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Fettleibigkeit erhöht Risiko für schwere Infektionen drastisch

Fettleibigkeit erhöht Risiko für schwere Infektionen drastisch

Menschen mit starkem Übergewicht haben ein drastisch erhöhtes Risiko, bei Infektionen einen schweren Krankheitsverlauf bis hin zum Tod zu erleiden. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie.
10.02.2026, 03:1110.02.2026, 03:11

Das geht aus einer Analyse der Gesundheitsdaten von mehr als 540'000 Patienten im Vereinigten Königreich und in Finnland hervor. Während leichtes Übergewicht das Risiko nur wenig steigen lässt, liegt es bei Menschen mit Adipositas der Kategorie 3 rund dreimal so hoch wie bei Normalgewichtigen. Die Studie einer Gruppe um Mika Kivimäki vom University College London und Solja Nyberg von der University of Helsinki ist im Fachjournal «The Lancet» erschienen.

Übergewicht, adipositas
Eines der grössten Gesundheitsprobleme der Menschheit: Übergewicht. (Symbolbild)Bild: Shutterstock

Ausgangspunkt für die Studie waren Beobachtungen vor einigen Jahren: «Studien während der Covid-19-Pandemie zeigten, dass übergewichtige Personen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Sars-Cov-2-Infektion hatten, was sich in vermehrten Spitalaufenthalten und einer höheren Sterblichkeit widerspiegelte», schreibt das Team. Allerdings sei nicht klar gewesen, ob dies auch für andere Infektionskrankheiten gelte.

Das Team um Kivimäki und Nyberg nutzte daher Gesundheitsdaten aus zwei finnischen Datenbanken sowie der britischen «UK Biobank», um den Zusammenhang von Übergewicht und Adipositas mit einem schweren Verlauf von Infektionen wie Spitalaufenthalt oder gar Tod zu untersuchen.

Die Analyse ergab, dass leichtes Übergewicht das Risiko von schweren bis hin zu tödlichen Infektionsverläufen in Finnland um 10 Prozent und im Vereinigten Königreich (Grossbritannien und Nordirland) um 13 Prozent steigen liess.

Bei Adipositas der Kategorie 1 (Body-Mass-Index 30 bis 34,9) lag das Risiko in Finnland bereits um 47 Prozent und im Vereinigten Königreich um 53 Prozent höher als bei Normalgewichtigen. Adipositas der Kategorie 3 (Body-Mass-Index ab 40) führte in Finnland zu einem 2,69-fach und im Vereinigten Königreich um ein 3,07-fach erhöhten Risiko. Andere Faktoren wie Geschlecht, Alter oder sozioökonomischer Status, beeinflussten dieses Ergebnis kaum.

Günstige Bedingungen für Keime

«Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann», wird Kivimäki in einer Mitteilung von «The Lancet» zitiert.

Die Gründe könnten Faktoren sein, die mit Adipositas einhergehen, etwa ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt, sowie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen. Die Studienautoren schreiben jedoch auch, dass aus den Daten zwar der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Infektionsrisiko hervorgeht, aber nicht die genauen Gründe dafür.

Die Forscher übertrugen die gewonnenen Erkenntnisse auf Daten der Studie «Global Burden of Disease» und konnten so für Weltregionen und für einzelne Länder das Risiko für schwere Infektionsverläufe errechnen. In Deutschland beispielsweise wiesen im Jahr 2023 4700 von 31'900 Todesfällen nach Infektionen einen Zusammenhang mit Adipositas auf; das waren 14,7 Prozent dieser Todesfälle. Damit lag das Land unter den Werten der USA (25,7 Prozent), Spaniens (21,2 Prozent), Grossbritanniens (17,4 Prozent), aber deutlich über jenen von China (9,0 Prozent) und Indien (3,8 Prozent).

Steigende Adipositasraten erwartet

Die Studienautoren warnen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen könne. «Da die Adipositasraten weltweit voraussichtlich steigen werden, wird auch die Zahl der Todesfälle und Spitalaufenthalte aufgrund von mit Adipositas verbundenen Infektionskrankheiten zunehmen», sagt Nyberg.

Um das Risiko schwerer Infektionen sowie anderer mit Adipositas verbundener Gesundheitsprobleme zu reduzieren, bestehe ein dringender Bedarf an Massnahmen, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und Gewicht zu reduzieren, betont die Forscherin. (sda/dpa/con)

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