International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Lawine verschüttet Hotel in Italien ++ 3 Tote gefunden ++ über 20 Vermisste



Eine durch ein Erdbeben ausgelöste Lawine hat im mittelitalienischen Farindola ein Hotel verschüttet. Von den 27 Personen, die sich im Hotel aufgehalten hatten, konnte bisher drei tote Personen geborgen werden. Die Aussicht, Überlebende zu finden, galt als gering.

«Es sind viele Tote», erklärten die Rettungskräfte. Vier Leichen wurden am Donnerstagnachmittag geborgen. Im Inneren des Hotels «Rigopiano» im mittelitalienischen Abruzzen-Ort Farindola hatten sich 22 Gäste, darunter mindestens zwei kleine Kinder, sowie fünf Mitglieder des Personals aufgehalten.

Italienische Rettungsteams kämpften am Donnerstag gegen die Zeit, um die verschütteten Menschen zu bergen. Die Lawine war am Mittwochnachmittag nach einer Serie von Erdbeben mit einer Stärke von über 5 in der Gegend ausgelöst worden.

Die Hotelgäste sollen sich zum Unglückszeitpunkt am Mittwochnachmittag im Erdgeschoss des Gebäudes versammelt haben, um nach den Beben in der Region auf die Evakuierung zu warten. Diese verzögerte sich jedoch, weil die Zufahrtsstrassen durch meterhohen Schnee blockiert waren. Und dann kam die verheerende Lawine.

This photo taken from a video shows show piles of snow and rubble cascading down the stairway into the foyer of the hotel Rigopiano in Farindola, Italy, early Thursday, Jan. 19, 2017. A hotel in the mountainous region hit again by quakes has been covered by an avalanche, with reports of dead. Italian media say the avalanche covered the three-story hotel in the central region of Abruzzo, on Wednesday evening. (Italian Finance Police via AP)

Aufnahmen aus dem Innern des Hotels zeigen das Ausmass der Zerstörung. Bild: AP/Italian Finance Police

Zwei Personen, die sich während des Unglücks im Freien aufgehalten haben sollen, wurden laut Medien gerettet. Sie hatten am Mittwochnachmittag per SMS um Hilfe gebeten. «Hilfe, wir erfrieren!», hatte ein Überlebender geschrieben.

Video: watson.ch

Einer der beiden ist ein 38-jähriger Mann, der zum Unglückszeitpunkt zu seinem Auto gegangen war. Das rettete ihm das Leben. Seine Frau und sein Kind waren jedoch in dem Hotel.

epa05729901 A handout picture provided by rescuers shows the hotel Rigopiano after it was hit by an avalanche in Farindola (Pescara), Abruzzo region, early 19 January 2017. According to an Italian mountain rescue team, several people have been killed in an avalanche that has hit a hotel near the Gran Sasso mountain in Abruzzo region. Authorities believe that the avalanche was apparently triggered by a series of earthquakes in central Italy on 18 January.  EPA/ITALIAN MOUNTAIN RESCUE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das Hotel Rigopiano in Farindola wurde von einer Lawine zugeschüttet.  Bild: EPA/ITALIAN MOUNTAIN RESCUE

Der 38-Jährige wurde per Helikopter ins Spital der Adria-Stadt Pescara gebracht. Er war zwar schwer mitgenommen, jedoch nicht in Lebensgefahr, berichteten italienische Medien. In der Ortschaft Penne am Fusse des Gran Sasso-Massivs wurden unterdessen die Angehörigen der verschütteten Hotelgäste erwartet.

Keine Antwort auf Rufe

Das Hotel sei komplett verschüttet. «Wir rufen, doch wir bekommen keine Antwort», berichtete ein Mitglied eines der Rettungsteams, die in der Nacht auf Donnerstag nach einem stundenlangen Weg auf Skiern das Hotel erreicht hatten.

Ihre Arbeit wurde durch einen Schneesturm und anhaltende Lawinengefahr erschwert. Die Gegend wird schon seit Tagen von heftigen Schneefällen heimgesucht. Rettungswagen steckten wegen des hohen Schnees neun Kilometer vom Hotel entfernt fest.

Der Gran-Sasso-Berg (Grosser Fels) ist ein Gebirgsmassiv in den Abruzzen. Der höchste Gipfel ist der Corno Grande mit 2912 Metern. An seiner Nordseite befindet sich der südlichste Gletscher Europas, der Calderone-Gletscher. Der Gran Sasso ist für Wintersportler eine beliebte Destination.

Vier Erdstösse innerhalb weniger Stunden

Fünf Monate nach dem verheerenden Beben von Amatrice haben vier heftige Erdstösse innerhalb weniger Stunden erneut die Region in Mittelitalien getroffen. Am Mittwochabend meldeten die Behörden das erste Todesopfer. Die Leiche sei im Dorf Castel Castagna in der Provinz Teramo unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses gefunden worden, teilte der Zivilschutz mit.

Erdbebenwarten zufolge erreichten am Vormittag drei Erdstösse in kurzer Folge Stärken zwischen 5,3 und 5,7 in Tiefen zwischen sieben und 40 Kilometern. Am Nachmittag folgte ein Beben der Stärke 5,1.

Die Erschütterungen waren bis ins etwa 100 Kilometer entfernte Rom zu spüren, wo die U-Bahn evakuiert wurde. Tausende Schüler wurden nach Hause geschickt, und Museen schlossen ihre Pforten.

epa05727215 Students and teachers stand outside the Liceo art school and Belle Arti Academy after a 5.6 magnitude earthquake struck in Rome, Italy, 18 January 2017. The second earthquake that hit central Italy at 11.14 a.m. was magnitude 5.4 while the third, which struck at 11:26 a.m., was magnitude 5.3, according to initial INGV estimates. The Rome metro system and schools were evacuated.  EPA/GIUSEPPE LAMI

Schüler einer römischen Schule wurden evakuiert. Bild: EPA/ANSA

Schneemassen erschweren Hilfen

Der viele Schnee mache die Situation in der bergigen Region, die bereits im August und im Oktober von der Naturgewalt heimgesucht worden war, besonders kompliziert, sagte der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio.

Die Bürgermeister der betroffenen Orte setzten Hilferufe ab. «Der Notfall ist nicht das Erdbeben (...), sondern der Schnee», sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, laut der Nachrichtenagentur Ansa. Mehr Räumfahrzeuge und Schneefräsen seien notwendig. «Wir haben Ortsteile, die von zwei Meter hohem Schnee isoliert sind.»

«Es gibt keine Opfer, aber viele Schäden. Einige Orte sind bereits seit 48 Stunden ohne Strom», sagte der Präsident der Region Abruzzen, Luciano D'Alfonso, dem Journal des Zivilschutzes.

epa05727715 A snowplow at work along the main road covered with snow in Montereale, in Abruzzo region, central Italy, near the epicenter of new earthquakes earlier in the day, in L'Aquila, Italy, 18 January 2017. Central Italy was again hit by a serie of 3 earthquakes earlier in the day, in areas which are currently affected by heavy snowing and freezing temperatures. There were no initial reports of damage or casualties due to the quakes.  EPA/CLAUDIO LATTANZIO

Ein Traktor pflügt sich durch den Schnee in Montereale. Bild: EPA/ANSA

Der Bürgermeister der Stadt Ascoli Piceno in den Marken verlangte Hilfe des Militärs. «Hier sind Hunderte Menschen isoliert und ohne Strom», sagte Guido Castelli laut der Zeitung «La Repubblica». «Die Leute sind terrorisiert.» Er sprach von einem «monströsen Notfall».

epa05728336 Displaced people rest inside a facility in Capitignano (L'Aquila), Abruzzo region, one of the epicenters of an earthquake, central Italy, 18 January 2017. Four earthquakes shook central Italy on 18 January in a region renowned for its devastating seismic activity, according to the Italian national institute of geophysics and vulcanology (INGV).  EPA/CLAUDIO LATTANZIO

Die Bewohner von Capitignano suchen Zuflucht. Bild: EPA/ANSA

In der Berggemeinde Campotosto nahe der Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila gelang Feuerwehrmannschaften immerhin die Rettung einer Mutter und ihres Kindes aus den Trümmern ihrer Wohnung. Die beiden wurden unterkühlt mit einem Helikopter ins Spital eingeliefert. (gin/sda/apa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Lavastrahlen bis zu 200 Meter hoch: Vulkan Ätna ist Feuer und Flamme

Der Vulkan Ätna auf der italienischen Insel Sizilien hat wieder Lava gespuckt. Auf Fotos waren herabfliessende Lava bei Nacht zu sehen und eine dicke Rauchwolke, die tagsüber von der Spitze des Vulkans aufstieg.

Der Vulkan war in der Nacht zum Montag erwacht. Kurz vor Mitternacht spuckte der Ätna Lavastrahlen bis zu 200 Meter in die Höhe, wie das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie mitteilte. Bis in die frühen Morgenstunden sei immer wieder glühend heisse Lava aus dem Vulkan …

Artikel lesen
Link zum Artikel