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Julian Assange wehrt sich vor Gericht gegen Auslieferung in die USA



epa08652074 (FILE) Wikileaks co-founder Julian Assange arrives at Westminster Magistrates Court in London, Britain, 11 April 2019 (reissued 07 September 2020). WikiLeaks founder Assange was due to appear in court on 07 September 2020 over his extradition to the US, following his arrest at the Ecuadorian Embassy in London in April 2019.  EPA/STRINGER *** Local Caption *** 55897088

Hinter Gittern: Assange Bild: keystone

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich vor einem Londoner Gericht erneut gegen seine Auslieferung in die USA ausgesprochen.

Der 49-Jährige erschien der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge am Montag in dunklem Anzug und mit kurz geschnittenen Haaren im Saal des Gerichts, während sich davor mehr als 100 Demonstranten versammelten. «Sein Zustand ist schlecht», sagte Assanges Vater dem Sender Sky News. Assange sitzt seit mehr als einem Jahr im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh.

Die Anhörung zum US-Antrag auf Auslieferung des gebürtigen Australiers wurde nach monatelanger Pause wegen der Corona-Pandemie fortgesetzt und soll mehrere Wochen dauern. Die US-Justiz wirft dem 49-Jährigen vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Die Wikileaks-Enthüllungen hatten zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch amerikanische Soldaten geführt.

Seine Partnerin Stella Moris, mit der Assange zwei Söhne hat, übergab der britischen Regierung am Montag eine Online-Petition der Organisation Reporter Ohne Grenzen mit rund 80 000 Unterschriften, die die Freilassung ihres Partners fordert. Viel Kritik gab es auch daran, dass etlichen Beobachtern - darunter Parlamentarier und Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen - kurzfristig die Akkreditierung für die Online-Übertragung der Anhörung entzogen wurde. Vor Ort im Saal durften nur einige wenige Beobachter mit dabei sein. Begründet wurde das mit der Corona-Pandemie.

Sieben Jahre in der Botschaft: Der Fall Julian Assange

Die Inhaftierung Assanges sei für ein Auslieferungsverfahren unverhältnismässig und zeige «den politischen Charakter des gesamten Prozesses», erklärte die Linken-Fraktionsvize und Prozessbeobachterin Heike Hänsel. «Hier sitzt die Pressefreiheit auf der Anklagebank.» Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Montag in Berlin hingegen, die Justiz in Grossbritannien arbeite nach rechtsstaatlichen Kriterien und Standards. «Das ist auch genau der Grund, warum wir auf dieses Verfahren keinen Einfluss nehmen», so der Sprecher.

Assange war 2012 aus Angst vor einer Auslieferung an die USA in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, da er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstossen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Haft verurteilt. (aeg/sda/dpa)

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Julian Assange in der Botschaft Ecuadors festgenommen

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • kuma12 08.09.2020 06:20
    Highlight Highlight Ich habe ein Rezept, wie Trump die US-Präsidentenschaft gewinnen könnte, und zwar mit 100%iger Garantie!!

    Er sistiert oder hebt das Auslieverungsverfahren gegen Assange auf. Es dürfte ihn nicht einmal grossre Ueberwindung kosten, da die "Verbrechen" von Assange in die Obama-Zeit "begangen" wurden.....
  • BS46 07.09.2020 18:46
    Highlight Highlight Einfach armselig.

    Würde mich wundern, was passieren würde, wenn Julian Assange Geheimnisse über den russischen Geheimdienst veröffentlicht hätte und jetzt von Russland verlangt würde, ihn auszuliefern.

    Boris Johnson würde ihm wahrscheinlich höchstpersönlich eine Tapferkeitsmedaille übergeben und seinen Mut als furchtlosen Bürger loben.

    Aber er hat halt unsere Freunde verraten, das geht natürlich nicht und rechtfertigt diese Sauerei.
  • Ogden 07.09.2020 18:03
    Highlight Highlight Da Twittert Trump irgend einen Quatsch und alle Medien bringen es.
    Und dort überbringen Reporter ohne Grenzen 80'000 Unterschriften und es wird kaum berichtet.
    Danke Watson, dass Ihr das Thema Assange immer wieder aufgreift.
  • Mike Milligan 07.09.2020 17:45
    Highlight Highlight Botschaft Amerikas in Bern war heute auch occupied.
  • Vanessa_2107 07.09.2020 17:02
    Highlight Highlight Das ist wirklich unverhältnismässig, wie er ein Schwerverbrecher wäre, sitzt im Hochsicherheitstrakt...gehts noch!!! Und wie lange er schon eingeschlossen ist!! Ich war anfangs ein grosser Fan Assanges. Er war aber pro Trump und den Trumpschlamassel verdanken wir u.a. ihm.
  • MarGo 07.09.2020 16:26
    Highlight Highlight ...so gehen wir mit Helden um...
  • Andre Buchheim 07.09.2020 16:23
    Highlight Highlight Eigentlich sollte ihm ein Denkmal geschaffen werden, da er Kriegsverbrechen aufklären half.
    Solange wir zulassen, dass Menschen, die das Richtige tun im Sinne der Menschlichkeit und für den Planeten, die ihre eigenen Interessen hinter der guten Sache zurückstellen, bestraft werden, wird sich unsere Gesellschaft nie zum Guten weiterentwickeln.
  • Peter Vogel 07.09.2020 16:22
    Highlight Highlight Sehr dubios das Ganze. Hier sieht man schön dass vor dem Gesetz eben doch nicht alle gleich sind, vor allem wenn eine Regierung ihre Finger im Spiel hat. Das britische Justizsystem ist ein Witz, die Verantwortlichen gehörten selber ins Gefängnis. Wahrscheinlich sind wir in der Schweiz keinen Dreck besser und genau so korrupt.

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