Von wegen grüner Vorzeigestaat: Norwegens Fischfarmen belasten Fjorde wie Millionenstädte
Norwegen ist der weltweit grösste Produzent von Zuchtlachs. Jährlich produziert das Land über 1,2 Millionen Tonnen. Neben Erdöl und Erdgas ist die Fischzucht (Aquakultur) der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes.
Doch der wirtschaftliche Erfolg hat eine ökologische Schattenseite: Die norwegischen Lachsfarmen belasten die Fjorde und Küstengewässer des Landes erheblich mit Nährstoffen aus Fischkot, Futterresten und Urin. Analysen des Sunstone Institute ergaben, dass die norwegische Aquakultur im letzten Jahr 75'000 Tonnen Stickstoff, 13'000 Tonnen Phosphor und 360'000 Tonnen organischen Kohlenstoff freigesetzt hat.
Zur Veranschaulichung: In Norwegen gelangen so viele Nährstoffe ins Meer, dass sie mit dem ungeklärten Abwasser von ganz Australien verglichen werden können. Australien hat mehr als 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner mehr als die skandinavische Halbinsel.
Die Abfälle gelangen direkt ins Meer, da die Fische in offenen Netzkäfigen gehalten werden. Nährstoffe wirken auf den ersten Blick harmlos oder sogar positiv, doch in grossen Mengen können sie die Umwelt erheblich belasten.
Veränderung ganzer Ökosysteme
Stickstoff und Phosphor wirken wie Dünger. Gelangen zu grosse Mengen ins Wasser, wachsen Algen stark und es entstehen sogenannte Algenblüten. Das Wasser kann sich dabei grün, braun oder rot verfärben und das Ökosystem gerät aus dem Gleichgewicht.
Besonders kritisch wird es, wenn die Algen wieder absterben, denn dann werden sie von Bakterien zersetzt. Dabei wird Sauerstoff verbraucht. Vor allem in den Fjorden kann das zu Sauerstoffmangel führen, da die halbgeschlossene Gewässer nur schmale Verbindungen zum offenen Meer haben. Dadurch kommt nur wenig frisches und sauerstoffreiches Wasser nach. Fische und andere Lebewesen können so ersticken oder abwandern. Die Klimaerwärmung verschlimmert das Problem zusätzlich: Wärmeres Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen, sodass es noch schneller zu Sauerstoffmangel kommt.
