1,5 Millionen Fische unter einem Dach: Riesige Lachsfarm am Walensee geplant
Am Walensee spiegeln sich die Berge – bald kommen womöglich Umrisse einer riesigen Lachszuchtfarm hinzu.
Zwischen der rauschenden Autobahn A3 und dem glitzernden Walensee soll die grösste Lachsfarm der Schweiz entstehen. Auf 2,5 Hektaren, etwa so gross wie 3,5 Fussballfelder, plant die Swiss Blue Salmon AG eine Hightech-Zuchtanlage für atlantische Lachse.
50 Arbeitsplätze sollen am Standort zwischen der Bahnlinie beim ehemaligen Bahnhof Weesen SG und der Autobahn entstehen.
Nicht im See, sondern in landgestützten Kreislaufanlagen am Ufer würden zu Spitzenzeiten bis zu 1,5 Millionen Fische gemästet. Jährlich sollen bis zu 4000 Tonnen atlantischer Lachs produziert werden – das entspricht etwa 10 Prozent der heutigen Schweizer Zuchtlachsimporte.
180-Millionen-Projekt in Mollis
Das Riesenprojekt kostet rund 180 Millionen Franken und soll frühestens 2029 in Betrieb gehen. Die Swiss Blue Salmon AG bezeichnet ihr Vorhaben als die «nachhaltigste landbasierte Lachsfarm der Schweiz».
Geplant sind zudem Solaranlagen auf den Dächern, die einen Teil des Energiebedarfs decken, sowie eine Pumpe, die Wasser aus dem Walensee in mindestens 50 Metern anzapft. Denn dort liege die Wassertemperatur jeweils zwischen 5 und 8 Grad. Pro Stunde pumpt die Anlage rund 1,2 Millionen Liter Wasser aus dem Walensee – das entspricht etwa 6700 vollen Badewannen.
Bevor das Wasser in die Fischbecken fliesst, wird es vorgefiltert, durch Sand gereinigt und mit UV-Licht behandelt, um Schmutz, Parasiten und Keime zu entfernen. In der Anlage zirkuliert es ständig, bevor es am Ende des Kreislaufs gemäss Baugesuch sauber zurück in den See fliesst.
Die Lachse durchlaufen neun verschiedene Wachstumsphasen und wechseln dabei immer wieder in neue Becken. Alle acht Wochen kommen importierte Eier hinzu. Nach rund zwei Jahren erreichen sie ein Gewicht von etwa fünf Kilo und werden geschlachtet. Der Lachs werde frei von Mikroplastik und Antibiotika produziert.
Die Firma will mit ihrer Kreislaufanlage die Ozeane schonen und den Druck auf Wildbestände reduzieren. Gleichzeitig sind einige Fragen noch offen: Wie artgerecht ist die Haltung der bis zu 1,5 Millionen Lachse? Wie nachhaltig sind Futter, Wasseraufbereitung und Energieverbrauch?
NGO legt Einsprache ein
Die Tierschutzorganisation Fair-Fish sieht das Projekt kritisch und hat Einsprache erhoben. Die geplante Kreislaufanlage sei zwar umweltfreundlicher als offene Käfige im Meer, für das Tierwohl sei es aber problematisch.
«Kreislaufanlagen sind hochkomplex: Kommt es zu Störungen oder Fehlern, kann das katastrophale Folgen für die Fische haben. Immer wieder sterben tausende Tiere, wenn solche Probleme auftreten», so die Organisation. Hinzu komme, dass in Kreislaufanlagen viele Tiere auf engem Raum schwimmen. Das führt zu Stress, Langeweile und einem geschwächten Immunsystem, wodurch sie wiederum anfälliger für Verletzungen und Krankheiten werden.
Neu ist die Technologie nicht: In der Schweiz gibt es bereits kleinere Lachsfarmen, die mit Kreislaufanlagen arbeiten, wie etwa die Lachszucht im bündnerischen Misox. WWF Schweiz vergab dafür positive Noten. Einzige Kritikpunkte: die importierten Fischeier und das Fischfutter, das bislang noch nicht vollständig auf pflanzliche Alternativen umgestellt werden konnte.
