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Nach Protesten: 22-Jähriger in Iran hingerichtet

Nach Protesten: 22-Jähriger in Iran hingerichtet

24.11.2023, 10:38
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In Iran ist Aktivisten zufolge erneut ein Mann im Zusammenhang mit den Protesten rund um den Tod von Mahsa Amini hingerichtet worden. Laut der in Norwegen ansässigen kurdischen Menschenrechtsorganisation Hengaw erfolgte die Hinrichtung von Milad Sohrewand am Donnerstag in einem Gefängnis in der Stadt Hamadan im Westen des Landes.

Der Mann wurde demnach nicht über die bevorstehende Vollstreckung seines Todesurteils informiert, auch seine Familie durfte er nicht mehr sehen. Nach der Hinrichtung wurde seine Leiche der Familie nicht übergeben, eine Beerdigung wurde untersagt. Sohrewand war für die angebliche Tötung eines Offiziers der Revolutionsgarden bei einer Demonstration in der Stadt Malayer im vergangenen November zum Tode verurteilt worden. Die Justiz der Islamischen Republik ist für politisch motivierte Urteile ohne hinreichende Beweise bekannt.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sprach von einem willkürlichen Todesurteil. Bereits in der Vergangenheit hatten Menschenrechtler dem islamistischen Regime in Iran vorgeworfen, Hinrichtungen als Instrument zur Unterdrückung von Protesten und ethnischer Minderheiten zu benutzen.

Bisher wurden mit Sohrewand acht Teilnehmer an der Protestwelle hingerichtet, die der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini ausgelöst hatte. Sittenwächter hatten Amini im September 2022 wegen eines angeblich schlecht sitzenden Kopftuchs gewaltsam festgenommen. Sie fiel ins Koma und starb wenige Tage später in Polizeigewahrsam.

Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verfolgt das Regime in Teheran mit den Hinrichtungen das Ziel, «eine deutliche Botschaft an die Welt und das iranische Volk zu senden, dass sie vor nichts zurückschrecken wird, um abweichende Meinungen zu unterdrücken und zu bestrafen».

Martin Häusling, grüner Abgeordneter im Europaparlament, der nach eigenen Angaben eine politische Patenschaft für Sohrewand übernommen hatte, sprach auf der Online-Plattform X von der Ermordung eines unschuldigen jungen Menschen.

Nach Angaben der in Oslo ansässigen Gruppe Iran Human Rights wurden in Iran in diesem Jahr mindestens 680 Menschen hingerichtet, die meisten davon wegen Mordes oder Drogendelikten.

(rbu/hah/sda/afp/dpa)

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Die Gesichter des Protestes gegen das Regime in Iran
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Die Gesichter des Protestes gegen das Regime in Iran
Der Auslöser für die Proteste war der Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini. Die 22-Jährige starb wohl, weil sie ihr Kopftuch nicht so getragen hatte, wie die iranischen Mullahs und das iranische Gesetz es für Frauen vorsehen. Die genauen Umstände ihres Todes sind noch unklar. Amini wurde zu einer Ikone im Kampf für Freiheit.
quelle: keystone / abedin taherkenareh
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5 Kommentare
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GRoA -Gruppe Russland ohne Armee
23.11.2023 22:51registriert März 2022
Der absolute Horror was sich dieses Terrorregime alles leistet!
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Mondblüemli
24.11.2023 05:12registriert Oktober 2021
😭
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