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Italien

Venedig führt 5-Euro-Gebühr ein, um Massentourismus einzudämmen

Du willst diesen Sommer nach Venedig reisen? Dann musst du extra Eintritt bezahlen

17.04.2024, 14:4918.04.2024, 11:01
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Venedig wird zum Museum: Zwischen dem 25. April und 5. Mai müssen Tagesausflügler erstmals eine Eintrittsgebühr von 5 Euro bezahlen. Das Ticket muss online gelöst werden, Kinder unter 14 sowie Reisende, die in Venedig übernachten, sind von der Gebühr befreit. Wer ohne Ticket einreist, riskiert eine Busse zwischen 50 und 300 Euro.

Mit der Massnahme möchte die italienische Stadt den Massentourismus bändigen. In der Hochsaison besuchen an nur einem Tag mehr als 100'000 Menschen die Stadt – das sind doppelt so viele Gäste wie Einwohner.

Frau macht ein Selfie in Venedig
Wer für einen Tag nach Venedig reisen möchte, muss bald eine 5-Euro-Gebühr bezahlen.Bild: Shutterstock

Doch kann ein 5-Euro-Ticket den Massentourismus wirklich eindämmen?

Der römische Soziologe Marco D’Eramo, der sich seit langem mit dem Phänomen Tourismus auseinandersetzt, geht nicht davon aus, dass die Massnahme etwas bewirken wird. «Der Eintritt von fünf Euro ist bedeutungslos, ein Trinkgeld, das die Leute sicher nicht abschrecken wird», sagt er gegenüber SRF.

«Um Leute abzuschrecken, müsste man eine viel höhere Eintrittsgebühr verlangen. 500 Euro etwa hätten einen Effekt.»
Marco D'Eramo

Trotzdem habe die Gebühr eine ganz starke symbolische Bedeutung, denn Venedig werde damit definitiv und offiziell zum Museum, so D'Eramo. In der Stadt findet man ausser Touristinnen und Touristen kaum noch etwas. Lebensmittelgeschäfte. Coiffeurgeschäfte, Klempner und Kinos sucht man beinahe vergebens. Der Soziologe sagt: «Alles ist auf den Tourismus ausgerichtet – ein Museum eben.»

Das ist sonst noch geplant

Doch das Geld soll schlussendlich den Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekommen. Die Stadt verspricht sich mit der Gebühr Einnahmen von 13 Millionen Euro. Mit dem Betrag sollen die Müllabgaben gesenkt werden – und Umweltprojekte gefördert werden. Kritikerinnen und Kritiker sind aber skeptisch, ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht.

Die Gebühr ist nur einer von mehreren Plänen, welche die Tourismusströme eindämmen sollen. Ab dem 1. Juni dürfen Reiseführer keine Gruppen mit mehr als 25 Personen durch die Stadt führen. Zudem soll das Anhalten auf Brücken oder in engen Gassen verboten werden.

(cst)

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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scrum-half
17.04.2024 15:09registriert Oktober 2023
5 Euro ist zu wenig. Die Iseltwalder verlangen 5 Franken für die Koreaner-Brücke. Also müssten für eine ganze Stadt 50 Euro drinliegen
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Jesses Maria
17.04.2024 15:25registriert Januar 2024
Für Zürich sollte für jede getunte knatternd lärmenden Egokarre CHF 50.- verlangt werden und zwar pro Stunde!

Wetten in Zürich wär's dann an schönnen Weekends wieder ruhig?
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