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Election Night Special by Monty Python

Schafft er morgen die Wahl? John Cleese von «Monty Python» als Kandidat der «Sensible Party» in einem Sketch der britischen Kult-Comedy-Truppe. Bild: screenshot youtube.com/monty_python

May vs. Corbyn – die 5 Fakten, die du zur Briten-Wahl heute wissen musst

Theresa May oder Jeremy Corbyn: Heute wählt Grossbritannien ein neues Parlament und entscheidet damit, wer die nächste Regierung anführt. Wir erklären dir, wie die Wahl abläuft, welcher Ausgang am wahrscheinlichsten ist und welche Rolle die Queen dabei spielt.



Warum wird überhaupt gewählt?

Weil es die amtierende Premierministerin Theresa May so will. Sie kündigte am 18. April vorgezogene Neuwahlen an. Die Legislaturperiode des jetzigen Parlaments würde eigentlich noch bis zum Sommer 2020 dauern. Da Mays Konservative im Parlament über die absolute Mehrheit verfügen, war die Premierministerin zu diesem Schritt in keiner Weise gezwungen.

Sie wollte mit dem Entscheid allerdings die Gunst der Stunde nutzen: Ihre Umfragewerte waren im April ausgesprochen günstig. 

May möchte ihre Position als Premierministerin stärken und sich mit einer deutlichen Mehrheit – derzeit beträgt sie nur vier Sitze – für die schwierigen Austrittsverhandlungen mit der EU absichern. Je grösser die Mehrheit der Tories, desto geringer der Einfluss von parteiinternen Hardlinern, so Mays Kalkül.

Bei den letzten Wahlen waren die Tories – so werden die britischen Konservativen genannt – noch mit Mays Vorgänger David Cameron angetreten. Cameron, der sich wie May für einen Verbleib in der EU ausgeprochen hatte, war nach dem Ja zum Brexit zurückgetreten.

Wie läuft die Wahl ab?

Von 7.00 Uhr bis 22.00 Uhr stehen die Wahlurnen allen volljährigen britischen Staatsbürgern offen sowie in Grossbritannien wohnhaften Bürgern Irlands und der Commonwealth-Staaten, sofern sie sich für die Wahl haben registrieren lassen. Gewählt werden alle 650 Mitglieder des House of Commons, des Unterhauses des Parlaments in Westminster. Die Wahl wird in 650 Wahlkreisen in England, Schottland, Wales und Nordirland entschieden.

A candidate's supporters parade in front of the polling station where Britain's Prime Minister David Cameron and his wife Samantha will vote in Spelsbury, England, in the general election, Thursday, May 7, 2015.  Polls have opened in Britain's national election, a contest that is expected to produce an ambiguous result, a period of frantic political horse-trading and a bout of national soul-searching.   (AP Photo/Alastair Grant)

Ein Wahllokal in England. Noch Fragen? Bild: Alastair Grant/AP/KEYSTONE

In jedem Wahlkreis ist derjenige Kandidat gewählt, der am meisten Stimmen erzielt. Bei diesem «first past the post» genannten System entspricht die Anzahl Parlamentssitze einer Partei nicht deren Stimmenanteil. So eroberten die Tories 2015 mit einem Stimmenanteil von 36,9 Prozent eine absolute Mehrheit der Sitze. Die Anti-EU-Partei UKIP hingegen gewann mit 12,7 Prozent der Stimmen bloss einen einzigen Sitz.

Wer sind die wichtigsten Kandidaten?

Amtsinhaberin Theresa May ist die Favoritin. Obwohl sie sich vor der Brexit-Kampagne gegen einen EU-Austritt ausgesprochen hatte, ist sie seither zumindest in der Öffentlichkeit auf eine kompromisslose Verhandlungslinie eingeschwenkt und propagiert einen «harten Brexit». Im Wahlprogramm der Tories heisst es dazu: «No deal is better than a bad deal». Bevor sie Premierministerin wurde, war Theresa May während sechs Jahren als Innenministerin für die Sicherheitsbehörden zuständig.

epa05629642 British Prime Minister Theresa May (R) and Jeremy Corbyn Leader of the Labour Party (L) and former British Prime Minister Sir John Major (C) during the Remembrance Sunday ceremony at the Cenotaph in London, Britain, 13 November 2016. Remembrance Day observed in Commonwealth of Nations member states since the end of the First World War to remember the members of their armed forces who have died in the line of duty.  EPA/WILL OLIVER

Werden keine besten Freunde mehr: Labour-Chef Corbyn und Regierungschefin May. Bild: WILL OLIVER/EPA/KEYSTONE

Ihr Herausforderer ist Oppositionsführer Jeremy Corbyn, der Chef der Labour Party. Er wurde nach der Wahlniederlage seiner Partei 2015 mit breiter Unterstützung insbesondere von Jungen und Gewerkschaftsmitgliedern zum Labour-Chef gewählt.

Die meisten Labour-Parlamentarier halten Corbyns pointiert linke Positionen allerdings für zu extrem. Nach der Brexit-Abstimmung warfen sie Corbyn vor, der die Politik der EU während Jahren scharf kritisiert hatte, zu wenig engagiert für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU gekämpft zu haben. Bei einer erneuten Abstimmung über den Parteivorsitz wurde Corbyn letztes Jahr mit 62 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Was sagen die Umfragen?

Als Theresa May Mitte April Neuwahlen ausrief, lagen ihre Konservativen in sämtlichen Umfragen mit  deutlichem Vorsprung von 15 und mehr Prozentpunkten vorne. Im Laufe des Wahkampfs schmolz dieser Vorsprung und Labour konnte aufholen. Ende letzter Woche sagten einzelne ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Labour und Tories voraus. Die meisten Umfrageinistitute sehen die Konservativen indes weiterhin in Führung, wie diese aus mehreren Umfragen aggregierte Übersicht der Website Britain Elects zeigt:

Übersicht Wahlumfragen Grossbritannien 2015 - 2017

Die Umfragewerte von Tories (blau) und Labour (rot) seit 2015. screenshot britainelects.com

Weil sie weder den in seiner Deulichkeit überraschenden Wahlsieg der Konservativen 2015 noch das Ja zum Brexit vorausgesagt haben, hat der Ruf der britischen Umfrageinstitute gelitten. Ausserdem macht es das Wahlsystem schwierig, Prognosen über die Sitzverteilung zu treffen.

Ein Blick auf die Quoten der Buchmacher zeigt, dass die wettverrückten Briten auf eine absolute Mehrheit für die Tories setzen. Mehr Geld gewinnt, wer auf ein «Hung Parliament», also ein Parlament ohne absolute Mehrheit für eine einzelne Partei setzt. Wer gar auf einen Labour-Sieg mit absoluter Mehrheit setzt, erhält das 16-fache seines Einsatzes zurück.

Welche Rolle spielt die Queen?

Der Queen obliegen als Staatsoberhaupt wichtige Aufgaben bei der Neubestellung von Parlament und Regierung. Sie hat nimmt allerdings keinen politischen Einfluss, sondern beschränkt sich auf eine zeremonielle Rolle. Elizabeth II war es, die auf Antrag von Theresa May hin das Parlament offiziell auflöste. Die Monarchin wird auch nach den Wahlen diejenige Person darum bitten, in ihrem Namen («Her Majesty’s Government») eine neue Regierung zu bilden, welche im Parlament über das grösste Vertrauen verfügt.

CORRECTS DATE OF THE FILE PHOTO FILE - This is a July 13, 2016  file photo of Queen Elizabeth II as she welcoming Theresa May at the start of an audience in Buckingham Palace, London, where she invited the former Home Secretary to become Prime Minister and form a new government.  May has called an early general election for June 8, 2017 to seek a strong mandate as she negotiates Britain’s exit from the European Union. In a shock announcement on Tuesday April 18, 2017, May said she would ask the House of Commons on Wednesday to back her election call.  (Dominic Lipinski/Pool, File via AP)

Die Queen empfängt Theresa May zu einer Audienz im Buckingham Palace. Bild: AP/POOL PA

Im Normalfall fällt diese Aufgabe dem Chef der wählerstärksten Partei zu. Auch bei einem «Hung Parliament» ohne klare Regierungsmehrheit wäre es nicht die Queen, welche eine Koalitionsregierung zusammenstellt. Sie würde auf Ratschlag der amtierenden Regierungschefin Theresa May einem Parlamentsmitglied den Auftrag zur Regierungsbildung erteilen.

London feiert die Queen

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • goonerch 08.06.2017 10:35
    Highlight Highlight "Von 7.00 Uhr bis 22.00 Uhr stehen die Wahlurnen allen volljährigen britischen Staatsbürgern offen sowie den Bürgern Irlands und der Commonwealth-Staaten, sofern sie sich für..."

    Irlands? Eher Nordirlands oder verstehe ich das falsch?
    • Christoph Bernet 08.06.2017 11:25
      Highlight Highlight Wurde im Text unterdessen präzisiert. In Grossbritannien lebende Bürger der Republik Irland dürfen ebenfalls wählen gehen, wenn sie sich registrieren lassen. Bei Nordirland als Teil des Vereinigten Königreichs ist der Fall klar. Danke für den Hinweis!
  • Luca Brasi 08.06.2017 09:59
    Highlight Highlight Noch zu erwähnen wäre, das Bürger der Republik Irland und der Commonwealth-Staaten sich nur dann registrieren lassen können, wenn sie in einem Wahlkreis des Vereinigten Königreichs leben. Nordiren dürfen aber auf jeden Fall wählen, auch wenn sie eigentlich keine Briten sind. ;P
    • Luca Brasi 08.06.2017 10:44
      Highlight Highlight *dass
    • Christoph Bernet 08.06.2017 11:19
      Highlight Highlight Ist ergänzt, Danke für den Hinweis!
  • Radesch 08.06.2017 09:53
    Highlight Highlight Es wird auf jeden Fall sehr gut Taktiert von Theresa May. Ob man den Brexit nun befürwortet oder nicht, ist eine andere Frage, aber jetzt Neuwahlen zu veranstalten wird entweder zu einem starken Gewinn an Sitzen für die Conservatives führen, oder aber zum Gegenteil. Die Chancen für Zweites sind relativ gering.
    • Fabio74 08.06.2017 13:01
      Highlight Highlight Nach der Entgleisung von gestern, und der Ide am Rechtsstaat und den Menschenrechten runzubasteln, enttarnt sich May als eine Niete
    • Radesch 08.06.2017 14:45
      Highlight Highlight @Fabio74

      Das empfinde ich durchaus auch so. Ich selber bin auch eher Sozialdemokratisch (links) eingestellt, kann aber trotzdem eine politisch klug taktierte Leistung loben. Oder etwa nicht?

      Das ist genau das, was uns in der Politik fehlt, Achtung und Respekt dem (politischen) Gegner gegenüber. Gerade rechte Vertreter fallen zur Zeit stark auf. Das heisst nicht, dass die Sozialdemokraten "Engelchen" sind.
    • Majoras Maske 08.06.2017 17:06
      Highlight Highlight Radesch: Ich denke auch, dass May wohl gewinnen wird, obwohl ich ihre Äusserung bezüglich Menschenrechte extrem kritisch sehe. Gleichwohl finde ich auch, dass May einen schlechten Wahlkampf gemacht hat. Sie stellte sich als einzig fähige Brexit-Verhandlerin dar und war sich dann für Fernseh-Duelle zu schade und hat ihr Wahlversprechen für die "Demenzsteuer" nach Kritik bereits abgeschwächt. Beides ist nicht gerade sehr förderlich für ihr Image als harte Leaderin und dazu geht sie bezüglich Inhalten wegen dem Brexit immer noch aus dem Weg. Sie mag sympathisch sein, aber ihre Bilanz ist dürftig.
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