«Handvoll Kids» – Aussage von Netanjahu sorgt für heftige Kritik
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die wachsende Siedlergewalt gegen Palästinenser im Westjordanland heruntergespielt. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News sagte er, für solche Vorfälle in dem besetzten Gebiet seien nur eine «Handvoll Kids» verantwortlich. Es handele sich um rund 70 Teenager aus zerstörten Familien, die gar nicht aus dem Westjordanland selbst stammten, sagte er.
«Sie machen Dinge wie das Fällen von Olivenbäumen und versuchen manchmal, ein Haus anzuzünden», sagte Netanjahu weiter. «Das kann ich nicht akzeptieren. Das ist Selbstjustiz.» Der Regierungschef sprach jedoch von einer falschen Gleichsetzung solcher Angriffe mit Terrorangriffen auf israelische Siedler und ihre Familien im Westjordanland, deren Anzahl er mit mehr als 1000 bezifferte.
Kritik von Rabbiner für Menschenrechte
Avi Dabusch, Vorsitzender der Organisation Rabbiner für Menschenrechte, schrieb in einem Post auf der Plattform X zu Netanjahus Äusserungen: «Eine dreiste Lüge und eine klare, unmittelbare Gefahr für uns alle!» Dabusch schrieb weiter: «70 Kinder» aus zerstörten Häusern «sollen in eineinhalb Monaten 360 jüdische Terrorangriffe verübt haben. Na, wirklich.»
Netanyahu on the “settler” violence in the West Bank:
— Clash Report (@clashreport) December 31, 2025
First of all, I think it’s much bloated.
When people talk about it, they’re talking about a handful of kids — about 70 teenagers, not from the West Bank, who come from broken homes.
They do things like chopping olive trees… pic.twitter.com/JhT0wTPogD
Dabusch fragte sich weiter, warum «unsere grossartige Armee und Polizei es nicht schaffen, diese ‹Kinder-Miliz› zu stoppen». Es handele sich um «eine weitere plumpe Lüge aus der Ideenschmiede unseres Ministerpräsidenten» und seines Büros.
Harter Vorwurf der Förderung jüdischen Terrors
Dabusch warf der rechtsreligiösen Regierung Netanjahus zudem vor, sie fördere und finanziere «jüdischen Terror direkt». In dem Zusammenhang nannte er den rechtsextremen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir einen «Straftäter, der wegen Unterstützung von Terrorismus verurteilt wurde und den Netanjahu mit der Aufsicht über die Polizei, die für uns alle zuständig ist, betraut hat». Ben-Gvir ist mit den Zielen der Siedlerbewegung identifiziert und setzt sich für eine Annexion des Westjordanlands ein.
Zahlreiche Siedlerangriffe im Westjordanland
Nach Angaben des UN-Nothilfebüros Ocha ist es seit Jahresbeginn zu mehr als 1700 Siedlerangriffen im Westjordanland gekommen. In diesem Jahr habe es bei Gewalt im Westjordanland insgesamt rund 240 Tote unter den Palästinensern gegeben, mindestens neun davon seien von Siedlern getötet worden.
Israelische Tote bei palästinensischen Anschlägen
Im Westjordanland kommt es immer wieder zu tödlichen Terroranschlägen von Palästinensern auf Israelis. Nach Informationen von Ocha sind seit Jahresbeginn 17 Israelis im Westjordanland getötet worden, darunter sechs Sicherheitskräfte und elf Zivilisten, sieben davon Siedler. (sda/dpa)
