrifft auch Menschen
Die Auswirkungen der Verschmutzung sind nicht nur für die Haie selbst besorgniserregend, sondern auch für die Menschen. Die Forschenden warnen in der Studie, dass die Substanzen nicht nur ein «kontinuierliches Risiko für die marine Biodiversität» darstellen.
Sie könnten über den Verzehr von Meeresfrüchten oder durch Kontakt mit dem Wasser auch in den menschlichen Körper gelangen.
Die genauen Auswirkungen auf die Haie müssen noch näher untersucht werden. Erste Untersuchungen lassen jedoch vermuten, dass die Tiere durch die Belastung mit Drogen und Medikamenten unter erhöhtem Stress und einem gesteigerten Energieverbrauch leiden, da ihre Körper versuchen, die Schadstoffe abzubauen.
Die Forschenden betonen, dass dringend weitere Studien notwendig seien, um die langfristigen Auswirkungen der Verschmutzung auf die Meeresbewohner zu verstehen. Die nachgewiesenen Substanzen hätten das «Potenzial, grundlegende physiologische Prozesse in Meeresorganismen zu beeinträchtigen», schreiben sie.
Die Studie zeigt, dass selbst abgelegene und vermeintlich vom Tourismus nur wenig berührte Orte wie die Bahamas-Insel von der Verschmutzung betroffen sind. Es ist ein Weckruf, der nicht nur die Meeresbewohner betrifft, sondern auch uns Menschen.
(mit ergänzungen von jul)
