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Russland: Putins Krieg treibt Spitäler und Kliniken nahe an den Kollaps

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Russische Soldaten werden in einem Feldlazarett behandelt (Archivbild): Russlands Krieg gegen die Ukraine hat auch Folgen für das Gesundheitssystem.Bild: www.imago-images.de

Putins Krieg bringt Russlands Kliniken nahe an den Kollaps

In Russland fehlen Zehntausende Ärzte und Pflegekräfte. Der Krieg gegen die Ukraine verschärft die Krise: Mediziner werden an die Front gedrängt oder verlassen das Land.
10.05.2026, 17:4610.05.2026, 17:46
Ein Artikel von
t-online

Mehr als vier Jahre nach Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine steckt das russische Gesundheitssystem in einer tiefen Krise. Nach offiziellen Angaben fehlen landesweit fast 87'000 Ärzte und medizinische Fachkräfte.

Um den Personalmangel abzufedern, dürfen Feldscher inzwischen mehr ärztliche Aufgaben übernehmen. Zudem wirbt Russland medizinisches Personal aus dem Ausland an. Auch künstliche Intelligenz soll künftig helfen: Nach offiziellen Plänen sollen KI-Systeme bis Ende 2026 in staatlichen Kliniken Diagnosen und Behandlungsempfehlungen unterstützen.

Aufsehen erregt nun der öffentliche Protest einer Feldscherin aus Omsk, wie «n-tv.de» berichtet. In einem vielfach geteilten Video wirft sie den Behörden vor, Spitäler und Polikliniken unter Druck zu setzen. Jede Einrichtung solle mindestens einen Mitarbeiter für den Kriegseinsatz stellen. Freiwillige gebe es kaum, stattdessen werde massiver Druck von Klinikleitungen und regionalen Behörden ausgeübt.

«Ich werde mein Leben nicht einfach so aufs Spiel setzen»

Die Feldscherin stellt sich öffentlich gegen diese Praxis: «Das ist nicht unser Krieg. Ich werde mein Leben nicht einfach so aufs Spiel setzen.» Feldscher ist eine in Russland weit verbreitete medizinische Berufsgruppe mit verkürzter Ausbildung. Vor allem in ländlichen Regionen übernehmen Feldscher häufig die Aufgaben von Hausärzten, versorgen Patienten im Alltag und arbeiten zugleich pflegerisch. Gerade ausserhalb der Grossstädte gelten sie als zentrale Stütze der medizinischen Versorgung.

Der Fall zeigt derweil eine grössere Krise im russischen Gesundheitswesen auf. Nach Angaben des russischen Gesundheitsministeriums fehlten Mitte April 2026 mehr als 23'000 Ärzte und rund 63'600 weitere medizinische Fachkräfte. Damit waren landesweit fast 87'000 Stellen unbesetzt.

Krieg verschärft die Krise

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine belastet das System zusätzlich. Medizinisches Personal wird für militärische Aufgaben benötigt und an die Front geschickt – oft auch gegen den Willen. Zugleich verlassen viele Fachkräfte das Land aus Sorge vor Mobilisierung oder wachsendem politischen Druck.

Die Regierung versucht, die Abwanderung einzudämmen. Der Kreml hat Ausreisebeschränkungen für bestimmte medizinische Berufe eingeführt. Junge Absolventen medizinischer Hochschulen müssen inzwischen mehrere Jahre in staatlichen Einrichtungen arbeiten. Wer sich entzieht, muss mit finanziellen Sanktionen rechnen.

Um den Personalmangel abzufedern, dürfen Feldscher inzwischen mehr ärztliche Aufgaben übernehmen. Zudem wirbt Russland medizinisches Personal aus dem Ausland an. Auch künstliche Intelligenz soll künftig helfen: Nach offiziellen Plänen sollen KI-Systeme bis Ende 2026 in staatlichen Kliniken Diagnosen und Behandlungsempfehlungen unterstützen.

Kritiker sehen darin jedoch keine Lösung der strukturellen Probleme. Sie werfen dem Kreml vor, die Folgen des Krieges für die Gesundheitsversorgung zu verharmlosen, während grosse Teile des Staatshaushalts in Militär und Rüstung fliessen.

Krieg in der Ukraine hinterlässt psychische Folgen

Experten warnen zudem vor einer wachsenden psychischen Belastung durch den Ukraine-Krieg. Nach Einschätzung von Fachleuten ist das russische Gesundheitssystem kaum darauf vorbereitet, traumatisierte Soldaten und ihre Familien langfristig zu betreuen. Besonders psychische Erkrankungen wie posttraumatische Belastungsstörungen gelten in Russland weiterhin als tabuisiert.

Mit der Rückkehr tausender Kriegsteilnehmer steigt der Druck auf das ohnehin überlastete Gesundheitswesen weiter. Beobachter warnen bereits vor einer langfristigen mentalen Krise, für die es in vielen Regionen weder ausreichend Psychologen noch spezialisierte Einrichtungen gibt.

Verwendete Quellen:

(t-online)

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lohner
10.05.2026 17:54registriert August 2025
Putin hätte es in der Hand. Einfach die Spezialoperation beenden und all das wäre kein Thema mehr.
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Tante Karla
10.05.2026 18:08registriert März 2024
Für Putinisten ist die russische Bevölkerung eine frei einsetzbare Manövriermasse, die dazu dient, Krieg zu führen und damit Kriegsbeute für die Elite einzufahren.

Das war eigentlich immer klar.
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Donnerherz
10.05.2026 18:05registriert November 2020
Tja, man sollte sich vorher überlegen, ob es sich lohnt einen Krieg zu beginnen.
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