Fallschirmspringer wegen Hantavirus im Einsatz – Evakuierung auf Teneriffa
Während vor Teneriffa die Evakuierung der «Hondius» läuft, schickt Grossbritannien Fallschirmspringer zu einem der entlegensten Orte der Welt: Über der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik sprangen Helfer aus einem Flugzeug ab, wie das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte.
Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA hatte zuvor einen Verdachtsfall auf der Insel gemeldet. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um einen Passagier der «Hondius», der auf der Insel lebt und dort von Bord gegangen sein soll.
Die Insel Tristan da Cunha ist das entlegenste britische Überseegebiet und kann gewöhnlich nur per Schiff erreicht werden. Sie hat bloss 221 Einwohner und keine Landebahn. Das auf der Insel gelandete Spezialteam der britischen Armee besteht aus sechs Fallschirmjägern und zwei Sanitätern. Zudem wurden Sauerstoffvorräte und weitere medizinische Hilfsgüter abgeworfen.
Hantavirus-Angst auf einsamer Insel: 10'000 Kilometer Flug
«Da die Sauerstoffvorräte auf der Insel kritisch niedrig waren, war ein Abwurf die einzige Möglichkeit, dem Patienten rechtzeitig lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen», teilte die Armee mit.
Es handle sich um den ersten Einsatz dieser Art: Das eingesetzte Transportflugzeug vom Typ A400 habe dafür zunächst 6'788 Kilometer vom Militärflughafen RAF Brize Norton nahe Oxford bis zur Insel Ascension zurückgelegt, die mitten im Atlantik liegt und gemeinsam mit Tristan da Cunha und St. Helena ein britisches Überseegebiet bildet. Danach sei es mehr als 3'000 Kilometer weiter gegangen nach Tristan da Cunha, das noch weiter südlich liegt. Ein Flugzeug vom Typ Voyager habe die Maschine für einen Tankvorgang in der Luft begleitet.
Evakuierung der «Hondius»: Zuerst verliessen die Spanier das Schiff
Unterdessen bereiten Rettungskräfte die Rückkehr von «Hondius»-Passagieren nach Deutschland vor. Das Kreuzfahrtschiff war am Morgen in den Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa eingefahren. Ärzte untersuchten die Passagiere noch an Bord auf akute Krankheitssymptome. Am Vormittag begann die Evakuierung: Zunächst wurden die 14 Spanier in kleinen Gruppen mit Booten an Land gebracht. Es handelt sich nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums um 13 Passagiere und einem Angehörigen der Crew.
Auf Bildern war zu sehen, wie diese Menschen in den Booten Schutzbekleidung und Masken trugen. An Land stiegen sie in Busse der Militärischen Nothilfeeinheit UME ein, um zum Flughafen gebracht zu werden. Zusammen mit einem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO soll diese Gruppe nach Madrid geflogen werden und dort in einem Militärkrankenhaus in Quarantäne gehen.
Schweizer Crewmitglied des Kreuzfahrschiffs «Hondius» in Quarantäne
Ein Schweizer Crewmitglied ist bei der Evakuierung in Quarantäne verbracht worden. Dem Bundesamt für Gesundheit sind derzeit keine weiteren Schweizer bekannt, die sich an Bord des Schiffs befanden.
Die Quarantäne dürfte sechs Wochen dauern, teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Man stehe in regelmässigem Kontakt mit dem Besatzungsmitglied und seinen Angehörigen in der Schweiz. Der Betroffene sei trotz der Situation guter Dinge und zeige keine Symptome.
Verwendete Quellen:
- gov.uk: "Military conducts daring parachute drop to deliver critical medical support to Tristan da Cunha"
- Mit Material der Nachrichtenagentur sda/dpa

