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Irak

Selfie-Party im irakischen Parlament: Al-Sadr ist in die Grüne Zone gekommen, um zu bleiben

Selfie-Party im irakischen Parlament: Al-Sadr ist in die Grüne Zone gekommen, um zu bleiben

30.04.2016, 21:1901.05.2016, 09:26

Die politische Krise im Irak hat sich am Samstag gefährlich zugespitzt: Aufgebrachte Demonstranten stürmten die «Grüne Zone», das schwer gesicherte Regierungsviertel von Bagdad, und besetzten dort vorübergehend das Parlament.

Sie warfen der Regierung Korruption und Inkompetenz vor. Am Abend zogen sie sich nach und nach aus dem Parlamentsgebäude zurück. Die meisten der Demonstranten waren Gefolgsleute des einflussreichen schiitischen Geistlichen Moktada al-Sadr.

Sie brachen Teile der Zementbarrieren nieder, welche das Regierungsviertel im Zentrum Bagdads schützen. Im Parlamentsgebäude besetzten sie den Plenarsaal und einige Abgeordnetenbüros.

Selfies im Parlamentssessel 

Demonstranten fotografierten sich in den Sesseln des Sitzungssaales und skandierten Parolen gegen die Regierung und für al-Sadr. Vor dem Gebäude beschädigten Demonstranten einige Autos von Abgeordneten.

Die Sicherheitskräfte liessen die Demonstranten weitgehend gewähren, wie AFP-Reporter vor Ort berichteten. Zu Beginn der Protestaktion setzten sie vereinzelt Tränengas ein, verzichteten dann aber rasch darauf. Nach rund sechs Stunden riefen Mitglieder einer Sadr-treuen Miliz die Parlamentsbesetzer dazu auf, das Gebäude zu verlassen und nach Hause zu gehen.

Der schiitische Geistliche al-Sadr hatte am Samstagvormittag bei einem Auftritt in der heiligen Stadt Nadschaf den politischen Stillstand im Land verurteilt. Vor einigen Wochen hatte er damit gedroht, die «Grüne Zone» durch seine Anhänger stürmen zu lassen. Bei seinem Auftritt in Nadschaf sprach er dies aber nicht ausdrücklich an.

Politischer Stillstand

Das Land ist seit Monaten politisch gelähmt. Angesichts von Massenprotesten und immer lauteren Reformforderungen versucht Ministerpräsident Haidar al-Abadi seit Wochen, sein Regierungsteam durch ein neues Kabinett aus Experten zu ersetzen, die nicht nach konfessionellen oder parteilichen Kriterien ausgewählt werden.

Mehrere Parteien wollen das verhindern, weil sie dann die Kontrolle über wichtige Ministerien verlieren würden. Am Samstag war kurz vor der Parlamentserstürmung erneut eine Abstimmung über eine Regierungsumbildung im Plenum gescheitert. (sda/afp)

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