International
Joe Biden

Biden warnt eindringlich bei Abschiedsrede

President Joe Biden speaks from the Oval Office of the White House as he gives his farewell address Wednesday, Jan. 15, 2025, in Washington. (Mandel Ngan/Pool via AP)
Joe Biden erachtet die Einflussnahme von Elon Musk, Mark Zuckerberg und Co. als gefährlich.Bild: keystone

«Heute bildet sich in Amerika eine Oligarchie»: Biden warnt bei Abschiedsrede

US-Präsident Joe Biden hat die Amerikaner zum Abschied aus dem Amt vor dem Aufkommen einer bedrohlichen Oligarchie im Land gewarnt.
16.01.2025, 04:3016.01.2025, 07:06
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Biden sagte in einer eindringlichen Ansprache an die Nation aus seinem Amtszimmer im Weissen Haus, Sorgen bereiteten ihm «die gefährliche Machtkonzentration in den Händen einiger weniger extrem reicher Menschen - und die gefährlichen Folgen, wenn ihr Machtmissbrauch unkontrolliert bleibt». Der Demokrat spielte damit auf den wachsenden Einfluss mehrerer Milliardäre an, die sich um seinen Nachfolger Donald Trump scharen. Trump wird am Montag vereidigt.

Warnungen vor Lügen und Profitgier

Biden nutzte seine Rede, die live im Fernsehen übertragen wurde, um seinen Landsleuten ins Gewissen zu reden. «Heute bildet sich in Amerika eine Oligarchie mit extremem Reichtum, Macht und Einfluss heraus, die buchstäblich unsere gesamte Demokratie bedroht, unsere Grundrechte, die Freiheiten und die faire Chance für jeden voranzukommen», mahnte er.

«Die Amerikaner werden mit Fehlinformationen und Desinformationen überschüttet, was den Missbrauch von Macht ermöglicht», sagte der 82-Jährige. «Die freie Presse bröckelt, Redakteure verschwinden, in den sozialen Medien werden Faktenchecks aufgegeben. Die Wahrheit wird von Lügen unterdrückt, die aus Macht- und Profitgründen verbreitet werden.» Biden forderte, soziale Plattformen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, um Kinder, Familien und die Demokratie selbst vor Machtmissbrauch zu schützen.

Die Trump-nahen Milliardäre

Biden spielte wohl unter anderem auf die schwerreichen US-Unternehmer Elon Musk, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos an, ohne die Milliardäre namentlich zu nennen. Sie sind nicht nur die reichsten Männer Amerikas, sondern der Welt - und suchen auffallend Trumps Nähe. Tesla- und SpaceX-Chef Musk hat einen besonders engen Draht zu dem Republikaner. Musk, dem auch die Plattform X gehört, weicht Trump kaum mehr von der Seite, soll dessen Regierung bei der Kürzung von Ausgaben beraten und meldet sich trotz fehlenden Mandats bei allerlei Politikthemen zu Wort.

Zuckerberg, Chef des Facebook-Konzerns Meta, leitete zuletzt mit der Abkehr vom bisherigen Moderationsmodell auf seinen sozialen Plattformen einen Kurswechsel und damit auch eine klare Annäherung an Trump und dessen Partei ein. Er folgte damit der Linie Musks, der nach der Übernahme von Twitter Einschränkungen für Äusserungen auf der Plattform weitgehend aufheben liess. Forscher und viele User werfen der umbenannten Nachfolgeplattform X vor, seither ungezügelte Hassrede zuzulassen. X weist das zurück.

Amazon-Gründer Bezos wiederum, der mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin zum Konkurrenten von Musks SpaceX werden will und dem seit einigen Jahren die «Washington Post» gehört, handelte sich vor der US-Wahl den Vorwurf ein, aus unternehmerischem Kalkül auf eine Wahlempfehlung der Redaktion für die Demokratin Kamala Harris verzichtet zu haben.

Allen drei Unternehmern wird nachgesagt, sich von der Nähe zu Trump Vorteile für ihre Firmen zu erhoffen. Musk, Zuckerberg und Bezos werden auch bei Trumps Amtseinführung am Montag in Washington erwartet.

Sorge über die Macht des Präsidenten

Biden äusserte sich auch mit Blick auf den designierten Präsidenten mahnend. Er forderte eine Klarstellung in der Verfassung dazu, dass kein Präsident immun sei vor Strafverfolgung wegen Verbrechen während der Amtszeit. «Die Macht des Präsidenten ist nicht unbegrenzt. Sie ist nicht absolut», sagte Biden.

Er bezog sich damit auf einen umstrittenen Beschluss des obersten US-Gerichtshofes. Der Supreme Court hatte im Juli mit seiner rechtskonservativen Mehrheit entschieden, dass Trump für gewisse Handlungen aus seiner ersten Amtszeit Immunität geniesst. Die historische Entscheidung kam als Folge einer Anklage gegen Trump wegen Wahlbetrugs zustande. Der künftige Präsident hat damit zwar keinen kompletten Blankoscheck für jegliches Fehlverhalten bekommen, aber gefährlichen Spielraum für seine zweite Amtszeit.

Biden wiederum beschwor in seiner Rede Demokratie und Grundrechte und rief zu deren Verteidigung auf. Er habe dem Land 50 Jahre lang gedient, sagte Biden - und schob an seine Landsleute gerichtet nach: «Jetzt seid ihr an der Reihe, Wache zu halten.»

Grosses Finale nach einem beispiellosen Wahljahr

Reden zur besten Sendezeit aus dem Oval Office sind krisenhaften Momenten und grossen Zäsuren im Land vorbehalten. Bidens Abschiedsrede war seine fünfte und letzte Ansprache dieser Art. Zuletzt hatte er sich Ende Juli von dort aus an die Nation gewandt, um über seinen dramatischen Rückzug aus dem Präsidentschaftsrennen zu sprechen. Nur wenige Tage zuvor hatte er sich damals in einer Oval-Office-Rede zum Attentat auf Trump geäussert. Es waren einschneidende Wenden in einem beispiellosen Wahljahr.

Seit seinem Rückzug aus dem Wahlkampf war Biden als «lame duck» unterwegs und arbeitete vor allem an seinem politischen Vermächtnis. Einen Mosaikstein dafür lieferte er ausgerechnet am Tag seiner grossen Abschiedsansprache: Biden verkündete eine unter anderem von den USA mit ausgehandelte Waffenruhe im Gaza-Krieg. Ob die Einigung Bestand hat, muss sich aber erst noch zeigen.

Das Weisse Haus hatte vor der Abschiedsrede auf Dutzenden Seiten eine lange Liste an politischen Erfolgen aus Bidens Amtszeit veröffentlicht. In seiner Ansprache listete auch Biden selbst einige davon auf - und argumentierte, es werde einige Zeit dauern, bis die volle Wirkung all dieser Entscheidungen zu spüren sei. Trump dürfte in den kommenden Monaten und Jahren jedoch versuchen, Bidens Vermächtnis Stück für Stück zu zerlegen. (sda/dpa)

Musk, dem auch die Plattform X gehört, weicht Trump kaum mehr von der Seite, soll die künftige Regierung bei der Kürzung von Ausgaben beraten und meldet sich trotz fehlenden Mandats bei allerlei politischen Themen öffentlich zu Wort.

Zuckerberg wiederum leitete als Chef des Facebook-Konzerns Meta zuletzt mit der Abkehr vom bisherigen Moderationsmodell auf seinen sozialen Plattformen einen Kurswechsel und damit auch eine klare Annäherung an Trump und die Republikanische Partei ein. Er folgte damit der Linie Musks, der nach der Übernahme von Twitter Einschränkungen für Äusserungen auf der Plattform weitgehend aufheben liess.

Forscher und viele User werfen der umbenannten Nachfolgeplattform X vor, seither ungezügelte Hassrede zuzulassen. X weist das zurück. Sowohl Musk wie auch Zuckerberg wird nachgesagt, sich von der Nähe zu Trump Vorteile für ihre Firmen zu erhoffen. (sda/dpa)

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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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bcZcity
16.01.2025 06:37registriert November 2016
Danke Joe.

Viele auf der Welt, aber auch in den USA, werden nie schätzen was Du eigentlich für ein guter POTUS warst. Evtl. merken es die Leute erst in den nächsten 4-8 Jahren, wenn die USA am Abgrund steht oder ein zweites Russland wurde.

Danke für 4 Jahre Normalität, bevor der Elefant wieder den Porzellanladen betritt. Und ich hoffe Du hast einige vernünftige Reps inspiriert so dass die Orange wenigstens noch etwas Wiederstand spürt und wir ggf. in 4 (Ich hoffe es) Jahren wieder einen richtigen POTUS für die Welt bekommen, Dem oder Rep!
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Der Tyromant
16.01.2025 06:55registriert März 2022
Als wäre die USA nicht schon seit Jahren eine Oligarchie.
Musk ist einfach nur nicht so diskret wie die anderen.

Alle Milliardäre nehmen Einfluss auf die Politik.
Die Millionen an Wahlkampfspenden werden nicht ohne zu erwartenden"return of invest" geleistet.
Wer was anderes glaubt ist einfach naiv.
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Maranothar
16.01.2025 07:37registriert Juni 2016
Faszinierend. In den USA merkt man am besten, dass man Reich sein muss um in die höhere Politik zu können. (Kosten Wahlkampf decken sich nicht nur mit Spenden)
Dass man das erst merkt, wenn die Reichen ohne Umweg über Wahlen und Kongresssitze in die Ämter kommen, ist ein Armutszeugnis der Gesellschaft.
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