Gemäss den neusten Zahlen vom Bundesamt für Statistik leben in fünf Ländern der Welt keine Schweizerinnen oder Schweizer. In deren 14 sind maximal zehn Zuhause. Eines davon ist die Zentralafrikanische Republik (RCA).
Und weil jetzt viele wohl erstmal nachschauen müssen, wo diese Nation – wobei, Nation ist für das kriegsversehrte Land vielleicht nicht gerade ein passender Begriff, wie wir bald lernen werden – überhaupt liegt, hier die Karte:
Das Binnenland in Zentralafrika hat eine Einwohnerzahl von rund 5,5 Millionen. Diese verteilen sich auf einer Fläche, die rund 15-mal grösser ist als die Schweiz. Wir befinden uns hier in den wechselfeuchten Tropen, der höchste Berg erhebt sich auf 1420 Meter. Hauptstadt ist Bangui mit knapp einer Million Einwohnern.
Amtssprachen sind Sango und Französisch. Im Land werden rund 70 verschiedene Sprachen gesprochen. 80 Prozent der Einwohner sind Christen.
Die RCA gilt als eines der ärmsten Länder der Welt, seit 2012 dauert Gewalt im Land an. Die humanitäre Lage ist schwierig. Trotzdem sind zehn Schweizerinnen und Schweizer im Land gemeldet. Einer davon ist Fussball-Nationaltrainer Raoul Savoy, der seit 2021 in seiner dritten Amtszeit steckt.
Zwei weitere sind Markus und Esther Ramseier. Das Ehepaar lebt seit zehn Jahren in Bangui und arbeitet für die Mission Elim. Ich erreiche sie per Whatsapp-Call.
Hallo Markus und Esther. Schön, dass die Verbindung klappt.
Markus und Esther Ramseier: Ja, das ist bisschen überraschend, dass sogar der Videocall funktioniert. Wir können nicht garantieren, dass das lange so hält.
Tatsächlich bricht nach wenigen Sekunden die Leitung zusammen. Ab jetzt verzichten wir auf den Video-Call und machen nur einen Sprachanruf. Auch dieser wird im Verlaufe des Gesprächs mehrfach unterbrochen, mal länger, mal weniger lang. Immerhin können wir immer wieder eine Verbindung aufbauen.
Da sind wir wieder. Das war ein kurzes Vergnügen.
Ja, leider ist das die Realität hier. Aber die Kommunikation ist nur eine Baustelle. Die Telefonanbieter haben eine Monopolstellung, die können machen, was sie wollen. Erfahrungsgemäss ist die Verbindung zwischen 22 Uhr und 4 Uhr eher besser. Manchmal kann man eine Stunde gut arbeiten, manchmal fliegst du alle fünf Minuten raus. Am Wochenende läuft's meist stabiler.
Wieso landet man überhaupt in so einem Land?
Die Kurzversion: Wir arbeiten hier. Wir sind im kirchlichen Umfeld unterwegs und arbeiten mit einem lokalen Kirchenverband und der sozialen NGO dieses Verbandes zusammen. Wir sind als Berater hier und bilden Leiter aus.
Was macht ihr genau?
Wir haben keine leitende Stelle im Kirchenverband. Unsere Hauptaufgabe ist der Beratungs-Auftrag für die lokale Kirchenbewegung und wir stellen die Verbindung zu Partnern in der Schweiz und Deutschland sicher. In der Ausbildung behandeln wir Themen wie Leiterschaft, Management, Teamarbeit aber auch Bibelthemen. Einen klassischen Missionierungsauftrag haben wir aber nicht.
Und wie wohnt ihr?
Wir sind auf dem Campus der theologischen Fakultät in Bangui. Eine rund fünf Hektaren grosse Fläche, die von einer 2,5 Meter hohen Mauer umgeben ist. Neben 17 Wohngebäuden und elf Schulgebäuden gibt es hier auch ein Werksgebäude mit Schreinerei, drei Mehrzweckgebäude und eine Kantine. Da das Gelände grosszügig angelegt ist, können wir uns sehr gut darin bewegen.
Ist die Arbeitsstelle befristet?
Wir kamen 2014 erstmals hierhin. Wir gehen zwar davon aus, dass wir in die Schweiz zurückkehren – spätestens zur Pension. Aber das dürfte noch ein paar Jahre dauern.
Wie oft seid ihr noch in der Schweiz?
Normalerweise sind wir jährlich für rund zweieinhalb Monate in der Schweiz. Wir haben da einen Wohnsitz, der aber untervermietet ist. Unsere beiden erwachsenen Kinder leben in der Schweiz. Bei uns war es damals eigentlich so, dass die Eltern auszogen. Unser Lebenszentrum ist aktuell klar die Zentralafrikanische Republik.
Die Zentralafrikanische Republik könnten wohl nicht viele Schweizer auf der Karte zeigen, viele haben noch nie von diesem Land gehört. Wann war euer erster Berührungspunkt?
Markus: Ich wuchs hier auf. Meine Eltern arbeiteten schon hier. Die Ausbildung machte ich aber in der Schweiz. Wenn ich damals vom Land erzählte, war das Unwissen nicht vorstellbar. Aber ja, ich kann es auch nachvollziehen.
Esther: Ich hatte schon früh davon gehört und lernte das Land durch meinen Mann kennen. Die Grosseltern unserer Kinder lebten bis 2011 hier.
Dann geht die Frage vielleicht eher an dich, Esther: Wie hast du dich vorbereitet?
Es gibt auf der Welt wohl wenige Länder, die so unterschiedlich sind wie die Schweiz und die RCA. Egal, ob wirtschaftlich, kulturell oder irgendwas. Ich war sehr froh, dass ich meinen Mann dabeihatte. Er konnte vieles erklären. Aber ich erwische mich noch heute dabei, dass ich mich frage: Was läuft hier?
Und was läuft?
(lacht). Das würde ich auch gerne wissen. Nein, es ist einfach völlig anders. Und man lernt schätzen, was wir in der Schweiz haben. Nur schon, dass einfach der Strom funktioniert – das ist wunderbar.
Wie unterhaltet ihr euch mit den Leuten?
Amtssprache ist Französisch. Neben all den Dialekten gibt es mit Sango noch eine zweite offizielle Amtssprache, welche die Strassensprache ist. Wohl rund 98 Prozent der Einwohner sprechen diese künstliche Sprache, welche zwischen den Einheimischen und den Kolonialisten entstanden ist.
Seit der Unabhängigkeit 1960 erlebte das Land diverse Staatsstreiche. Wieso?
Das ist extrem speziell, ja. Die Einheimischen sagen, alle zehn Jahre gibt es einen Aufstand: Präsidenten werden hier für fünf Jahre gewählt. Während der zweiten Amtszeit wollen sie dann etwas ändern, damit sie länger bleiben können und es kommt zum Putsch. Aber dieses Mal läuft es anders.
Wieso?
Der aktuelle Präsident sitzt fest im Sattel und strebt eine dritte Amtszeit und mehr an. Früher gab es Zwist zwischen den Nord- und Südvölkern. Jetzt aber hat es mehrere Allianzen und Splittergruppen, sodass sich keine starke Opposition entwickeln kann. Und dann gibt es noch einen Punkt ...
Bitte.
Die Bodenschätze des Landes sind begehrt. Verschiedene internationale Player wollen gar nicht, dass in der RCA Ruhe einkehrt. Solange Unruhe herrscht, können sie ungestört Bodenschätze ausbeuten.
Wie hält man diese permanenten Unruhen und einen über zehnjährigen Krieg aus?
Krieg ist ja nie flächendeckend. Selbst wenn er mal wieder nach Bangui kommt. Einmal hatten sie bis zur Strasse vor unserem Quartier geschossen, aber bei uns blieb es «ruhig». Der Mensch braucht schnell wieder Alltag und den gibt es dann auch bald wieder.
Das hört sich jetzt entspannt an. Wart ihr nie in brenzligen Situationen?
Es gibt hier keinen Luftkrieg, es wird nicht bombardiert. Die Kampfhandlungen bleiben in den Quartieren. Du merkst also sehr gut, wenn der Krieg unmittelbar bei dir stattfindet. 2015 kam der Krieg richtig nahe. Wir konnten zwei Wochen nicht aus dem Campus raus.
Und ausserhalb des Campus?
Auf der Strasse hatte es keinen Verkehr mehr, man hörte nur die Schüsse. Das macht sehr Angst und schränkt ein. Aber wir waren da auch noch privilegiert.
Wie meint ihr das?
Die Einheimischen leben hier oft von heute auf morgen. Wenn die «Märtfrau» nicht rausgeht, hat sie kein Einkommen und die Familie kein Essen. Sie kam selbst während dieser Zeit, als in ihrem Quartier und unterwegs geschossen wurde, mit ihrem Warenkorb zu uns. Sie war völlig aufgelöst. Aber wir konnten uns mit Frischwaren eindecken und ihr das Tageseinkommen aufbessern.
Wie geht man damit um?
Das kann man gar nicht richtig beschreiben. Wir sind – auch während des Krieges – wie erwähnt, sehr privilegiert. Was man lernen muss: Nicht jeder Schuss tötet jemanden. Trotzdem hat man Angst, aber da muss man durch.
Habt ihr nie gedacht: Jetzt reicht es, jetzt gehen wir?
2016 verschwanden viele NGO-Leute, auch mehrere Mitarbeiter vom Roten Kreuz. Die Schweizer Botschaft kontaktierte uns und sagte, französische Soldaten würden uns abholen und in Sicherheit bringen. Aber wir fühlten uns hier recht sicher. Und wir wollten den Leuten auch zeigen, dass wir nicht einfach gehen, dass sie uns etwas wert sind. Die Einheimischen können auch nicht einfach weg. Wir wollten sie unterstützen und vielleicht auch bisschen Hoffnungsträger sein.
Apropos Hoffnung. Wie gross ist die Hoffnung auf Frieden?
Menschlich gesehen sehr niedrig, da zu viele Faktoren dagegen sprechen und einige Kräfte sogar bewusst dagegen sind – Instabilität hilft, die Bodenschätze zu rauben. Aber die Menschen sehnen sich nach Frieden. Seit 2021 oder 2022 ist der Krieg eher punktuell. Oder anders gesagt: Es hat mehr Banditen und Wegelagerer, die sich vereinfacht gesagt bereichern wollen.
Also ist es gar nicht mehr wirklich ein Bürgerkrieg?
Aktuell aus unserer Sicht nicht mehr. Der Frieden geht in sehr kleinen Schritten vorwärts. Aber es ist halt wie bei einem Auto. Wenn du von 115 km/h auf 120 km/h beschleunigen musst, geht das einfach. Aber hier sind wir im Bereich von 0 auf 5 km/h – und das braucht so viel Energie.
Wie geht ihr eigentlich mit dieser ständig sichtbaren Armut um?
Das kann entmutigen. Auch wenn wir versuchen, Einzelschicksale zu entlasten. Es bleibt immer ein Tropfen auf dem heissen Stein. Man darf das alles nicht zu nahe an sich heranlassen. Soweit möglich tragen wir dazu bei, dass Korruption aufgedeckt wird, Bildung geschieht, wirtschaftliche Entwicklung stattfindet.
Bildung ist langfristig wichtig. Fast die Hälfte der Einwohner ist unter 15-jährig, nur drei Prozent über 65-jährig. Wie wirkt sich das auf die Bildung aus?
Es hat soooo viele Kinder überall. Die Schulen bestehen aus 200 bis 300 Kindern – zumindest auf dem Land und in den Staatsschulen. Wer sich Privatschulen leisten kann, macht das.
Können wir überhaupt noch von einem «Land» sprechen, nach einem so langen Krieg und so vielen verschiedenen Völkern?
Was macht denn ein Land aus? Ein Staat kann implodieren, demokratische Systeme können zerfallen. Aber am Ende hat es Menschen in einem Land. Und die wollen möglichst in Frieden leben können. Die Menschen rappeln sich auf und versuchen zu leben. Auch wenn das Land beinahe implodiert.
Die Lebenserwartung lag 2021 bei geschätzt 54 Jahren. Das ist eine der weltweit tiefsten. Warum?
Es gibt viele Gründe. Kindersterblichkeit, Malaria, der Krieg, das mangelhafte Gesundheitssystem. In der RCA stirbt man leicht. Allerdings steigt die Lebenserwartung seit rund zehn Jahren. Früher lag sie mal bei 47 Jahren.
Menschenrechte, Korruption, fehlende Bildung, fehlende Wirtschaft, Armut – man weiss gar nicht, wo anfangen. Gibt es trotzdem so etwas wie ein Hauptproblem?
Am Ende hängt alles zusammen. Die Korruption dürfte aber das Hauptproblem sein. Der aktuelle Präsident Faustin Archange Touadera hatte am Anfang keine Armee, um die Rebellengruppen im Zaum zu halten. Da kamen vielleicht zehn Staatssoldaten auf 300 Rebellen. Da sind die Staatssoldaten jeweils schnell geflüchtet. Mittlerweile hat sich das verbessert.
Der aktuelle Präsident versteht sich mit Russland gut, habe die Wagner-Söldner ins Land gebracht und im Gegenzug Bodenschätze versprochen.
Russland ist ein grosses Thema. Es geht um Waffendeals und die Ausbildung von Armeeangehörigen. Seither kann das lokale Militär den Rebellen die Stirn bieten. Russland wird positiv bewertet – abgesehen vom Krieg gegen die Ukraine, der kurzzeitig die Preise ansteigen liess. Wir hoffen, dass die westlichen Vertreter hier nicht ganz rausgeschmissen werden.
Stimmt es, dass rund 70 Prozent des Landes von Rebellen besetzt sind?
Nein, nicht mehr. Die Regierung spricht davon, dass dank der Präsenz der russischen Armeehelfer das ganze Territorium befreit ist. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Der grösste Teil dürfte wieder unter Regierungsgewalt sein, die allermeisten Rebellen und Warlords sind ausgewandert oder wurden exiliert.
Reisen im Land sei noch immer extrem schwierig?
Wir reisen im Land. Wir können aber die Sprache, wir kennen die Kultur und haben einheimische Fahrer mit dabei. Dank unseres Netzwerkes können wir vorher abklären, wie die Situation ist. Wir waren auch schon mit Besuchern aus der Schweiz an touristischen Sehenswürdigkeiten. Aber ein Tourist, der nicht weiss, wie er sich verhalten muss – das wird schwierig. Hotels existieren praktisch keine. Du musst die Leute kennen. Wichtig: Das EDA rät dringend von allgemeinen Reisen in die RCA ab.
Bleiben wir doch beim Tourismus, wenn man das so bezeichnen kann.
Den gibt es praktisch nicht mehr. Aber ja, es gibt schöne Flecken und eigentlich viel zu entdecken. Die Boalifälle sind in der Nähe der Hauptstadt. Aber für die wirklich coolen Sachen bist du mehrere Tage unterwegs. Wie beispielsweise für einen Besuch bei den Gorillas und Waldelefanten. Die Preise sind jedoch happig und viele Leute hier können nicht mit Tourismus umgehen. Wenn du einfach auf einen grossen Platz stehst und anfängst zu fotografieren, kannst du bald einmal im Gefängnis landen.
Wie ist denn die Hauptstadt Bangui so?
Es gibt ein Lied eines kamerunischen Sängers über Bangui. Er singt: Bringt mich in die Hauptstadt, ich will nicht in dieses Dorf. Aber so ist Bangui. Im Stadtkern hat es schon einige Hochhäuser oder auch Shoppingmalls, wo du dich in Europa wähnst. Aber da kostet dann alles noch mehr als in der Schweiz. Die Realität ist: überfüllte Strassen, Motorräder, laut, wild, voll. Früchte und Gemüse werden draussen verkauft. Du gehst in den Laden und schaust, was es heute im Sortiment hat. Ist die Strasse von Duoala (Kamerun) als Hauptzulieferachse zu, gehen die Preise durch die Decke.
Bangui war auch bekannt für die vielen Zeltstädte, in welchen Flüchtlinge untergebracht wurden. Wie steht es um diese?
Die gibt es in der Hauptstadt nicht mehr. Allerdings entstehen in grösseren Ortschaften zeitweise neue (oder alte Lager neu). Das hängt immer damit zusammen, wo gerade Kriegsaktivitäten stattfinden. Da können dann einige tausend Flüchtlinge in diesen Provisorien leben.
Bangui ist eine Grenzstadt. Auf der anderen Flussseite ist die Demokratische Republik Kongo. Ich nehme an, das ist nicht wie die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland.
Grenzübertritte sind sehr schwierig. Die Einheimischen brauchen zwar kein Visum, aber Grenzübertritte sind immer eine grosse Sache. Unsere Gemüsehändlerin kauft drüben im Kongo ein. Aber das sei jedes Mal schwierig.
In vielen Ländern Afrikas sieht man den Einfluss von Chinesen. Wie ist das in der RCA?
Das ist hier nicht so sichtbar. Grundsätzlich sind wenige Chinesen im Land. In der Verkehrsbranche sind sie drin oder haben Minen. Verkaufsläden sind sehr von Libanesen geprägt. Allgemein ist vieles, das wirtschaftlich funktioniert, von Ausländern abhängig. Auch von afrikanischen.
Ist der Klimawandel eigentlich auch ein Thema?
Der ist ein Thema. Man merkt die Veränderungen auch hier. Im Mai hätte die Regenzeit beginnen müssen. Aber man wartete länger auf Regen. Dann ist immer das «changement de climat» schuld. Aber fundierter, wissenschaftlicher Austausch findet im Land selbst nicht statt.
Was kann die Schweiz von der Zentralafrikanischen Republik lernen?
Die Herzenswärme, Gastfreundschaft, Zufriedenheit und Fröhlichkeit. Die Menschen leben extrem im Jetzt und haben eine unendliche Geduld. Wir wissen nicht recht, wie sie das machen. Es ist sehr beeindruckend. Sie haben auch einen gesunden Umgang mit dem Tod, welcher hier für alle schon früh dazugehört.
Und was müsste es in der Schweiz geben, was es in der RCA gibt?
Es herrscht hier ein positiv gemeinter Fatalismus: Ich bin heute Mensch, ich lebe jetzt. Ich mache das Beste daraus. Spontan irgendwo auf Besuch gehen, das macht man doch in der Schweiz kaum mehr. Hier ist das üblich.
Dieses Spontane und im Jetzt leben, das verhindert aber dann auch eine Entwicklung, nicht?
Die Leute hier müssen oder können nicht weit vorausdenken. Eine Monatsplanung oder so, das gibt es praktisch nicht. Und wenn, dann wohl einen Plan A, aber sicher auch einen Plan B. In der Schweiz klappt normalerweise spätestens der Plan B. Hier ist's eher Plan B oder gar C.
Was vermisst ihr aus der Schweiz am meisten?
Schnee und Skifahren. Es gibt hier Gyms, man kann Tennis spielen oder auch mal ins Kino. Aber der Schnee, das fehlt uns. Und dann die geregelten Abläufe. Es braucht einfach alles extrem viel Zeit. Schnell noch was erledigen, kurz in die Migros, etwas aus dem Gestell nehmen, bezahlen und in 15 Minuten wieder zurück sein – völlig unvorstellbar. Die Schweiz und die Zentralafrikanische Republik, das sind zwei Welten – oder eher zwei Planeten. Unterschiedlicher geht wohl kaum mehr.
Was bringt es euch, Schweizer zu sein?
Normalerweise werden Weisse hier positiv angeschaut. Gegen Franzosen hegen einige noch Ressentiments, aber die Schweizer haben ein super Image. Daraus entstehen viele Vorteile, auch kleine Dinge. So winkt dich vielleicht auch mal eine Kassiererin nach vorne.
Ist es umgekehrt für Ausländer schwierig, lokale Freunde zu finden?
Du musst dich auf die Leute einlassen und offen sein und einige Worte in der lokalen Sprache sprechen, dann findest du gut Anschluss. Die Einwohner hier sind sich Ausländer nicht so gewohnt. Im Land wirst du als Weisser wohl nie der ganz enge Freund. Du bist immer auswärtig. Wirklich enge Freunde zu finden, ist besonders als Frau schwierig. Das habe ich bisher eigentlich nicht geschafft.
Was macht das mit dir, wenn du länger in so einem Land lebst?
Es hat jemand mal gesagt: In der RCA wird man entweder enttäuscht und frustriert, und du reist deprimiert wieder ab – oder man verklärt das Land und die Leute in einer idealisierten Form. Ich bin extrem dankbar, dass ich in einem Land aufwachsen durfte wie der Schweiz. Alleine schon all die Möglichkeiten, die wir haben. Ich nerve mich mehr ab Schweizern, die so undankbar sind. Beispielsweise, wenn sie nur kurz auf etwas warten müssen.
Ich habe einige Monate in einem (nicht touristischen) Dorf auf Fiji gelebt und kann viele Aussagen von Markus und Esther Ramseier bestätigen. Unsere "Probleme" werden dadurch relativiert und das Leben wird dadurch entspannter.
Auslandserfahrung, die über Urlaub hinaus geht, tut insgesamt gut, für mich war es so. Es gibt einem wertvolle Einblicke in die Welt und ihre Menschen. Und es relativiert auch und macht dankbarer, für was man hat.