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«Grossartige Nachricht für ganz Europa» – die ersten Reaktionen zu Macrons Wiederwahl

Im Elysée wird es keinen Mieterwechsel geben: Emmanuel Macron ist in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen mit 58,8 Prozent wiedergewählt worden. Die ersten Reaktionen – und die Pressestimmen aus der Schweiz:
24.04.2022, 22:5225.04.2022, 13:05
Bild: keystone

Aufatmen in Europa

Mehrere Regierungschefs gratulierten Macron gleich nach den ersten Hochrechnungen. Als eine der ersten wandte sich EU-Präsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter mit einer Gratulation an den Präsidenten: «Gemeinsam werden wir Frankreich und Europa voranbringen».

Auch Bundespräsident Ignazio Cassis hat dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu seiner Wiederwahl gratuliert. «Unsere Länder sind eng miteinander verbunden, insbesondere durch die grössere Gemeinschaft von Auslandsschweizern und Franzosen», schreibt Cassis auf Twitter.

Auf Englisch und dann auf Französisch gratulierte auch Boris Johnson Emmanuel Macron. Italiens Regierungschef Mario Draghi bezeichnet die Wiederwahl als «grossartige Nachricht für ganz Europa».

Pedro Sanchez, der Ministerpräsident von Spanien, freut sich, dass sich die Menschen für eine freie, starke und faire EU eingesetzt haben. «Die Demokratie gewinnt. Europa gewinnt», schreibt Sanchez auf Twitter. Ähnlich äusserte sich auch Bundeskanzler Olaf Scholz. Die Wahl habe ein starkes Bekenntnis zu Europa gesendet.

«An diesem Sonntag haben die Franzosen eine starke Wahl getroffen. Sie haben sich für Gewissheiten und für die Werte der Aufklärung entschieden», schreibt Alexander De Croo, Premierminister von Belgien.

So reagiert die Schweizer Presse

CH Media

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron müsse sich auf fünf unangenehme Jahre einstellen, denn die Opposition sei extremer als je zuvor, heisst es im Kommentar von CH Media. «Die Vernunft hat gesiegt. Weit über Frankreich hinaus herrscht Erleichterung über die Wiederwahl von Emmanuel Macron. Oder genauer: über die Nicht-Wahl der Nationalistin Marine Le Pen. Nicht auszudenken, was im Fall ihres Wahlsieges geschehen wäre. Fremdenhass hätte wohl ganz offiziell Eingang in die Verfassung gefunden.

«Die Vernunft hat gesiegt.»
CH Media

Die EU hätte der Freundschaft mit Frankreich »adieu« sagen können. Und im Kreml hätte sich Kriegsherr Wladimir Putin ins Fäustchen gelacht. Ein Triumph für Macron ist das Wahlresultat aber keineswegs. Viele Franzosen gaben ihm die Stimme nur, um Le Pen zu verhindern. Macron geht also geschwächt in sein zweites Mandat. (...) Da er potenzielle Partner wie die Bürgerlichen und die Sozialdemokraten systematisch aufrieb, förderte er indirekt Populisten wie Le Pen oder Eric Zemmour. (...) Fazit der Präsidentschaftswahl: Ein moderater Präsident hat gesiegt, den Ton angeben werden in Frankreich ab jetzt aber radikale nationalistische Populisten.»

Der französische Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron feiern auf der Bühne des Champs-de-Mars.
Der französische Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte Macron feiern auf der Bühne des Champs-de-Mars.Bild: keystone

NZZ

Die Vernunft habe mit dem Sieg Emmanuel Macrons gesiegt, Frankreich sei noch einmal davongekommen und Europa könne aufatmen. Doch nun gelte es, Versäumnisse auszubügeln, denn das Land sei stark polarisiert, schreibt die «Neuen Zürcher Zeitung» zur Präsidentschaftswahl in Frankreich.

«Die Französinnen und Franzosen haben sich damit fünf chaotische und für das Wohl der Gesellschaft bedrohliche Jahre erspart. (...) Le Pens Vorhaben, die EU von innen auszuhöhlen, hätte nicht nur Frankreichs Rolle auf der internationalen Bühne geschadet. Es hätte den europäischen Staatenbund erheblich geschwächt. (...) Dennoch hängt ein Schatten über Macrons Sieg. Viele Franzosen dürften mit seiner Wiederwahl einen schalen Beigeschmack empfinden. (...) Einem signifikanten Teil der Franzosen war die Entscheidung «zwischen Pest und Cholera» zuwider. (...)

«Die Französinnen und Franzosen haben sich damit fünf chaotische und für das Wohl der Gesellschaft bedrohliche Jahre erspart.»
NZZ

Marco habe es beim Regieren versäumt, grosse Teile der Bevölkerung mitzunehmen. Damit hat er die enorme Politikverdrossenheit der Franzosen weiter geschürt. (...) Gegen dieses Gefühl des Abgehängtseins vorzugehen und die Franzosen mit ihrer politischen Klasse zu versöhnen wird Macron in den kommenden Jahren vor eine kolossale Aufgabe stellen.»

Bild: keystone

Tages-Anzeiger

Nach den Wiederwahl Emmanuel Macrons kann der Westen aufatmen, dieser Ansicht ist der Kommentator der Tamedia-Zeitungen. Doch es warteten Herausforderungen auf den Präsidenten Frankreichs, ansonsten drohe der Absturz ins Autoritäre. «Für die politische Kultur Frankreichs ist der Ausgang der jüngsten Wahlen eine Zäsur. Der Anti-Le-Pen-Reflex, lange eine Konstante in der französischen Politik, ist kaum noch vorhanden. Unter Jean-Marie Le Pen war der Front National für breite Bevölkerungsschichten unwählbar.»

«Macron muss jetzt vor allem die Bevölkerung versöhnen.»
Tages-Anzeiger

Jetzt ist die von Marine Le Pen in Rassemblement National umbenannte Partei endgültig im politischen Mainstream angekommen. Le Pens beachtlicher Erfolg zeigt, wie sich die Grenzen verschoben haben. Radikale Ideen sind salonfähig geworden. (...) Vor allem wäre die internationale Weltordnung erschüttert worden.

Sie hätte die Europäische Union schwächen und Frankreichs Engagement in der Nato reduzieren wollen. Ihre Wahl wäre auch ein Erfolg für Wladimir Putin gewesen, denn Le Pen lehnt harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen für die Ukraine ab. (...) Emmanuel Macron hingegen steht für ein geeintes Europa. (...) Macron muss jetzt vor allem die Bevölkerung versöhnen. Ein wichtiger erster Schritt wäre es, seine abgehobene und besserwisserische Art abzulegen.»

watson

(cst/mit Material der sda)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Beat 69,3
25.04.2022 07:35registriert Februar 2015
Die Rechten bleiben eine Gefahr, nicht nur für Europa.
272
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Sukkulente24
25.04.2022 06:56registriert Januar 2022
Ich freu mich ja auch. Aber wer ist Marco? 😆
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17
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