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Glamour und Gespenster in Paris. Kristen Stewart in Olivier Assayas' «Personal Shopper». Bild: IFC Films

Interview

Trefft den französischen Feministen und Retter von Kristen Stewart

Dies, liebe Leute, ist vor allem ein Gespräch über Frauen. Mit dem Regisseur Olivier Assayas, der sich andauernd fragt: «Was bringen meine Filme eigentlich meinen Schauspielerinnen?»



Seit Olivier Assayas (62) «The Clouds of Sils Maria» und «Personal Shopper» mit Kristen Stewart gedreht hat, kennt man ihn auch in Amerika bestens. Letzte Woche arbeitete er am Filmfestival Locarno als Jurypräsident. Begonnen hat seine Karriere Mitte der 70er-Jahre als Bube für alles in den Londoner Pinewood Studios, dort, wo die Bond-Filme erfunden wurden. Der blutjunge Olivier musste damals vor allem Kaffee holen für die Superstars, etwa für Christopher Reeve am Dreh des ersten «Superman»-Films.

Monsieur Assayas, wie muss man sich das Leben eines französischen Regisseurs vorstellen? Wachen Sie morgens auf und denken: Wie kann ich heute eine weitere wunderschöne Schauspielerin unsterblich machen?
Ich ... ähm. Ich weiss nicht ... Ach, Sie beschreiben eine Karikatur!

Natürlich.
Wie jeder Künstler zeige ich die Welt. Aber auch eine Fantasiewelt, wie wir sie alle in uns haben. Wir leben doch alle zwischen Realität und Traum. Filmemacher noch ein bisschen mehr als andere, weil wir doch immer in Bilder übersetzen müssen, wie wir uns die Welt vorstellen.  

Kristen Stewart, right, and writer-director Olivier Assayas pose for a portrait to promote their film,

Hier sehen wir Olivier Assayas, Kristen Stewart und ein Stück des Gespensterhauses, in dem Stewart in «Personal Shopper» wohnt. Oder sowas Ähnliches. Bild: Amy Sussman/Invision/AP/Invision

In Ihren Filmen ist besonders viel Fiktion enthalten, Literatur spielt eine Rolle und das Surreale. Realismus eher weniger.
Ja sicher! Fiktion ist der Weg, das Sichtbare mit dem Unsichtbaren und unsere Erfahrung mit unserer Vorstellung zu verbinden. Fiktion ist der wichtigste Raum, um einen Film zu machen.

Für «Clouds of Sils Maria» haben Sie in der Schweiz gedreht. Welche Magie hatte die Schweiz da für Sie?
Ich liebte die Schweiz, aber ich war noch nie im Engadin. Eines Tages ging ich dort mit Freunden wandern, es war wirklich sehr banal, und ich war von der Landschaft total fasziniert: Sie hatte diese geheimnisvolle Schönheit, aber sie ist natürlich auch von der Kulturgeschichte durchzogen wie von Gespenstern.

«Clouds of Sils Maria» (2014)

Der wetterfühlige Film «Clouds of Sils Maria» (2014) also. Als Olivier Assayas mit Juliette Binoche und Kristen Stewart im Engadin weilte. Binoche spielt eine Diva, die damit hadert, dass sie jetzt reife Filmollen übernehmen muss und die Rollen ihrer jungen Jahre mit Jüngeren besetzt werden. Kristen Stewart ist ihre strenge, manchmal auch recht lustige Assistentin.

Der Trailer

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Video: YouTube/IFC Films

Etwa von Nietzsche?
Nietzsche und viele andere. Ich liebte die Vorstellung einer Landschaft voller Gespenster. Der Film, den ich damals machen wollte, drehte sich um eine Schauspielerin, die einen Text lernt. Ich hätte das auch einfach in einem Studio in Paris drehen können. Dann habe ich die Geschichte nach Sils Maria verpflanzt und plötzlich fand sie in der Landschaft und ihren Rätseln und historischen Figuren ein ganz besonderes Echo.

Im Engadin haben Sie noch etwas ganz Anderes entdeckt: die Magie von Kristen Stewart.
Ich hatte verrücktes Glück! So sehr ich Kristen damals liebte – ich halte sie für die faszinierendste, einzigartigste Schauspielerin ihrer Generation –, so wenig hatte ich eine richtige Idee von ihren Möglichkeiten. Ich gab ihr das Drehbuch, ich hatte wahnsinnig viel zu ihrer Rolle geschrieben, ich dachte, oh mein Gott, sie wird das viel zu abstrakt, abwegig und abgehoben finden und nicht verstehen.

Das ist aber nicht der Eindruck, den sie im Film vermittelt.
Sie machte daraus etwas Einfaches, Klares, Reales. Sie machte das mit ihrem Talent für Timing, Bewegung und Sprache, mit ihrem Gespür für Räumlichkeit und Leichtigkeit. Ich denke, Kristen ist dazu prädestiniert, selbst einmal eine grosse Regisseurin zu werden.

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So warben Binoche und Stewart für ihren gemeinsamen Film. Hier gehts zu ihrem Gespräch. Bild: interview.de

In Ihren Filmen spürt man ja nicht nur sehr viel Nietzsche oder Derrida, sondern ebenso viel Dior. Sie lieben die Film- und Fashionwelt, die Stars.
Das hat immer mit unserer Zwiegespaltenheit gegenüber der modernen Welt zu tun. Es gibt diese Spannung zwischen dem Materialismus unserer Welt und unserem eigenen Mitwirken an dieser Welt. Mode und Design sind für mich die Orte, an denen solche Spannungen am grössten sind. Ich finde sie interessant: Sie stellen nicht nur die Welt in Frage, sondern auch uns.

«Personal Shopper» (2016)

Der Film dazu heisst «Personal Shopper» und schon wieder spielt Kristen Stewart eine Celebrity-Assistentin. In Paris natürlich. Wo sie in übernatürliche und mörderische Aktionen verwickelt wird, halsbrecherisch Töff fährt und unheimliche SMS-Wechsel aushalten muss. Sehr toll, sehr psycho, sehr Kristen.

Der Trailer

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Video: YouTube/New Trailer Buzz

Es ist ja so: Wenn Frauen sich Ihre Filme anschauen, finden sie sich sofort in Ihren Heldinnen wieder. In deren Kraft, Trotz und Verletzlichkeit. Wir fühlen uns da sofort verstanden und aufgehoben. Kann es sein, dass Sie sich als Regisseur um eine recht weibliche Blickweise bemühen?
Absolut. Es ist für mich der einzige Weg, etwas überhaupt fassbar zu machen. Ich bin ein Feminist. Ich denke, dass alles Schlechte unserer Zeit mit verunsicherter Männlichkeit zu tun hat. Mit Machismus. Die neue Ermächtigung der Frauen ist doch der wichtigste Wandel, den wir erleben. Die Frauen definieren ihren Platz in der Gesellschaft jetzt um, und das verwandelt die ganze Welt. Für die klassische Männlichkeit ist das alles enorm bedrohlich und sie reagiert verstörend und böse. Weiblichkeit macht die Welt besser, Machismus zerstört sie. Weshalb sich viele meiner Filme auch darum drehen, wie sich Frauen selbst erfinden.

Ich weiss! Als ich sehr jung war, verliebte ich mich enorm in Maggie Cheung, die damals der Superstar des Hongkong-Kinos war. Und dann kamen Sie, drehten den Frauen-Selbsterfindungs-Film «Irma Vep» mit ihr und heirateten sie! Ich war so eifersüchtig!
Ach, die Jahre mit Maggie ... Ja, das war eine sehr wichtige Zeit in meinem Leben ...

«Irma Vep» (1996)

Darüber möchten wir gerne viel mehr hören, aber wenigstens können wir hier Maggie Cheung sehen, als «Irma Vep». Die Handlung? Maggie Cheung wird nach Paris geholt um im Remake des Stummfilms «Les Vampires» zu spielen. Der Dreh ist ein Desaster. Nachts verkleidet sich Cheung als ihre Filmfigur und raubt Reiche aus. Schliesslich reist sie nach New York, um Ridley Scott zu treffen.

Der Trailer

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Video: YouTube/Quadflix

Ich bin wirklich sehr fasziniert davon, wie Sie das machen: Damals war Maggie Cheung die wichtigste Schauspielerin Asiens, und Sie brachten sie nach Europa. Jetzt ist Kristen Stewart eine der wichtigsten Schauspielerinnen Amerikas, und Sie bringen sie nach Europa ...
Es ist doch so: Ich weiss immer genau, was eine Schauspielerin meinem Film bringt. Ihre Persönlichkeit, ihr Können, ihre Geschichte. Aber ich frage mich: Was bringt mein Film der Schauspielerin? Mit Maggie habe ich den ersten Film gedreht, in dem sie Englisch reden konnte. Maggie ist ja in Grossbritannien aufgewachsen, ihre Muttersprache ist Britisch, nach Hongkong ging sie als Teenager. Dort wurde sie zu dieser vollendeten und populären Schauspielerin, die alles konnte, Action, Komödie, Arthouse.

epa01186351 Handout picture released on 29 November 2007 shows Chinese model Maggie Cheung posing for a page of the 2008 issue of the Pirelli Calendar. The 2008 Pirelli Calendar 'Pearls of the Orient' was launched in Shanghai, China on 29 November 2007. The photos of the calendar were realized by US photographer Patrick Demarchelier.  EPA/PATRICK DEMARCHELIER NO SALES
EDITORIAL USE ONLY

Was soll man da noch sagen? Maggie Cheung, Diva. Filme mit ihr gibt es übrigens noch bis zum 22. September hier zu sehen Bild: EPA

Und wie war die erste Begegnung?
Ich weiss noch gut, ich traf sie in Hongkong in einem Hotel, sie war gut 30 Jahre alt und hatte schon über 70 Filme gedreht. Gemeinsam einen Film zu machen, hat ja auch immer mit Seelenverwandtschaft zu tun. Mit Maggie war sie sofort da. Ich hatte genau 15 Minuten Zeit, um ihr mein Drehbuch zu erklären und sie von mir zu überzeugen. Am nächsten Tag rief sie mich an und sagte zu. Und ich gab ihr mit «Irma Vep» ihre Muttersprache und ihre Kultur zurück.

Eine schöne Geschichte! Und Kristen schenkten Sie ihre Emanzipation vom «Twilight»-Dämmerlicht?
Ich hatte das Glück, der erste Regisseur zu sein, der ihr sagte: Hey, es ist okay, sich selbst zu sein! Ich erwarte nicht, dass du irgendeine Figur kreierst, ich bin nicht an deinen schauspielerischen Fähigkeiten interessiert, ich will sehen, was passiert, wenn ich dir viel Raum und Freiheit gebe. Ich will deine Meinung sehen! Heute ist sie eine gute Freundin und ich hoffe, dass wir bald unseren dritten Film zusammen drehen werden.

«Spoilern ... Wer macht sowas?! WER?!»

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Video: watson

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