Epstein-Skandal: Ex-Premier nennt Mandelson einen Verräter
Die Ermittlungen gegen den früheren britischen Minister Peter Mandelson im Epstein-Skandal sind nach Angaben der Polizei «komplex» und erfordern «umfangreiche weitere Beweiserhebung und -analyse». In einem Statement gaben die Ermittler am Samstag an, Durchsuchungen an zwei Adressen abgeschlossen zu haben.
Sie seien im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen 72-jährigen Mann wegen des Verdachts des Fehlverhaltens im öffentlichen Amt durchgeführt worden, hiess es. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um Mandelson. «Er ist nicht verhaftet worden und die Nachforschungen dauern an», hiess es in der Polizeimitteilung.
Starmer distanziert sich
Die jüngst veröffentlichten Dokumente aus den Akten zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatten aufs Neue eine enge Freundschaft zwischen Mandelson und dem US-Unternehmer nahegelegt. E-Mail-Verläufe sollen zudem zeigen, dass Mandelson während der Finanz- und Wirtschaftskrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben hat. Der Politiker äusserte sich bislang nicht zu diesen Vorwürfen.
Premierminister Keir Starmer hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach von Mandelson distanziert. Dieser war im Februar 2025 zum britischen Botschafter in den USA ernannt worden. Starmer sagt, er habe zu diesem Zeitpunkt nichts von dem engen Verhältnis zwischen Mandelson und Epstein gewusst.
Ex-Premier fühlt sich von Mandelson «betrogen»
Auch der frühere britische Premierminister Gordon Brown fühlt sich nach den Epstein-Enthüllungen über seinen damaligen Wirtschaftsminister Peter Mandelson «traurig, wütend, betrogen, im Stich gelassen».
«Es besteht kein Zweifel daran, dass ein riesiger wirtschaftlicher Schaden hätte entstehen können und vielleicht entstanden ist», sagte Brown der BBC. Mandelson war ab 2008 Teil des Kabinetts von Brown. Die Nachrichten, die er in dieser Zeit an Epstein geschrieben haben soll, zeigen nach Browns Einschätzung, dass er während dieser Zeit eine Karriere ausserhalb der Regierung geplant habe. «Es war ein kompletter Verrat an seinen Kollegen und an dem Job, den er ausgeübt hat, und natürlich war es auch ein Verrat am Land», sagte Brown der BBC.
Seinen Labour-Kollegen Starmer beschrieb Gordon Brown als einen integren und «ernsthaften Mann», der einen Fehler gemacht habe, dazu aber auch stehe. «Er will das Richtige tun», so der Ex-Premierminister. Jetzt sei es an der Zeit, die richtigen Konsequenzen aus dem zu ziehen, was geschehen sei.
Seinen Botschafterposten hatte Mandelson wegen des Epstein-Skandals bereits im vergangenen Jahr verloren, zuletzt trat er auch aus der Regierungspartei Labour aus und gab seinen Sitz im Oberhaus des Parlamentes ab. (sda/dpa)
