Islamistische Gruppierung bekennt sich zu Messerangriff in London
Nach dem jüngsten Terroranschlag in London hat sich die neue islamistische Gruppierung Aschab al-Jamin zu dem Angriff bekannt. Einzelkämpfer der Gruppe hätten zwei «Zionisten» im Stadtviertel Golders Green angegriffen und verletzt, heisst es in einer Stellungnahme, die die Gruppe heute auf pro-iranischen Kanälen im Internet verbreitete. In einem kurzen Clip zeigte die Gruppe auch Szenen des Angriffs, die Überwachungskameras und Augenzeugen gefilmt hatten.
Die Gruppe verweist in dem Clip offenbar auch auf ein israelisches Gesetz vom März, mit dem die Todesstrafe ausgeweitet wird. Dieses sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel auch die Todesstrafe verhängt werden kann. «Wenn das Gesetz für die Hinrichtung von Gefangenen nicht gestoppt wird, werdet ihr auf der Strasse hingerichtet», erklärt Aschab al-Jamin in dem Clip.
Die undurchsichtige Gruppe heisst mit vollständigem Namen Harakat Aschab al-Jamin al-Islamia, abgekürzt auch als HAYI bekannt. Sie tauchte erstmals während des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran auf und hat sich Ermittlern zufolge seitdem zu mehreren Anschlägen in Europa gegen jüdische und westliche Einrichtungen bekannt. Es ist aber unklar, ob die Gruppe tatsächlich existiert oder ob es sich um eine Inszenierung handelt. Zugleich gibt es Anzeichen auf mögliche Verbindungen zum iranischen Staat.
Beim Terrorangriff in London wurden im jüdisch geprägten Stadtviertel Golders Green zwei Menschen verletzt. Ein mutmasslicher Angreifer wurde festgenommen, es handelt sich um einen 45-jährigen Mann.
«Der antisemitische Angriff in Golders Green ist zutiefst entsetzlich. Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Grossbritannien», so die Mitteilung von Regierungschef Starmer. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen werden, kündigte der Labour-Politiker an.
Londons Bürgermeister Sadiq Khan schrieb, die jüdische Gemeinschaft in der britischen Hauptstadt sei zum Ziel einer Reihe von schockierenden antisemitischen Angriffen geworden. «Es darf absolut keinen Platz für Antisemitismus in der Gesellschaft geben.» Die Londoner Polizei habe ihre Präsenz in dem betroffenen Gebiet erhöht.
Khan dankte den Rettungskräften und einer Nachbarschaftsinitiative «für ihre rasche Reaktion auf diesen fürchterlichen Vorfall».
Video soll Festnahme zeigen
Britische Medien berichteten über noch unbestätigte Videos zu dem Vorfall, die in sozialen Medien kursieren. Dabei ist etwa zu sehen, wie ein auf dem Bauch liegender Mann von mehreren Personen fixiert wird. Auf anderen Aufnahmen, die den mutmasslichen Tatort zeigen sollen, sind wiederum zahlreiche Krankenwagen und auch Polizeibeamte zu sehen.
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— Open Source Intel (@Osint613) April 29, 2026
EXLUSIVE FOOTAGE: Two visibly jewish men stabbed in Golders Green, London.
Islamist assailant apprehended. pic.twitter.com/g3nJp6W2AG
Die Abgeordnete Sarah Sackman, in deren Wahlkreis Golders Green liegt, verurteilte den Vorfall in einer Mitteilung auf der Plattform X ebenfalls als antisemitisch: «Die Angriffe auf britische Juden sind ein Angriff auf Grossbritannien selbst. Es ist unerhört, dass Juden auf diese Weise angegriffen werden», so die Labour-Abgeordnete.
Erst zuletzt Brandanschlag in Golders Green
Zuletzt war es in London zu mehreren Angriffen auf jüdische Einrichtungen gekommen, oft handelte es sich dabei um Brandanschläge. Erst vor wenigen Wochen waren etwa vier Krankenwagen des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola in Golders Green bei einem antisemitisch motivierten Brandanschlag zerstört worden. Mehrere Verdächtige wurden angeklagt.
Die beiden bei dem Messerangriff verletzten Männer werden laut BBC von Hatzola behandelt. Die Organisation wird von Freiwilligen betrieben und bietet kostenlose Krankentransporte und Notfallhilfe an. Auch eine jüdische Nachbarschaftsinitiative soll massgeblich an der Festnahme beteiligt gewesen sein.
Israel fordert mehr Einsatz gegen Antisemitismus
Das israelische Ausseninisterium hat derweil ein entschlosseneres Vorgehen Grossbritanniens gegen Antisemitismus gefordert.
«Nach Angriffen auf Synagogen, jüdische Einrichtungen, Gemeindekrankenwagen und nun auch gezielten Attacken auf Juden in Golders Green kann die britische Regierung nicht länger behaupten, die Lage sei unter Kontrolle», hiess es in einem Post des Ministeriums auf der Plattform X.
Jüdinnen und Juden in Grossbritannien sollten keine Sicherheitspatrouillen benötigen, um offen als Juden leben zu können, forderte das Ministerium. «Genug der Worte», hiess es in der Mitteilung. London müsse nun «entschlossen und dringend handeln». (sda/dpa)
