bild: Imago
Warum der Iran Trumps wirtschaftlichem Druck widerstehen könnte
Die US-amerikanische Seeblockade gegen den Iran dürfte die Ölproduktion des Landes in den kommenden Wochen verlangsamen, doch Analysten halten es für verfrüht, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Islamischen Republik vorherzusagen.
Nach wochenlangen Bombardierungen und Vergeltungsschlägen findet die Pattsituation nun in der Strasse von Hormus statt, durch die normalerweise fast ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports verläuft.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Eine riskante Strategie
Als Reaktion auf Teherans Blockade dieser Seeroute verhängte Washington am 13. April eine Blockade iranischer Häfen, um die Islamische Republik zu einem Kompromiss zu zwingen. Dieses riskante Manöver dürfte sich jedoch, zumindest kurzfristig, nicht auszahlen.
Saeed Laylaz, Wirtschaftsforscher und Professor an der Shahid-Beheshti-Universität in Teheran, betont:
Der Ölsektor als Druckmittel
US-Präsident Donald Trump verkündete am Dienstag, der Iran befinde sich aufgrund der Blockade in einer «finanziellen Krise» und dem Land gehe das «Cash» aus.
Sein Finanzminister Scott Bessent sagte voraus, dass die Lagerkapazitäten auf der Insel Charg, dem wichtigsten Rohöl-Exportterminal des Landes, «voll sein werden und Irans fragile Ölquellen stillgelegt werden».
Laut Jamie Ingram, Chefredakteur der Middle East Economic Survey (MEES), wird die Zeit, die Teheran noch hat, bevor seine Lagerkapazitäten erschöpft sind, eher in Wochen als in Tagen gemessen, obwohl es wahrscheinlich ist, dass der Iran seine Produktion «vor Erreichen dieses Stadiums noch leicht reduzieren wird».
Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management, geht davon aus, dass das Land «seine Speicherkapazitäten innerhalb von etwa einem Monat erreichen wird, aber es könnte bereits innerhalb von zwei Wochen gezwungen sein, einen Teil seiner Ölproduktion zu reduzieren».
Laut einer Analyse des Ölexperten Homayoun Falakshahi, die vom Unternehmen Kpler weitergegeben wurde, hat sich die iranische Rohölproduktion bereits seit Beginn des Krieges verlangsamt.
Laut Falakshahi sank die Fördermenge im März um etwa 200'000 Barrel pro Tag auf insgesamt 3,68 Millionen Barrel und wird im April voraussichtlich um weitere 420'000 Barrel pro Tag auf insgesamt 3,43 Millionen Barrel sinken. Dies spiegle «Exportstörungen und Raffinerieengpässe im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt» wider.
Und die Insel Charg «sollte keinen besonderen Engpass» für den Iran darstellen, erklärt Jamie Ingram: es handle sich nämlich um ein Exportlager, und das Öl könne auch woandershin transportiert werden.
bild: Keystone
Die Resilienz des iranischen Regimes
Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen, die auch andere Wirtschaftszweige geschädigt haben, ist der Iran sicherlich stärker von Ölexporten durch die Strasse von Hormus abhängig.
Doch das Land habe «auch während früherer Sanktionsrunden seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, massive Einbrüche der Öleinnahmen zu verkraften», betont Ingram und fügt hinzu:
Trump kündigte am Dienstag eine Verlängerung der am 8. April in Kraft getretenen Waffenruhe um zunächst zwei Wochen an, um den unter pakistanischer Schirmherrschaft geführten Gesprächen Zeit zu geben.
Teheran begrüsste die Bemühungen des pakistanischen Vermittlers, ohne sich zur Ankündigung des US-Präsidenten zu äussern. Gleichzeitig bekräftigte es, dass die Strasse von Hormus nicht geöffnet werde, solange die US-Seeblockade bestehe. Ingram schätzt:
Er geht eher davon aus, dass China stattdessen «mehr Druck auf den Iran ausüben wird, damit dieser verhandelt».
Ali Vaez von der International Crisis Group räumt ein, dass die iranische Wirtschaft, die bereits vor dem Krieg geschwächt war, nun vor einer Vielzahl von Herausforderungen steht. Er merkt jedoch an: «Die iranische Führung hat bereits gezeigt, dass sie eine hohe Toleranzschwelle besitzt, selbst angesichts des zunehmenden Drucks auf die iranische Bevölkerung.» Er schlussfolgert:
