«Sie schossen direkt in die Reihen der Demonstranten»: Augenzeugen berichten aus dem Iran
Im Iran kommt es seit Tagen zu Protesten gegen das autoritäre Mullah-Regime. Die Revolutionsgarde des Regimes geht gemäss Berichten brutal gegen die Demonstranten vor. BBC hat mit Augenzeugen gesprochen, die im Iran leben und bei den Demonstrationen dabei waren.
Einer der Demonstranten ist Omid. Er ist in seinen 40ern und hat in den letzten Tagen in einer kleinen Stadt im Süden des Iran gegen das Regime protestiert. Er sagt, dass die Revolutionsgarde wahllos auf die Demonstranten geschossen hätte.
Die Menschen, die auf die Strasse gehen, würden eine brutale Regierung bekämpfen, und das mit leeren Händen.
Seit mittlerweile rund zwei Wochen wehren sich die Menschen gegen das Regime. Dieses reagiert auf die Demos, indem es das Internet im ganzen Land ausschaltet. Seitdem ist die Berichterstattung aus dem Iran extrem schwierig geworden. Es gelangen kaum Informationen von aussen in den Iran, geschweige denn können die Demonstranten den Rest der Welt informieren, was in ihren Städten passiert.
Am vergangenen Donnerstag haben die bis anhin landesweit grössten Demonstrationen stattgefunden. Dies, nachdem der 1979 gestürzte Sohn des Schahs dazu aufgerufen hatte.
Eine junge Iranerin aus Teheran sagt gegenüber «BBC», dass sich dieser Protesttag wie «der Tag des Jüngsten Gerichts» angefühlt habe.
Es seien alle Strassen und selbst abgeschottete Nachbarschaften voller Protestierender gewesen. Und die Sicherheitskräfte hätten nur noch getötet, getötet und getötet.
Nach der grossen Repression hätten viele Angst bekommen, wieder nach draussen zu gehen. Teheran sei zu einem Schlachtfeld geworden. Der einzige Unterschied sei, dass in einem Krieg beide Seiten Waffen haben. In diesem Szenario habe aber nur eine Seite Waffen gehabt, die andere Seite hätte Parolen geschrieben und sei umgebracht worden.
Augenzeugen sagen gemäss «BBC» weiter, dass die Anzahl der Todesopfer, über die westlichen Medien berichten, nur einen Bruchteil der tatsächlichen Todeszahlen darstellt.
Iranische Medien berichteten, dass 100 Sicherheitskräfte getötet wurden. Zudem hätten die Demonstrierenden Moscheen und Bankgebäude in Brand gesetzt. Unabhängig können diese Informationen nicht geprüft werden. (nib)
