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Bagdad steuert auf grössten Massenprotest seit Sturz von Saddam zu



Auf den Strassen Bagdads demonstrieren erneut Tausende Iraker gegen die politische Elite des Landes.

Tausende Iraker sind aus Protest gegen die politische Elite des Landes am Freitag erneut auf die Strassen Bagdads gegangen. Es wurde damit gerechnet, dass es im Laufe des Tages zur grössten Anti-Regierungskundgebung seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein kommt.

Bereits in der Nacht hatten Tausende Menschen im Zentrum der Hauptstadt ausgeharrt, Tausende weitere schlossen sich ihnen am Vormittag und nach den traditionellen Freitagsgebeten an. Barrikaden wurden rund um den Tahrir-Platz errichtet. Bis zum Morgengrauen gab es Polizeikreisen zufolge 50 Verletzte.

Die Proteste begannen im Oktober. Vor allem in den vergangenen Tagen schlossen sich immer mehr Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungs- und Religionsgruppen den Demonstranten an.

Die Demonstranten beklagen die hohe Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft und Korruption im Land. Sie fordern eine Ablösung der politischen Führungskräfte, die seit 2003 den Ton angeben, aus Sicht vieler Iraker aber lediglich Marionetten entweder der USA oder des Iran sind. Für Unmut sorgt vor allem, dass viele Iraker in Armut leben, kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, Elektrizität, Bildung oder medizinischer Versorgung haben, obwohl der Staat über riesigen Ölreichtum verfügt.

Während die Kundgebungen tagsüber meist friedlich verliefen und auch Familien und ältere Menschen auf die Strassen gingen, schlugen die Proteste nach Einbruch der Dunkelheit oft in Gewalt um. Die Polizei setzte Tränengas und scharfe Munition gegen selbst ernannte «revolutionäre Jugendliche» ein.

Auch in anderen Landesteilen gingen Demonstranten trotz des harten Eingreifens der Sicherheitskräfte immer wieder auf die Strassen. Insgesamt wurden bislang 250 Menschen getötet.

Amnesty: Militärische Tränengas-Granaten eingesetzt

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International gingen die Sicherheitskräfte zuletzt mit militärischen Tränengas-Granaten, welche den Schädel durchschlagen können, gegen Demonstranten vor. Dies ziele auf eine Tötung und nicht ein Auseinandertreiben der Demonstranten ab. Die Einsatzkräfte zielten aus nächster Nähe auf Kopf und Körper von Demonstranten.

Operation «Desert Storm»

In mehreren Fällen sei der Schädel durchdrungen worden, was zu schwersten Verletzungen oder zum Tod geführt habe. Mindestens fünf Demonstranten seien durch den Einsatz dieser Tränengas-Granaten, die «bis zu zehn Mal stärker als herkömmliche Tränengaskartuschen» seien, getötet worden.

In Onlinenetzwerken zirkulierende Videos zeigen junge Männer, aus deren Augen oder Mündern Rauch quillt, nachdem sie offenbar von diesen Tränengas-Granaten getroffen wurden. Amnesty verifizierte nach eigenen Angaben einige der Videos. Die Organisation forderte die Polizei auf, den Einsatz dieser Waffen umgehend einzustellen. (aeg/sda/reu/afp)

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