Strasse von Hormus wieder zu: Trump geht mit der US-Blockade zusätzliches Risiko ein
Die Märkte reagierten frenetisch: Nach der Ankündigung des iranischen Aussenministers am Freitag, dass die Strasse von Hormus wieder geöffnet wird, fiel der Ölpreis mit 88 Dollar pro Barrel auf den tiefsten Stand seit Wochen. Optimistische Beobachter gingen bereits davon aus, dass der Konflikt damit in eine Endphase treten könnte und am Verhandlungstisch gelöst werden kann. Erste Schiffe passierten bereits wieder die Meerenge.
Dann folgte für alle Beteiligten ein Kopfschmerzen-Erwachen. US-Präsident Donald Trump gab bekannt, dass die USA ihre eigene Blockade der Strasse von Hormus nicht aufheben. Erst wenn ein finaler Friedensdeal erreicht ist, würden auch die Vereinigten Staaten ihren Segen dafür geben, dass Handelsschiffe die Passage am Golf durchqueren dürfen.
Iran schiesst wieder auf Handelsschiffe
Die US-Blockade ist der jüngste Versuch des US-Präsidenten, den Druck auf die iranische Seite weiter zu erhöhen. Denn wegen des Manövers verliert der Iran die bisherige Entscheidungsmacht darüber, welche Länder und Unternehmen durch die Strasse von Hormus fahren dürfen. Ein «Ja» der iranischen Behörden bedeutet für Länder wie China oder Pakistan nicht mehr, dass sie ihre Öltanker durchbekommen. Sie müssen nun für jedes Schiff auch noch ein «Go» der US-Regierung aushandeln.
Die gross angekündigte Hormus-Öffnung entpuppt sich damit als Ente. Faktisch fahren derzeit keine Schiffe durch den Golf, wie Daten von Schiffsmonitoring-Diensten am Samstag zeigten.
Der Iran verliert damit eine seiner wichtigsten Einnahmequellen. Entsprechend nervös reagierte die iranische Führung auf die Entwicklungen. Teheran sprach von einem Verstoss gegen die ausgehandelte Waffenruhe und griff selbst wieder in den Schiffsverkehr ein, indem die Revolutionsgarden mehrere Tanker beschossen.
Trump braucht ein schnelles Zeichen aus dem Iran
Auch rhetorisch zog der Iran die Schraube an. Im iranischen Staatsfernsehen wurde eine Stellungnahme verlesen, die direkt von Ayatollah Mojtaba Khamenei stammen soll. Irans Marine sei bereit, «dem Gegner bittere Niederlagen zuzufügen». Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte zudem, Hormus werde doch nicht geöffnet, solange die US-Blockade andauere.
Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen, die derzeit eher hinter den Kulissen laufen. Eine weitere offizielle Gesprächsrunde ist zwar im Gespräch, etwa in Islamabad nächste Woche, ein Termin steht aber bisher nicht fest. Gleichzeitig läuft Trumps jüngste Frist mit der Drohung der Zerstörung der iranischen Energieinfrastruktur bald ab. Wenn bis am kommenden Mittwoch keine Einigung steht, droht die grosse Eskalation.
Die selbstgewählte Deadline Trump ist einer der Hauptgründe, wieso der Republikaner nun alles versucht, um am Verhandlungstisch schnell eine Einigung zu finden. Die Aussenpoilitk des US-Präsidenten wird in seinen eigenen Reihen immer kritischer gesehen. Eine Resolution, welche Trumps Befugnis eingeschränkt hätte, den Iran noch einmal zu bombardieren, wurde vergangene Woche im US-Kongress nur mit einer hauchdünnen Marge von einer Stimme abgelehnt. Mit der nun geltenden US-Blockade und potenziellen Folgen geht der Präsident zusätzliches Risiko ein.
Ob die positiven Entwicklungen der Woche halten, ist unklar
An einer Pressekonferenz am Samstagmorgen gab sich Trump wie immer in den letzten Wochen betont zuversichtlich. «Sie [die Iraner] wurden ein wenig frech, wie sie es seit 47 Jahren tun», sagte er vor Reportern im Oval Office, nachdem er eine Executive Order zur Lockerung bundesweiter Beschränkungen für Psychedelika unterzeichnet hatte. «Eigentlich läuft es sehr gut, und wir werden sehen – aber wir werden bis zum Ende des Tages einige Informationen haben.»
Damit spielte er darauf an, dass er eine neue offizielle Runde von Gesprächen erwartet, die womöglich bald angekündigt wird – und eine weitere Verschiebung der Energieinfrastruktur-Drohung mit sich ziehen könnte.
Wenn eine solche noch vor der Börsenöffnung am Montag bekannt gegeben würde, wäre das ein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft, die sich seit Kriegsbeginn im Sinkflug befindet. Insbesondere für die ärmeren Länder Asiens ist die Entspannung des Ölpreises eine wichtige Nachricht, denn sie sind für das Aufrechterhalten ihrer Wirtschaft noch mehr auf günstige Ölpreise angewiesen als die meisten Länder des Westens. (aargauerzeitung.ch)
