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Warum der Iran Donald Trumps wirtschaftlichem Druck widerstehen könnte

Donald Trump entend mettre la pression à l'Iran avec son blocus, mais l'efficacité de cette approche est sujette à spéculation.
Donald Trump will mit seiner Blockade Druck auf das iranische Regime ausüben, doch die Wirksamkeit dieses Ansatzes gibt Anlass zu Spekulationen.
bild: Imago

Warum der Iran Trumps wirtschaftlichem Druck widerstehen könnte

Trotz der von Donald Trump verhängten Blockade konnte der Iran einen finanziellen Zusammenbruch abwenden. Analysten heben die Resilienz des Regimes angesichts des wirtschaftlichen Drucks hervor.
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26.04.2026, 18:3826.04.2026, 18:38
Callum PATON, Doha, katar / AFP

Die US-amerikanische Seeblockade gegen den Iran dürfte die Ölproduktion des Landes in den kommenden Wochen verlangsamen, doch Analysten halten es für verfrüht, einen wirtschaftlichen Zusammenbruch der Islamischen Republik vorherzusagen.

Nach wochenlangen Bombardierungen und Vergeltungsschlägen findet die Pattsituation nun in der Strasse von Hormus statt, durch die normalerweise fast ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports verläuft.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Eine riskante Strategie

Als Reaktion auf Teherans Blockade dieser Seeroute verhängte Washington am 13. April eine Blockade iranischer Häfen, um die Islamische Republik zu einem Kompromiss zu zwingen. Dieses riskante Manöver dürfte sich jedoch, zumindest kurzfristig, nicht auszahlen.

Saeed Laylaz, Wirtschaftsforscher und Professor an der Shahid-Beheshti-Universität in Teheran, betont:

«Wenn die Blockade länger als zwei oder drei Monate andauert, könnte sie dem Iran grösseren Schaden zufügen. Der Schaden für die Länder südlich des Persischen Golfs wird aber mit Sicherheit grösser sein.»

Der Ölsektor als Druckmittel

US-Präsident Donald Trump verkündete am Dienstag, der Iran befinde sich aufgrund der Blockade in einer «finanziellen Krise» und dem Land gehe das «Cash» aus.

Sein Finanzminister Scott Bessent sagte voraus, dass die Lagerkapazitäten auf der Insel Charg, dem wichtigsten Rohöl-Exportterminal des Landes, «voll sein werden und Irans fragile Ölquellen stillgelegt werden».

Karte: Insel Charg im Perischen Golf.
Rund 90 % der iranischen Rohölexporte werden über die Insel Charg im nordöstlichen Teil des Persischen Golfs transportiert.Bild: Shutterstock

Laut Jamie Ingram, Chefredakteur der Middle East Economic Survey (MEES), wird die Zeit, die Teheran noch hat, bevor seine Lagerkapazitäten erschöpft sind, eher in Wochen als in Tagen gemessen, obwohl es wahrscheinlich ist, dass der Iran seine Produktion «vor Erreichen dieses Stadiums noch leicht reduzieren wird».

Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst bei Global Risk Management, geht davon aus, dass das Land «seine Speicherkapazitäten innerhalb von etwa einem Monat erreichen wird, aber es könnte bereits innerhalb von zwei Wochen gezwungen sein, einen Teil seiner Ölproduktion zu reduzieren».

Laut einer Analyse des Ölexperten Homayoun Falakshahi, die vom Unternehmen Kpler weitergegeben wurde, hat sich die iranische Rohölproduktion bereits seit Beginn des Krieges verlangsamt.

Laut Falakshahi sank die Fördermenge im März um etwa 200'000 Barrel pro Tag auf insgesamt 3,68 Millionen Barrel und wird im April voraussichtlich um weitere 420'000 Barrel pro Tag auf insgesamt 3,43 Millionen Barrel sinken. Dies spiegle «Exportstörungen und Raffinerieengpässe im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt» wider.

Und die Insel Charg «sollte keinen besonderen Engpass» für den Iran darstellen, erklärt Jamie Ingram: es handle sich nämlich um ein Exportlager, und das Öl könne auch woandershin transportiert werden.

In this satellite photo from Planet Labs PBC, Iran's Kharg Island is seen on Feb. 26, 2026. (Planet Labs PBC via AP)
Iran Islands Explainer
Satellitenbild der Insel Charg, Februar 2026.
bild: Keystone

Die Resilienz des iranischen Regimes

Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen, die auch andere Wirtschaftszweige geschädigt haben, ist der Iran sicherlich stärker von Ölexporten durch die Strasse von Hormus abhängig.

Doch das Land habe «auch während früherer Sanktionsrunden seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, massive Einbrüche der Öleinnahmen zu verkraften», betont Ingram und fügt hinzu:

«Ich würde die Resilienz des Regimes in dieser Hinsicht nicht unterschätzen.»

Trump kündigte am Dienstag eine Verlängerung der am 8. April in Kraft getretenen Waffenruhe um zunächst zwei Wochen an, um den unter pakistanischer Schirmherrschaft geführten Gesprächen Zeit zu geben.

Teheran begrüsste die Bemühungen des pakistanischen Vermittlers, ohne sich zur Ankündigung des US-Präsidenten zu äussern. Gleichzeitig bekräftigte es, dass die Strasse von Hormus nicht geöffnet werde, solange die US-Seeblockade bestehe. Ingram schätzt:

«Es wird noch lange dauern, bis wirtschaftliche Schwierigkeiten den Iran zu Zugeständnissen zwingen.»

Er geht eher davon aus, dass China stattdessen «mehr Druck auf den Iran ausüben wird, damit dieser verhandelt».

Ali Vaez von der International Crisis Group räumt ein, dass die iranische Wirtschaft, die bereits vor dem Krieg geschwächt war, nun vor einer Vielzahl von Herausforderungen steht. Er merkt jedoch an: «Die iranische Führung hat bereits gezeigt, dass sie eine hohe Toleranzschwelle besitzt, selbst angesichts des zunehmenden Drucks auf die iranische Bevölkerung.» Er schlussfolgert:

«Sie gehen wahrscheinlich auch davon aus, dass ihre eigenen Bemühungen zur Einschränkung des Verkehrs in der Strasse von Hormus eine Art garantierte gegenseitige Störung darstellen.»
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