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Georgiens Präsidentin will Amtsgeschäfte nicht übergeben

«Ich bleibe Ihre Präsidentin» – Georgiens Präsidentin will Amtsgeschäfte nicht übergeben

30.11.2024, 21:46
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ARCHIV - 18.02.2024, Bayern, München: Salome Surabischwili, Präsidentin von Georgien aufgenommen am letzten Tag der 60. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) im Hotel Bayerischer Hof. (zu dpa: «Georgisc ...
Salome Surabischwili will solange Präsidentin Georgiens bleiben, «bis es eine legitim gewählte Regierung gebe».Bild: keystone

Der innenpolitische Konflikt in der Südkaukasusrepublik Georgien verschärft sich weiter. Die mit den antirussischen und proeuropäischen Demonstranten verbündete Präsidentin Salome Surabischwili kündigte am Abend in Tiflis (Tbilissi) in einer Videobotschaft an, sie werde ihre Amtsgeschäfte erst dann übergeben, wenn es im Land eine legitim gewählte Regierung gebe. «Ich bleibe Ihre Präsidentin», betonte sie. «Ein unrechtmässiges Parlament kann keinen neuen Staatspräsidenten wählen, daher gibt es auch keine Amtseinführung, und mein Mandat verlängert sich bis zur rechtmässigen Wahl eines Parlaments», wurde sie von der Agentur Interpressnews weiter zitiert.

In Georgien war zuletzt eine Debatte über die Rechtmässigkeit der Parlamentssitzungen seit der Neuwahl entbrannt. Nach der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Parlamentswahl Ende Oktober waren bislang nur Vertreter der bisherigen prorussischen Regierungspartei Georgischer Traum im Parlament zusammengekommen, die Opposition betrat das Gebäude nicht. Nach Ansicht einer Reihe von Juristen in Georgien darf die Volksvertretung nicht tagen, solange das Verfassungsgericht nicht über eine Wahlbeschwerde von Surabischwili entschieden hat.

Surabischwili hatte die erste Sitzung vom Montag ebenfalls verfassungswidrig genannt. Als Präsidentin müsse sie die erste Parlamentssitzung einberufen, das könne niemand stellvertretend übernehmen. Surabischwilis Amtszeit endet laut Parlamentspräsident Schalwa Papuaschwili am 16. Dezember.

Noch im Dezember Präsidentenwahl?

Laut einem Entschliessungsentwurf, den das Parlament diese Woche verabschiedet hatte, soll die Präsidentenwahl am 14. Dezember und die Amtseinführung am 29. Dezember stattfinden. Erstmals wird der Präsident oder die Präsidentin nicht direkt vom Volk, sondern indirekt durch Abgeordnete des Parlaments und regionale Vertreter gewählt.

Surabischwili und die prowestliche Opposition erkennen das offizielle Ergebnis der Parlamentswahl am 26. Oktober nicht an. Die Wahlkommission hatte die Regierungspartei Georgischer Traum mit rund 54 Prozent der Stimmen zur Siegerin erklärt. Die Opposition kündigte nach der Wahl an, ihre Mandate nicht annehmen zu wollen. Seit der Wahl protestieren nahezu täglich Menschen vor allem in Tiflis gegen das Ergebnis.

Präsidentin: «Das Land ist im Aufruhr»

In einem kurzen Interview mit den britischen Sender Sky News am Sonntag betonte Surabischwili, dass die Menschen gegen «gestohlene Wahlen, nach sowjetischem Stil» protestierten. «Das Land ist im Aufruhr», sagte sie. Die landesweiten Demonstrationen Zehntausender Menschen seien «sicherlich keine Revolution», sondern friedliche Proteste.

Bei den jüngsten Demonstrationen, die auch die meisten Städte des Landes erfassten, wurden bei Zusammenstössen mit der Polizei über 100 Menschen festgenommen. Im Verlauf von Kundgebungen in Tiflis durften sich erstmals Journalisten aus den Reihen der Demonstranten am Samstag in einer Livesendung des Rundfunks zu den Ereignissen im Land äussern, wie in einem Blog der Opposition berichtet wurde.

Das Innenministerium warnte die Demonstranten vor angeblichen weiteren Gewalttaten und forderte sie auf, sich an die Gesetze zu halten. «Auf jeden Verstoss wird es vonseiten der Polizei eine entsprechende legale Reaktion geben.» (sda/dpa/lyn)

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Luna Merlin
01.12.2024 02:54registriert Dezember 2021
Wer sagt, die Wahlen in Georgien seien fair gewesen und die Präsidentin solle sich gefälligst dem „Volkswillen“ beugen, muss wirklich gerade aus einem langen Urlaub hinter dem Mond zurückgekehrt sein.

Der Volkswille zeigt sich jetzt auf der Strasse!

Dass Russland die Ergebnisse zu seinen Gunsten hat ausfallen lassen - mit höchster Wahrscheinlichkeit! Ein Gerichtsentscheid wäre die gleiche Farce.

Bloss kein weiterer europaorientierter Staat! Das dürfte ganz oben auf der Agenda des Kremls stehen.

Umso „besser“, wenn es Unruhen gibt - dann werden Putins Panzer „helfend“ eingreifen… 🤦🏼‍♀️
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MartinZH
01.12.2024 01:12registriert Mai 2019
Salome Surabischwili hat vollkommen recht, Präsidentin Georgiens zu bleiben, "bis es eine legitim gewählte Regierung gibt."

Man muss sich keinen Illusionen hingeben, dass das Plebiszit mit rechten Dingen abgelaufen sein würde: RuZZland hatte seine Hände im Spiel und hat – mit Geld und mit Drohungen – alles daran gesetzt, dass das "Resultat" anders aussehen würde.

Die demoskopischen Befragungen und Resultate sind ganz klar. Und es gäbe sonst auch nicht solche Demonstrationen, mit denen sich das Volk wehrt.

Wer wirklich "Demokrat" ist, sieht dies ohne weitere Erklärungen. So auch in Rumänien.
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Quaerentius
01.12.2024 03:00registriert Mai 2022
Warum haben die Leute vom Georgischen Traum so Angst vor der Entscheidung des Verfassungsgerichts, wenn doch alles mit rechten Dingen zugegangen ist
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