International
Analyse

Ukraine-Krieg: Die dubiose Rolle des Putin-Verstehers Donald Trump

President Donald Trump and Russia's President Vladimir Putin talk, Friday, Aug. 15, 2025, at Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
Trump Putin
Das Treffen im letzten August in Alaska war vor allem ein PR-Erfolg für Wladimir Putin.Bild: keystone
Analyse

Im Zweifel für Putin: Trumps dubiose Rolle im Ukraine-Krieg

Seit Donald Trumps Amtsantritt haben die USA ihre Hilfe für die Ukraine fast komplett eingestellt. Seine Vorliebe für Aggressor Russland ist offensichtlich – doch es gibt Nuancen.
24.02.2026, 19:5424.02.2026, 19:54

Er werde den Ukraine-Krieg nach seinem Amtsantritt innerhalb von 24 Stunden beenden, hatte Donald Trump im US-Wahlkampf 2024 vollmundig versprochen. Es war eine seiner Übertreibungen, doch die Ankündigung verfolgt ihn hartnäckig. Denn der Krieg geht inzwischen in sein fünftes Jahr, ohne dass der US-Präsident konkret etwas bewirken konnte.

Die Ukrainer sind trotz Müdigkeit und Russlands «Kälteterror» gegen die Zivilbevölkerung keineswegs besiegt. Dabei haben sie es mit einem weiteren «Gegner» zu tun: Donald Trump. Seine Vorstellung eines «Friedens» deckt sich weitgehend mit jener von Wladimir Putin. Auf Truth Social fordert Trump einzig die Ukrainer zu Zugeständnissen auf.

4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern

1 / 54
4 Jahre Ukraine-Krieg in 52 Bildern

Von ihrem Nachbarn überfallen, kämpft die Ukraine ums Überleben. In dieser Bildstrecke schauen wir auf die Ereignisse seit der Invasion Russlands zurück ...

quelle: keystone / bo amstrup
Auf Facebook teilenAuf X teilen

In seiner simplen Logik müssen sie Territorien an Russland abtreten, dann ist der Krieg vorbei. Die Frustration in der Ukraine und bei Präsident Wolodymyr Selenskyj ist entsprechend gross. Gleichzeitig wissen sie, dass sie Trump nicht verärgern dürfen. Er solle «an unserer Seite bleiben», forderte Selenskyj in einem Interview mit CNN eindringlich.

Hilfe komplett eingestellt

Zuvor hatte der Ukrainer sichtlich um eine Antwort gerungen. Er weiss, dass die Realität anders aussieht. Die USA haben 2025 ihre militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe gemäss dem Ukraine Support Tracker des Kiel Instituts praktisch komplett eingestellt. In die Bresche gesprungen sind die Europäer, auch mit dem Kauf von US‑Kriegs­material.

Einzig der Austausch von Geheimdienstinformationen funktioniert weiterhin, weil die Amerikaner selbst davon profitieren. Sie erhalten wertvolle Informationen über die russische Kriegsführung, vor allem mit Drohnen. Am Gesamtbild ändert dies wenig: Donald Trumps Rolle im Ukraine-Krieg ist dubios, meistens aber bevorzugt er den Angreifer.

Zweifelhaftes «Gipfeltreffen»

«Die Russen erhalten Dinge von den Amerikanern, die sie sich in den wildesten Träumen nicht vorstellen konnten», sagte der britische Analyst Keir Giles im letzten Herbst im Interview mit watson. Liegt das an Trumps irritierender Schwäche für den «starken Mann» Wladimir Putin? Über die möglichen Hintergründe wird seit langer Zeit spekuliert.

FILE - In this photo provided by the Ukrainian Presidential Press Office, President Volodymyr Zelenskyy, right, and President Donald Trump, talk as they attend the funeral of Pope Francis in St. Peter ...
Im Petersdom kam es zu einem spontanen Gespräch zwischen Trump und Selenskyj. Viel gebracht hat es der Ukraine nicht.Bild: keystone

Fest steht, dass sich Trump am Telefon vom russischen Machthaber regelmässig um den Finger wickeln lässt. So stimmte er dem zweifelhaften «Gipfeltreffen» mit Putin in Alaska zu. Ein weiteres Treffen in Budapest kam nicht zustande, während er Wolodymyr Selenskyj mehrfach begegnete, unter anderem am Rand der Trauerfeier für Papst Franziskus.

Lukrative Deals

Putin aber hat vor allem ein Lockmittel. Er stellt Trump und den USA bei einem Kriegsende lukrative Deals in Aussicht – und auf diesem Ohr hört der US-Präsident besonders gut. Schon in den 1980er-Jahren träumte er von einem Trump Tower in Moskau. Unter diesem Aspekt muss man auch die Friedensbemühungen der Trump-Regierung einordnen.

Statt erfahrener Diplomaten setzt der Präsident auf seinen Freund Steve Witkoff. Er spricht kein Russisch und kennt die Region kaum. Als US-Sondergesandter war er «sechsmal in Russland, aber noch nie in der Ukraine», schreibt die Russland-Expertin Angela Stent vom American Enterprise Institute im Magazin «Foreign Policy».

Russischer Diktatfrieden

Der ehemalige KGB-Offizier Putin verstehe es, seine Ansprechpartner zu umschmeicheln und zu manipulieren, meint Stent weiter. Er scheine Witkoff von seiner eigenen und sehr speziellen Sicht auf die Geschichte der Ukraine überzeugt zu haben. Zumindest ist unverkennbar, dass der US-Gesandte der russischen Sichtweise zuneigt.

epa12565009 US Presidential Envoy Steve Witkoff (R) and and Kirill Dmitriev (L), CEO of the Russian Direct Investment Fund (RDIF), Special Representative of the President of the Russian Federation for ...
Der russische Unterhändler Kirill Dmitrijew entwarf mit Steve Witkoff (r.) einen «Friedensplan».Bild: keystone

Witkoff kommt wie Trump aus der Immobilienbranche. Er scheint zu glauben, dass die Ukraine nur einen Teil der Donbass-Region abtreten müsse. Mit dem russischen Unterhändler Kirill Dmitrijew – er war Investmentbanker an der Wall Street und spricht perfekt Englisch – entwarf er im letzten November einen 28-Punkte-Plan, der auf einen russischen Diktatfrieden hinausgelaufen wäre.

Massnahmen gegen Ölexporte

Unter europäischem Druck wurde der Plan «entschärft» und auf 20 Punkte reduziert. Dennoch sind bei den Friedensgesprächen etwa letzte Woche in Genf keine Fortschritte erkennbar. Für Angela Stent handelt es sich um «Scheinverhandlungen», mit denen Putin Trump bei Laune halten und von einem härteren Vorgehen gegen Russland abhalten wolle.

Das gelingt nicht immer, denn Trump ist durchaus bereit, Massnahmen gegen die Russen zu ergreifen, vor allem gegen ihre Ölexporte. Im November verhängte er Sanktionen gegen die Ölkonzerne Lukoil und Rosneft. Er liess Schiffe der russischen «Schattenflotte» entern und drängte Indien mit einem Deal dazu, kein Öl aus Russland mehr zu importieren.

Kein Druck auf Putin

Der Verlust des zweitgrössten Abnehmers nach China wäre ein schwerer Schlag für Putins Kriegswirtschaft. Analysten bezweifeln, dass die Inder zu einem vollständigen Verzicht auf russisches Öl bereit sind, doch die Importe sollen rückläufig sein. Im Januar habe Indien 1,2 Millionen Fass pro Tag eingeführt, gegenüber 2 Millionen im letzten Jahr.

Auch in diesem Fall scheinen geschäftliche Interessen das wichtigste Motiv für Trump zu sein. Indien soll demnach Öl aus den USA sowie aus Venezuela beziehen. Und ein Paket mit scharfen Sanktionen gegen Russland, das von einer breiten Allianz aus beiden Parteien unterstützt wird, steckt im US-Senat fest, weil Trump bislang keine Abstimmung zulässt.

Es gebe «wenige Anzeichen, dass die Trump-Regierung gewillt ist, Putin unter Druck zu setzen», schreibt Angela Stent in «Foreign Policy». Der Präsident spielt in dem Konflikt, den er rasch beenden wollte, eine zweifelhafte Rolle. Weshalb Stent ernüchtert feststellt: «Solange sich in Washington nichts ändert, dürfte der Krieg auf absehbare Zeit weitergehen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Trump empfängt Putin in Alaska
1 / 26
Trump empfängt Putin in Alaska

Donald Trump bei der Ankunft in Anchorage.

quelle: keystone / julia demaree nikhinson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Treffen von Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj eskaliert
Video: extern
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
83 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Callao
24.02.2026 20:05registriert April 2020
Am Ende stolpern hoffentlich beide. Putin wie Trump. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt!
1211
Melden
Zum Kommentar
avatar
Oliver01
24.02.2026 20:29registriert Februar 2023
Trump ist für mich ganz klar nicht auf Seiten der Ukraine, sondern auf der Seite von Russland. Er spielt für mich ein falsches Spiel. Und niemand wehrt sich gegen ihn.
990
Melden
Zum Kommentar
avatar
Conny 56
24.02.2026 20:19registriert April 2024
Ja Trump denkt nur an seine persönliche Vorteile, Land und Leute sind ihm egal. Und so jemand will den Friedensnobelpreis, passt irgendwie nicht zusammen.
860
Melden
Zum Kommentar
83
Tödliche Routen – 606 Tote und Vermisste seit Anfang Jahr auf dem Mittelmeer
Die ersten zwei Monate im Jahr 2026 waren die tödlichsten auf den Fluchtrouten durchs Mittelmeer in mehr als einem Jahrzehnt, wie die Internationale Organisation für Migration berichtet. Eine Besserung ist nicht in Sicht.
606 Menschen, die seit Anfang Jahr den gefährlichen Versuch wagten, nach Europa zu gelangen, sind im Mittelmeer gestorben oder gelten als vermisst. Die UNO-Organisation für Migration (IOM) nannte dies am Montag den «tödlichsten Start zu einem Jahr» seit einem Jahrzehnt. Die Hoffnung, dass vermisste Menschen auf hoher See gefunden werden, ist verschwindend klein. Zwischen 2014 und 2019 sind schätzungsweise 17'900 Menschen im Mittelmeer ertrunken, rund 12'000 davon wurden nie gefunden.
Zur Story