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Kriegsverbrechen? Fall der getöteten palästinensischen Journalistin kommt nach Den Haag

27.05.2022, 08:4727.05.2022, 12:54

Der Fall der getöteten Journalisten Scherin Abu Akleh geht in die nächste Runde: Denn nun soll sich der Internationale Gerichtshof in den Haag (IStGH) mit der Ermordung der 51-jährigen Abu Akleh befassen.

Am 11. Mai wurde die palästinensisch-amerikanische Journalistin Scherin Abu Akleh bei einer Reportage im besetzten Westjordanland erschossen – obwohl sie deutlich als Medienschaffende gekennzeichnet war, da sie eine Presse-Weste trug. Eine Kugel traf sie im Kopf, kurz darauf verstarb sie im Spital.

Scherin Abu Akleh trug eine Presse-Weste, als sie erschossen wurde.
Scherin Abu Akleh trug eine Presse-Weste, als sie erschossen wurde.Bild: keystone

Seither wiegen die Wellen hoch, denn Abu Akleh galt als die «Stimme der Palästinenser». Sie war eine der bekanntesten Medienschaffenden im arabischen Raum. Bei ihrer Beerdigung in Jerusalem am 13. Mai kam es zum Eklat, als israelische Sicherheitsleute auf die Menge einschlugen, in der sich auch die Sargträger befanden.

Bevor Scherin Abu Akleh bestattet werden konnte, wurde ihr Leichnam in einer mehrtägigen Prozession vom Westjordanland nach Jerusalem getragen. Stets eingehüllt in eine palästinensische Flagge, 11. Mai 2022.
Bevor Scherin Abu Akleh bestattet werden konnte, wurde ihr Leichnam in einer mehrtägigen Prozession vom Westjordanland nach Jerusalem getragen. Stets eingehüllt in eine palästinensische Flagge, 11. Mai 2022.Bild: keystone
Die Prozession macht auch Halt im Al-Jazeera-Büro in Ramallah, wo ihre Kolleginnen und Kollegen um die Journalisten trauerten, 11. Mai 2022.
Die Prozession macht auch Halt im Al-Jazeera-Büro in Ramallah, wo ihre Kolleginnen und Kollegen um die Journalisten trauerten, 11. Mai 2022.Bild: keystone
Während der Beerdigung kommt es zur Eskalation zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei fällt der Sarg mit der getöteten Journalistin beinahe zu Boden, 13. Mai 2022.
Während der Beerdigung kommt es zur Eskalation zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei fällt der Sarg mit der getöteten Journalistin beinahe zu Boden, 13. Mai 2022.Bild: keystone
Die Kathedrale in Jerusalem, in der die Gedenkfeier stattfindet, 13. Mai 2022.
Die Kathedrale in Jerusalem, in der die Gedenkfeier stattfindet, 13. Mai 2022.Bild: keystone

Die Palästinenser sowie ihr Arbeitgeber Al Jazeera sind davon überzeugt, dass die Journalistin von einer israelischen Kugel getötet wurde. Recherchen der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem sowie dem Investigativ-Kollektiv Bellingcat stützen die Aussagen.

Israel weist die Vorwürfe zurück und besteht auf eine unabhängige Untersuchung: «Der beste Weg, um herauszufinden, wie die Journalistin gestorben ist, ist die Untersuchung der Kugel, die in ihrem Körper gefunden wurde, durch eine professionelle ballistische Untersuchung», erklärte eine Sprecherin der Armee. Ansonsten würden immer Zweifel bleiben.

Es gilt: Noch ist unbekannt, wer für Abu Aklehs Tod verantwortlich ist.

Im Gazastreifen wird von Studierenden eine symbolische Beerdigung inszeniert, 16. Mai 2022.
Im Gazastreifen wird von Studierenden eine symbolische Beerdigung inszeniert, 16. Mai 2022.Bild: keystone

Al Jazeera wirft Israel Kriegsverbrechen vor

Wie das Al Jazeera Media Network am Donnerstag mitteilte, wurde eine internationale Koalition gebildet, der ein Rechtsteam und internationalen Experten angehörten. Diese hätten ein «Dossier über den Mord an Abu Akleh» vorbereitet, das dem Ankläger des IGH vorgelegt werden soll.

In der Erklärung des Al Jazeera Networks heisst es, dass die Tötung oder der physische Angriff auf Journalisten, die in Kriegsgebieten oder besetzten Gebieten arbeiten, ein Kriegsverbrechen gemäss Artikel 8 der Charta des Internationalen Strafgerichtshofs darstellten.

Neben der Ermordung von Abu Akleh werde der IStGH auch die Bombardierung des Al Jazeera-Büros in Gaza im Mai 2021 untersuchen.

Chefankläger in Den Haag: Karim Ahmad Khan.
Chefankläger in Den Haag: Karim Ahmad Khan.Bild: imago

Obwohl Israel selber kein Vertragsstaat ist, kann der IStGH für den Fall Abu Akleh zuständig sein, denn die palästinensische Autonomiebehörde ist Vertragsstaat. Chefankläger in Den Haag ist der britische Muslim Karim Ahmad Khan. Dieser hat sich Israel gegenüber bisher neutral verhalten.

(yam)

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quelle: keystone / mohammed saber
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48 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jaguar57
27.05.2022 09:10registriert April 2022
Richtig so! Es kann und darf nicht sein, dass sich Israel jeder Untersuchung entzieht!
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*klippklapp*
27.05.2022 09:48registriert Dezember 2017
„Israel weist die Vorwürfe zurück und besteht auf eine unabhängige Untersuchung.“

Dieser Abschnitt ist sehr irreführend. Israel meinte nach dem Tod, dass sie eine gemeinsame Untersuchung mit den Palästinensern wollen und dass die Kugel an sie übergeben werden soll. Die Palästineser haben viel Erfahrung, wie solche „Untersuchungen“ normalerweise laufen und haben dies abgelehnt, nicht aber eine unabhängige Untersuchung…
Die Quelle bei diesem Abschnitt ist übrigens ein Witz. Beweisführung: israelische Soldaten top ausgebildet / Palästinenser wilde Terroristen, ergo müssen die P. Schuld sein…
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