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Gegen diese Strategie der Hisbollah ist Israel machtlos

Gegen diese Strategie der Hisbollah ist Israel machtlos

Die libanesische Terrororganisation Hisbollah stellt die israelische Armee offenbar vor Herausforderungen. Grund ist eine bestimmte Waffe.
11.01.2024, 09:5611.01.2024, 11:01
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Ein Artikel von
t-online

Die Terrororganisation Hisbollah nutzt in ihrem Kampf gegen Israel offenbar eine Strategie, für die die israelische Armee bislang keine Lösung gefunden hat: Die Terroristen schiessen ungewöhnlich viele Panzerabwehrraketen aus dem Südlibanon auf Wohnhäuser im Norden Israels. Das berichtet die israelische Zeitung «Haaretz». Demnach habe die israelische Armee grosse Probleme damit, diese Waffen abzufangen.

Lebanon: Hezbollah stages military drill near the border with Israel Hezbollah stages military drill in Aramta, South Lebanon, on May 21 2023. In occasion of the anniversary of Israeli withdrawal from ...
Hisbollah-Kämpfer in einem Trainingscamp in Armanta, Südlibanon. (Archivaufnahme)Bild: www.imago-images.de

Die Waffen, die eigentlich zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge entwickelt wurden, schiessen die Terroristen dem Bericht zufolge direkt auf Wohnhäuser von Zivilistinnen und Zivilisten in Israel. Sie haben zwar nur eine relativ geringe Reichweite, können dafür aber sehr präzise vom Schützen ins Ziel gelenkt werden. Die vom islamischen Regime im Iran unterstützte Hisbollah setze die Raketen sozusagen als «Scharfschützenwaffen» ein, zitiert «Haaretz» den Sicherheitsbeauftragten für die israelische Region Obergaliläa, Dotan Rochman. Doch warum gelingt es Israels Armee nicht, die Waffen abzufangen?

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«Es gibt keine Verteidigung dagegen»

Laut Rochman liegt das vor allem daran, dass Israels Raketenabwehrsystem Eisenkuppel (Iron Dome) zwar hochfliegende Raketen wie die aus dem Gazastreifen und auch Artilleriefeuer gut bekämpfen könne. Panzerabwehrraketen aber hätten eine flache Flugbahn – und gegen die ist der Iron Dome offenbar so gut wie machtlos. Mit den Präzisionswaffen, so Rochman, könne die Hisbollah den Druck aufrechterhalten, ohne jedoch den ganz grossen Krieg mit Israel zu riskieren.

Jehoschua Kalisky vom israelischen Institut für nationale Sicherheitsstudien bestätigt der Zeitung, dass die Hisbollah die Raketen gezielt gegen zivile Ziele einsetzt. «Sie werden täglich massiv gegen Zivilisten, Soldaten, Fahrzeuge, Hühnerfarmen und Häuser im Norden abgefeuert. Gegen alles, was sich bewegt oder sich nicht bewegt, und es gibt keine Verteidigung dagegen», sagte der Experte.

«Sie schiessen in unsere Fenster»

Hinzu kommt: Israel habe dem Bericht zufolge zurzeit kaum Möglichkeiten, den Bewohnern der Orte an der Grenze zum Libanon auch nur fünf Sekunden Vorwarnzeit zu geben. «Wir haben ihnen gezeigt, wie man von einem Kampfhubschrauber aus Raketen präzise in das Fenster eines Gebäudes schiessen kann, und nun schiessen sie aus einer Distanz von neun Kilometern Panzerabwehrraketen in unsere Fenster», so Rochman.

Lebanon: Hezbollah stages military drill near the border with Israel Hezbollah stages military drill in Aramta, South Lebanon, on May 21 2023. In occasion of the anniversary of Israeli withdrawal from ...
Seit Beginn des Gaza-Kriegs kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion fast täglich zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der mit der Terrororganisation Hamas verbündeten Hisbollah. (Archivaufnahme)Bild: www.imago-images.de

Bewohner der seit Wochen evakuierten grenznahen Orte in Nordisrael wie Metula, Manara oder Avivim berichten der Zeitung, dass bereits Hunderte Häuser von Geschossen aus dem Libanon getroffen oder von den Druckwellen israelischer Artillerie beschädigt worden seien. Sie hätten Angst und könnten nicht in ihre Heimatorte zurückkehren.

IDF hüllt sich in Schweigen

Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion fast täglich zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und der mit der Terrororganisation Hamas verbündeten Hisbollah, bei denen es auf beiden Seiten schon Tote gab. Sowohl im Südlibanon als auch in Israel mussten zahlreiche Menschen vor den Gefechten aus ihren Häusern fliehen.

Israel fordert für die Sicherheit seiner Bürger, dass sich die Terrororganisation Hisbollah von der Grenze zurückzieht und hat gedroht, dass es dafür auch militärische Mittel einsetzen könnte, falls diplomatische Bemühungen nicht zum Erfolg führen sollten. Bereits in den vergangenen Wochen teilte die israelische Armee (IDF) immer wieder mit, Ziele der Hisbollah im Libanon angegriffen zu haben. Sie tötete bei einem Angriff auch einen hochrangigen Kommandeur der Terrororganisation.

Zu dem Bericht von «Haaretz» gab es von der IDF zunächst keine Stellungnahme. Sie habe auf Anfrage mitgeteilt, dass sie sich dazu nicht äussern wolle. Bereits seit dem 7. Oktober steht sie in der Kritik, nicht rechtzeitig und angemessen auf den Angriff der Terrororganisation Hamas und weiterer extremistischer Gruppen auf Israel reagiert zu haben – und das, obwohl die IDF als eine der besten Streitkräfte der Welt gilt. (t-online/mam)

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Peter Vogel
11.01.2024 13:04registriert Juni 2020
Wohnhäuser entlang der Grenze mit Panzerabwehrraketen zu beschiessen wird den Terroristen aber langfristig nichts bringen. Da kommt dann einfach eine Antwort aus Israel und am Ende heulen die Araber wieder rum weil sie aufs Maul bekommen haben. Es ist seit Jahrzehnten dasselbe Spiel.
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Raketenwissenschaftler
11.01.2024 15:20registriert Januar 2023
Terror gegen die Zivilbevölkerung ist keine clevere Strategie, sondern ein Kriegsverbrechen und sollte als solches benannt werden.
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Schlaf
11.01.2024 12:43registriert Oktober 2019
Sieht danach aus, dass wenn die Hamas weg sind, sich Israel auch um die feige Bande im Libanon kümmern muss und diese ausschalten.
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Sind die USA noch eine Supermacht?
Israel und der Iran tanzen den USA auf der Nase herum.

«Don’t!» hat Joe Biden den Israeli nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober geraten. Der US-Präsident verwies dabei auf das Debakel, welche die überzogene Militäraktion der amerikanischen Truppen nach dem 11. September letztlich zu Folge hatte und riet Benjamin Netanjahu zu Mässigung. Der israelische Ministerpräsident kümmerte sich einen Deut um den Rat aus Washington und führt heute einen brutalen Krieg im Gaza-Streifen.

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