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epa07813382 British Prime Minister, Boris Johnson delivers a statement outside 10 Downing street in Westminster, central London, Britain, 02 September 2019. Britain's Prime Minister Boris Johnson has said Britain must leave the EU on 31 October, with or without a deal, prompting a number of British Members of Parliament to unite to try to prevent leaving without an agreement as Parliament assembles on 03 September 2019.  EPA/NEIL HALL

Brexit «ohne wenn und aber»: Boris Johnson bei der Presseerklärung am Montagabend. Bild: EPA

Johnson und Regierung im Widerspruch – kommt es zu einer Neuwahl?



Widersprüchliche Aussagen aus London: Premierminister Johnson beteuert, er wolle keine Wahl. Regierungskreisen zufolge plant die Regierung aber genau das, sollte sie bei der anstehenden Auseinandersetzung um einen No-Deal-Brexit im Parlament unterliegen.

Die britische Regierung will im Fall einer Niederlage im Parlament beim Ringen um einen No-Deal-Brexit in dieser Woche eine Neuwahl herbeiführen. Entsprechende Medienberichte wurden auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA am Montagabend aus Regierungskreisen bestätigt.

Kurz zuvor hatte Premierminister Boris Johnson in einer Erklärung vor dem Regierungssitz Downing Street beteuert:

«Ich will keine Wahl und Sie wollen keine Wahl.»

Für Fristverlängerung statt No-Deal

Die Opposition und eine Gruppe von etwa 20 Rebellen aus der Regierungsfraktion wollen den Premierminister in dieser Woche per Gesetz zum Einlenken bei seinem harten Brexit-Kurs zwingen.

Wie aus einem am Montagabend vorgelegten Gesetzentwurf hervorgeht, wollen sie eine Verlängerung der Brexit-Frist um drei Monate erzwingen, sollte bis zum 19. Oktober kein Abkommen mit der EU verabschiedet sein. Dafür planen sie, am Dienstag im Parlament die Kontrolle über die Tagesordnung an sich zu reissen.

Johnson droht, sein Land am 31. Oktober ohne Abkommen aus der EU zu führen, sollte sich Brüssel bis dahin nicht auf seine Forderungen nach Änderungen am Austrittsabkommen einlassen. Bislang lehnt die EU das ab, solange London keine umsetzbaren Vorschläge dafür liefert. Im Falle eines ungeordneten EU-Austritts wird mit schweren Konsequenzen für die Wirtschaft gerechnet, vor allem Grossbritannien dürfte es dabei hart treffen.

Aufruf zu Einigkeit

Der Regierungschef hatte in einer Erklärung am Montagabend die Partei zur Einigkeit aufgerufen. Er werde unter «keinen Umständen» eine weitere Verlängerung der EU-Austrittsfrist beantragen, sagte Johnson. «Wir werden [die Europäische Union] am 31. Oktober verlassen, ohne Wenn und Aber.»

Er hoffe immer noch auf ein Abkommen mit Brüssel. Doch dafür müsse die Regierungsfraktion an einem Strang ziehen. Wer gegen die Regierung stimme, ziehe ihr bei den Verhandlungen mit Brüssel den Boden unter den Füssen weg. Eine Neuwahl wolle er aber vermeiden.Enormer HandlungsdruckDer Handlungsdruck für die No-Deal-Gegner ist enorm, weil Johnson dem Parlament eine mehrwöchige Zwangspause verordnet hat, die bereits in der nächsten Woche beginnt. Die Abgeordneten sollen dann erst wieder am 14. Oktober zurückkehren.

Sie haben bis längstens Sonntag Zeit, um ihr Gesetzesvorhaben durchs Parlament zu bringen. Der 14. Oktober kursierte am Montag auch als möglicher Termin für eine Neuwahl.

Der Gesetzentwurf macht genaue Vorgaben, wie die Beantragung der Verlängerung laufen soll. Sogar der Wortlaut des Briefes an EU-Ratspräsident Donald Tusk ist darin vorgegeben. Die Rebellen fürchten, Johnson könnte sonst versuchen, die Absicht des Gesetzes zu umgehen, indem er beispielsweise den Antrag mit unerfüllbaren Bedingungen verknüpft.

President of the European Council Donald Tusk arrives at the G-7 summit in Biarritz, France, Sunday, Aug. 25, 2019. (AP Photo/Andrew Harnik)
Donald Tusk

Donald Tusk – erhält er bald einen Brief mit Beantragung der Frist-Verlängerung? Bild: AP

Johnson braucht Opposition für Neuwahl

Johnson kann eine Wahl nicht ohne Zutun der Opposition auslösen. Um eine Neuwahl herbeizuführen, braucht der Premierminister die Unterstützung von zwei Dritteln aller Abgeordneten im Unterhaus.

Die Opposition wiederum will auf keinen Fall riskieren, dass Grossbritannien am 31. Oktober aus der EU hinauskracht und dürfte auf einem Wahltermin vor dem Ablauf der Brexit-Frist bestehen. Für Johnson wiederum wäre ein Datum nach dem EU-Austritt vorteilhafter, weil er dann die Konkurrenz aus der Brexit-Partei von Nigel Farage weniger zu fürchten hätte. (mim/sda/dpa)

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FrancoL 03.09.2019 10:45
    Highlight Highlight Ein riesen Affentheater und en BoJ der seines Amtes nicht würdig ist und die Demokratie ad absurdum führt. Ein Ministerpräsident der nun wahrlich nichts auf die Reihe kriegt und wie im Wahlkampfmodus immer noch fast ausschliesslich mit Lügen arbeitet.
    Weg mit dieser Person.
    • Thomas G. 04.09.2019 01:29
      Highlight Highlight Und das bestimmst Du .... weil???
    • FrancoL 04.09.2019 07:59
      Highlight Highlight Die Mehrheit und die scheint nicht Deiner Meinung zu sein, was viel Vernunft zeigt.
  • saukaibli 03.09.2019 10:18
    Highlight Highlight Wenn jemand ungebildete Menschen durch bewusste Lügen dazu bringt, in seinem Sinne abzustimmen, dann ist das also Demokratie? Du hast wirklich ein spezielles Verständnis von Demokratie.
  • Mber 03.09.2019 08:59
    Highlight Highlight Die spinnen die Briten.
    Asterix wusste dies schon lange.
    • Ich hol jetzt das Schwein 03.09.2019 13:46
      Highlight Highlight *Obelix...
  • daniserio87 03.09.2019 07:19
    Highlight Highlight Endlich einer, der dem Theater IRGENDWIE mal ein Ende setzt. 🙏🙏
    • Ich hol jetzt das Schwein 03.09.2019 13:48
      Highlight Highlight BJ und einem Theater ein Ende setzen! 😂😂😂 Der war gut, danke!
  • Thomas G. 03.09.2019 05:17
    Highlight Highlight Das Parlament hatte drei Jahre Zeit den vom Volk bestimmten Brexit durchzuführen. Es ist ein UK Gesetz, die EU am 31.10. zu verlassen.

    Die Verweigerer sind schlechte Demokraten denn sie wollen die Volksentscheidung nicht ausführen sondern in der EU bleiben. Das ist Verrat.

    Boris hat völlig recht.
    .
    • FITO 03.09.2019 06:59
      Highlight Highlight Du kennst den Unterschied zwischen einem Referendum und einem Gesetz schon, oder?
    • Fanta20 03.09.2019 08:15
      Highlight Highlight Nicht völlig falsch, was Sie sagen, nur darf man auch nicht ausser Acht lassen, dass die ganze Brexit-Geschichte von A bis Z unfassbar, ja unentschuldbar schludrig angegangen wurde: Vor dem Referendum 2016 hatte niemand die geringste Ahnung, wann oder wie ein allfälliger EU-Austritt denn zu vollziehen wäre. Aus meiner Sicht hätte der Entscheid zwingend auf Basis eines konkreten Vertragsentwurfs für den Austritt erfolgen müssen. Nun resultiert ein relativ knappes Zufallsmehr, welches obendrein vermutlich auch aufgrund völlig falscher Aussagen zustande kam. Das ist halt schon nicht befriedigend.
    • RicoH 03.09.2019 08:29
      Highlight Highlight Vielleicht sollte man sich vorher ein wenig mit der Materie befassen, bevor man einen Kommentar schreibt.

      Der Austritt wurde auf den 31. Oktober festgelegt. Somit ist es ein Beschluss und nicht Gesetz.

      Auch steht nirgends geschrieben, dass das Volk einem "No-Deal-Brexit" zugestimmt hat oder zustimmen würde. Dass viele damit nicht einverstanden sind, ist nachvollziehbar. Wie du auf die Idee kommst, von Verrat zu sprechen, ist mir völlig schleierhaft.

      Und nein, Boris hat nicht recht. Es ist seine persönliche Meinung. Mehr nicht.
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Doch weil er und 20 andere Tory-Abgeordnete am vergangenen Dienstag gemeinsam mit der Opposition für ein Gesetz gestimmt hatten, das Premierminister Boris Johnson einen No-Deal-Brexit verbietet, entzog ihm die Parteileitung …

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