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Über eine Milliarde Menschen sind übergewichtig – Zahl rasant gestiegen

Über eine Milliarde Menschen sind übergewichtig – Zahl rasant gestiegen

01.03.2024, 07:17
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Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht – Adipositas genannt – ist rasant gestiegen. Weltweit waren nach einer Studie 2022 mehr als eine Milliarde Menschen betroffen.

Übergewicht, adipositas
Immer mehr Menschen sind übergewichtig.Bild: Shutterstock

Der Anteil der stark Übergewichtigen an der Bevölkerung habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt, unter Heranwachsenden zwischen 5 und 19 Jahren sogar vervierfacht, berichtete die Fachzeitschrift «The Lancet». Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf war an der Studie beteiligt.

In einigen wohlhabenden Ländern und bestimmten Bevölkerungs- und Altersgruppen erreiche die Zahl inzwischen ein Plateau oder sinke leicht, sagte Majid Ezzati vom Imperial College in London, etwa bei Frauen in Spanien und Frankreich. Die genauen Gründe dafür herauszufinden war nicht Teil der Analyse.

Chronische Krankheit

Adipositas kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und einige Krebsformen auslösen. «Adipositas ist eine chronische Krankheit, die definiert ist als eine über das Normalmass hinausgehende Vermehrung des Körperfetts», schreibt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Ob jemand betroffen ist, wird nach Gewicht und Grösse berechnet, dem Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 spricht die Gesellschaft von «Adipositas Grad I».

Im Jahr 2022 waren insgesamt 880 Millionen Erwachsene und 159 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren stark übergewichtig. 9,3 Prozent der Jungen galten 2022 als fettleibig, 6,9 Prozent der Mädchen. Bei Erwachsenen verdoppelte sich der Anteil bei Frauen seit 1990 auf 18,5 Prozent, und er verdreifachte sich bei Männern auf 14 Prozent.

Die insgesamt höchsten Adipositas-Raten gab es in Inselstaaten im Pazifik wie Niue, Tonga und Amerikanisch-Samoa mit teils über 60 Prozent. In den Top Ten waren in einzelnen Kategorien auch Katar, Ägypten, Chile und die USA. Die niedrigsten Raten verzeichneten Madagaskar, Burkina Faso, Vietnam und Äthiopien. Rasant war der Anstieg unter anderem in den USA: Der Anteil der Frauen mit Adipositas stieg von 21,2 Prozent 1990 auf 43,8 Prozent 2022, bei den Männern stieg der Anteil von 16,9 Prozent auf 41,6 Prozent.

Unterernährung und Übergewicht

Adipositas könne durch gute Ernährung und Bewegung von Kindesbeinen an vorgebeugt werden, berichtete die WHO. Regierungen sollten dafür sorgen, dass besonders salz-, fett- oder zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke nicht in der Nähe von Schulen verkauft werden und dass Reklame dafür, die sich an Kinder richtet, eingeschränkt wird. Sie sollten zudem Kampagnen über die Vorteile guter Ernährung und sportlicher Betätigung fahren. Die WHO räumte ein, dass gute Ernährung teuer sein kann.

Die andere Seite des Ernährungsproblems: Gleichzeitig seien weltweit auch hunderte Millionen Menschen weiter von Mangel- und Unterernährung betroffen, heisst es in der Studie, vor allem in Ländern in Südostasien und in Afrika südlich der Sahara. Unterernährung sei für die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich. Starkes Übergewicht und Unterernährung seien zwei Seiten desselben Problems: schlechter Ernährung, so die WHO. (saw/sda/dpa)

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167 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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PD Dr.med.
01.03.2024 07:57registriert November 2022
Was richtig ist: 1) schnelle Kohlenhydrate (allen voran Zucker) aber auch Weissmehlprodukte, Reis etc. reduzieren, 2) verarbeitete Produkte /Fertigprodukte meiden, 3) Alkohol: wenig
Was nicht stimmt: eine generelle Fettreduktion! Eine eiweissreiche, fettreiche (!) Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und einem hohen Faseranteil (frisch zubereitetes Gemüse) fördert ein gesunden Stoffwechsel/Körpergewicht. Die „Fett = böse“-Lüge aus den 1960ern ist wissenschaftlich nicht haltbar!
Vollfettjoghurt, Käse, Oliven, Nüsse = prima sättigend und gesund.
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Martin Baumgartner
01.03.2024 07:53registriert Juni 2022
Übergewicht oder Adipositas ist nicht nur Gesundheitsproblem sonder auch ein Geschäftsmodell. Die Diät-Branche verdient viel Geld mit den millionen von Übergewichtigen, die sich an die grossartigen Versprechen klammern. Mag sein, dass diese Menschen nicht nur Geld sonder auch Gewicht verlieren aber in Gegensatz zum Geld kommen die Kilos in den meisten Fällen wieder zurück.
Wer wirklich sein Gewicht reduzieren will muss sich erst klar werden warum er zu schwer ist und dann seine Lebensweise von Grund auf ändern.
So hat es bei mir gewirkt.
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Green Eyes
01.03.2024 10:04registriert September 2019
Ich war jahrelang übergewichtig, BMI 35 oder höher. Durch Ernährungsumstellung UND Stressmanagement konnte ich in einem halben Jahr 17 Kilo verlieren, aktuell BMI bei 28. Ernährung ist nicht immer alleine verantwortlich, es ist ein Zusammenspiel von allen Faktoren. Hormone, Stress, emotionale Blockaden oder Traumata haben auch einen Einfluss.
Es lohnt sich, sich danit auseinander zu setzen.
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