USA in der Sackgasse: So wird Trump den Krieg kaum gewinnen
Offenbar aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung haben israelische Hermes-Drohnen diese Posten bombardiert, um dem Volk den Weg freizuschiessen. Ob dieses die Chance ergreifen möchte, erscheint angesichts der nach wie vor aktiven Basidsch ungewiss. Möglicherweise wird es aber im Gefolge des persischen Neujahrsfests am 20. März zu Demonstrationen kommen – sofern der Kriegsverlauf das begünstigt.
Der neue Revolutionsführer Modschtaba Khamenei lässt unterdessen eine Erklärung im Fernsehen verlesen, in der er mit Rache und der Eröffnung neuer Fronten droht. Damit könnten ein Kriegseintritt der Huthi-Milizen im Jemen oder aber auch Drohnenangriffe auf US-Territorium und Terroranschläge gemeint sein. Heutzutage können Flugdrohnen von Handelsschiffen auch Tausende Kilometer vom Iran entfernt gestartet und ins Ziel gesteuert werden.
Militärdiktatur unter dem Turban
Khamenei kündigte ausserdem an, die Strasse von Hormus weiter zu blockieren. Das wird es Trump erschweren, die Kriegshandlungen schnell einzustellen. Während der Iran Schiffe angreift, die mit arabischem Erdöl gefüllt sind, liessen die Amerikaner laut Angaben von Diensten, die den Verkehr im Persischen Golf verfolgen, Tanker mit knapp zwölf Millionen Fass iranischen Öls Richtung China ziehen. Das spült dem klammen Regime in Teheran schätzungsweise eine Milliarde US-Dollar in die Kasse. Was sich die amerikanischen Verantwortlichen dabei denken, ist schwer nachzuvollziehen. Teheran wird sich ins Fäustchen lachen.
Dass sich Khamenei nicht persönlich über eine Video- oder Audiobotschaft an die Iraner wendet, lässt die Gerüchte über eine Verwundung durch einen Luftangriff nicht verstummen. Das Staatsfernsehen hat den neuen Führer als «Veteran des Ramadan-Kriegs» bezeichnet. Veteranen sind Menschen, die gekämpft haben oder eben verwundet wurden, und weil der israelisch-amerikanische Angriff im muslimischen Fastenmonat erfolgt, ist es aus iranischer Warte eben der Ramadan-Krieg.
Damit bleibt die Frage offen, ob der Sohn des getöteten Revolutionsführers Ali Khamenei überhaupt handlungsfähig ist und ob die Führung der Revolutionswächter einfach Botschaften in seinem Namen diktiert.
Faktisch handelt es sich beim Regime nun um eine Dynastie, die nicht mit den ursprünglichen Anliegen der Islamischen Revolution zu vereinbaren ist. Weil der «junge» Khamenei den allmächtigen Revolutionsgarden nahesteht, kann man auch von einer Militärdiktatur unter dem Turban sprechen. Trump meinte das sicher anders, als er bei Kriegsbeginn andeutete, dass sich das iranische Volk im Nachgang zu den Luftangriffen erheben und die Regierung stürzen könnte.
Strassensperren in Teheran im Fokus
Nach zwei Wochen Krieg schwinden allerdings die Chancen, dass es rasch zu einem Umsturz kommt. Das legen auch offizielle Verlautbarungen aus Israel und der kurdischen Opposition im Westiran nahe. Nun gehen sowohl Israelis als auch Kurden davon aus, dass der Luftkrieg die Revolutionsgarden zwar enorm schwächt, der erhoffte Volksaufstand und der Regimewechsel aber auf später verschoben sind.
Das Repressionswerkzeug der Revolutionsgarden, das die regierungsfeindlichen Grossdemonstrationen im Januar blutig niedergeschlagen hat, sind die sogenannten Basidsch-Milizen. Sie haben in Teheran nun vielerorts Strassensperren errichtet, um Manifestationen im Keim zu ersticken.
Offenbar aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung haben israelische Hermes-Drohnen diese Posten bombardiert, um dem Volk den Weg freizuschiessen. Ob dieses die Chance ergreifen möchte, erscheint angesichts der nach wie vor aktiven Basidsch ungewiss. Möglicherweise wird es aber im Gefolge des persischen Neujahrsfests am 20. März zu Demonstrationen kommen – sofern der Kriegsverlauf das begünstigt.
Auch wenn Trump den Krieg schnell beenden möchte, wird das wegen der iranischen Drohungen gegen den Schiffsverkehr schwierig. Nicht umsonst haben sich die amerikanischen Luftangriffe in den letzten Tagen stark auf die Überreste der iranischen Marine und dabei besonders auf Minenleger konzentriert. Im Drohnenzeitalter spielen aber vor allem die iranischen See- und Flugdrohnen sowie Anti-Schiffs-Raketen eine grössere Rolle als klassische Überwasserschiffe.
Auf iranischer Seite wird die Strasse von Hormus von Ausläufern des Zagros-Gebirges gesäumt. Dort können die Revolutionswächter Drohnen und Raketen leicht in Felskavernen verstecken. Luftangriffe werden kaum ausreichen, um all diese Ausgangsbasen für Angriffe auf Tanker zu zerstören. Vielleicht müssen die US-Streitkräfte deshalb sogar lokal begrenzte Bodenoperationen durchführen, wenn sie die Risiken für die Schifffahrt minimieren wollen.
Weder die iranischen Kurden noch die Golfaraber sind bereit, dem erratischen Trump in den Krieg zu folgen. Die USA haben ein Problem mit ihren Verbündeten, nachdem sie die Europäer herabgewürdigt und die syrischen Kurden verraten haben. So gewinnt man keine Kriege. Es sieht so aus, als ob die Militärdiktatur unter dem Turban – wenn auch geschwächt – noch eine Weile überleben könnte. (aargauerzeitung.ch)
