Geht Trump die Geduld aus? «Kurze und schlagkräftige» Angriffswelle gegen Teheran geplant
Am Donnerstag wurde Donald Trump im Weissen Haus gefragt, ob es Fortschritte in den Friedensgesprächen mit dem Iran gäbe. Der amerikanische Präsident zögerte nicht lange, und gab seine Standard-Antwort. Er sagte: «Der Iran brennt darauf, einen Deal abzuschliessen.» Er aber werde nur in einen Frieden einwilligen, wenn garantiert sei, dass der Iran niemals eine Atomwaffe haben werde.
Bis es so weit ist, erfülle die Blockade der Strasse von Hormus ihr Ziel, die Energieexporte aus iranischen Häfen verunmöglicht. Dank der blockierten Meerenge steht das Regime in Teheran unter enormen wirtschaftlichen Druck. Und früher oder später werde es aufgeben müssen.
Und eigentlich, fügte Trump in einem TV-Interview an, hätten die USA den Krieg schon lange gewonnen. «Ich will nun einfach mit einem grösseren Vorsprung siegen.»
Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass Trump die Geduld mit Teheran verliert. Am Donnerstag bestellte er angeblich Admiral Brad Cooper im Weissen Haus ein, den Kommandeur des US-Zentralkommandos, dem die amerikanischen Streitkräfte im Nahen Osten unterstellt sind.
Cooper soll dem Präsidenten Optionen für eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen im Iran vorgestellt haben. Die Rede war von einer «kurzen und schlagkräftigen» Angriffswelle, und mögliche Luftangriffe gegen Infrastrukturziele. Diskutiert wurde angeblich auch über eine Mission in der Strasse von Hormus; dabei könnten allenfalls auch Bodentruppen zum Einsatz kommen. So jedenfalls berichtete es das Internet-Portal «Axios».
Zudem versucht die amerikanische Regierung, hinter den Kulissen eine weitere Allianz zu zimmern, die in der Meerenge patrouillieren könnte. «Maritime Freedom Construct», soll die entsprechende Mission bezeichnet werden – die einen Einsatz der britischen und französischen Streitkräfte ergänzen soll. Eine entsprechende Depesche des US-Aussenministeriums sei an verbündete Nationen verschickt worden, berichtete das «Wall Street Journal». Die Reaktion der Verbündeten ist nicht überliefert.
Benzinpreis könnte auf 5 Dollar pro Gallone steigen
Die Kampfhandlungen im Iran ruhen seit mehr als drei Wochen. Aber die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen des Krieges, der bisher 25 Milliarden Dollar gekostet hat, dauern an. So stieg der Benzinpreis in den USA diese Woche auf eine mehrjährige Rekordmarke, wobei von der neusten Preiswelle besonders die industriell geprägten Staaten Michigan und Ohio betroffen sind. Im nationalen Durchschnitt könnte die Gallone Benzin bald mehr als 5 Dollar kosten, prognostizierte am Donnerstag der Energieexperte Patrick De Haan.
Trump sagt zwar, dabei handle es sich nur um eine temporäre Entwicklung. Aber je näher die nächste Parlamentswahl im November rückt, desto schwerer wird es seiner Regierung fallen, die negativen Folgen dieser Preissteigerungen zu übertünchen.
Auch bereitet der Krieg dem Präsidenten diplomatische Kopfzerbrechen. In zwei Wochen will Trump nach China reisen, auf Einladung von Xi Jinping. Weil Peking von Energielieferungen aus dem Iran abhängig ist, hat Chinas Gastgeber bereits gefordert. dass die Strasse von Hormus wieder geöffnet werden müsse. Sollte Trump auf einer längerfristigen Blockade beharren, dann würde das bei Xi wohl auf grosses Unverständnis stossen. Und der Besuch, auf den sich Trump doch sehr freut, könnte in einem Debakel enden. (bzbasel.ch)

