Iranische Hormus-Blockade treibt Energiepreise nach oben – die Folgen für die Schweiz
Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat eine der wichtigsten Energierouten der Welt getroffen. Als Antwort auf die amerikanischen und israelischen Angriffe hat der Iran die Strasse von Hormus geschlossen und angedroht, auf jedes Schiff zu schiessen, das passieren will.
Durch die an der schmalsten Stelle nur 38 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer wird täglich fast ein Viertel der weltweiten Ölproduktion transportiert. Täglich nehmen rund 20 Millionen Barrel Öl auf etwa 30 bis 40 grossen Tankschiffen diese Route.
Minimal vessel traffic seen in Strait of Hormuz amid reported closure
— MarineTraffic (@MarineTraffic) March 3, 2026
The latest #MarineTraffic playback shows visibly reduced transit density, alongside holding patterns, slower speeds, and vessels remaining outside the strait as operators reassess risk. pic.twitter.com/pfqk5rcbg8
Zudem laufen 20 Prozent der weltweiten Lieferungen für flüssiges Erdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) durch die Strasse von Hormus. Fast alles davon kommt aus Katar, das neben den USA der zweitgrösste LNG-Exporteur der Welt ist. Wegen iranischer Drohnenangriffe hat der staatliche Hersteller QatarEnergy die Produktion seit Beginn der Woche aber stoppen müssen, was die Lage zusätzlich verschärft. Denn Europa hatte seine LNG-Importe aus der Golfregion in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, um russisches Gas zu ersetzen.
Infolge des Kriegsausbruchs sind die Öl- und Gaspreise zu Beginn der Woche stark angestiegen. Nach einem kräftigen Anstieg am Montag legten die Preise am Dienstagmorgen erneut bis zu rund drei Prozent zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich zwischenzeitlich auf 82,05 Dollar und lag damit um 9,8 Prozent über der Vorwoche. Analysten des Energiepreis-Informationsdienstes ICIS glauben, dass der Preis in den kommenden Wochen gar über die 100-Dollar-Marke steigen könnte.
Noch extremer war der Preisanstieg beim Erdgas. Seit Beginn der Woche hat sich europäisches Erdgas mittlerweile um mehr als 80 Prozent verteuert. Noch stärker war der Gaspreis zuletzt zum Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren gestiegen. Damals waren die Notierungen an der Börse in Amsterdam zeitweise über 300 Euro je MWh gestiegen. Hinzu kommt, dass die europäischen Gasspeicher derzeit so schlecht gefüllt sind wie seit 2022 nicht mehr.
Angriffe Iran
Angriffe USA und Israel
Wegen langfristiger Beschaffungsstrategien geben die Gasversorger steigende Börsenpreise aber nicht sofort und nicht in vollem Umfang an die Endkunden weiter. Verbraucher werden damit vor extremen Preissprüngen geschützt.
Schweiz nur indirekt betroffen
In der Energieversorgung der Schweiz spielt Gas keine zentrale, aber durchaus eine wichtige Rolle. Gemäss dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL deckt Erdgas rund 15 Prozent des Energiebedarfs der Schweiz ab. Verwendet wird es hierzulande vor allem zum Heizen und Kochen – rund 300'000 Privathaushalte heizen mit Gas – sowie in Industrie und Gewerbe.
Anders sieht es in vielen anderen europäischen und asiatischen Ländern ab. In Deutschland deckt Erdgas mehr als ein Viertel des primären Energieverbrauchs ab, in Grossbritannien gar 38 Prozent. Zwar beziehen diese Länder keine nennenswerten LNG-Mengen direkt aus der Golf-Region, sie sind aber indirekt trotzdem davon abhängig.
Noch prekärer ist die Lage für die asiatischen Staaten, denn 85 Prozent der Öl- und LNG-Lieferungen durch die Strasse von Hormus gehen in den Fernen Osten. Sie suchen derzeit verzweifelt nach neuen Lieferanten und treiben so den Preis in die Höhe.
Experten sind sich einig, dass die Entwicklung der Öl- und Gaspreise sowie ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft vor allem davon abhängen, wie lange der Krieg im Nahen Osten andauern wird. Spürbare Folgen für die Wirtschaft sind vor allem dann zu erwarten, wenn der Konflikt länger anhält.
Die EU bereitet sich bereits auf mögliche Notlagen infolge des Iran-Kriegs vor. Wie die EU-Kommission von Ursula von der Leyen nach einer Sondersitzung in Brüssel am Montag mitteilte, wird infolge der Entwicklungen ein Energie-Krisenstab mit den Mitgliedstaaten einberufen. Dabei sollen Reaktionen auf die rasant steigenden Öl-, Sprit- und Gaspreise geplant werden.
