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Neues im Fall Purdue Pharma: Firma beantragt Insolvenz wegen Opioid-Krise in den USA

Der Medikamentenhersteller Purdue Pharma will einen Schlussstrich unter die Opiod-Krise ziehen und bietet einen Vergleich im Wert von 10 Milliarden Dollar an. Zu diesem Zweck muss die Firma aber restrukturiert werden. Dieses Vorgehen stösst auf Kritik.

Renzo Ruf, Washington / ch media



Protesters, including Carol Lorento, center, gather outside a courthouse on Friday, Aug. 2, 2019, in Boston, where a judge was to hear arguments in Massachusetts' lawsuit against Purdue Pharma over its role in the national drug epidemic. Organizers said they wanted to continue to put pressure on the Connecticut pharmaceutical company and the Sackler family that owns it.  (AP Photo/Charles Krupa)

Ein Protest gegen Purdue Pharma vor einem Gericht in Boston, wo sich das Unternehmen wegen seiner Rolle in der nationalen Opioid- Krise verantworten musste. Bild: AP

Purdue Pharma zieht die Notbremse. In der Nacht auf Montag beantragte das Pharmaunternehmen vor Bundesgericht in New York die Insolvenz. Die Firma, die sich im Besitz der Sackler-Familie befindet und nicht an der Börse kotiert ist, sieht sich mit massiven Schadenersatzforderungen im Zusammenhang mit der Opioid-Krise konfrontiert, für die das Purdue-Schmerzmittel Oxycontin verantwortlich gemacht wird. Der freiwillige Konkurs solle dabei helfen, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen, begründete Purdue das Konkursbegehren.

Dank der forcierten Restrukturierung der Firma, die künftig als gemeinnütziges Unternehmen im Dienst der Öffentlichkeit tätig sein solle, könne Purdue einen Vergleich mit gegen 10 Milliarden Dollar alimentieren. Purdue-Verwaltungsratspräsident Steve Miller sprach auf dem Wirtschaftssender CNBC von einer «Weggabelung». Entweder ziehe Purdue nun einen Schlussstrich und helfe den Opfern der Opioid-Krise, oder das Unternehmen verbrauche sämtliche Ressourcen, um der Klageflut Herr zu werden.

Zahlreiche Justizminister fordern Nachbesserung

Angesprochen auf die Höhe des Vergleichs, sagte Miller: «Einige Leute werden nie zufrieden sein.» Da hat er sicherlich recht. Weil zu diesen «einigen Leuten» aber auch die Justizminister von ungefähr der Hälfte der 50 amerikanischen Staaten gehören, die Schadenersatzklagen gegen Purdue eingereicht haben, ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen.

Die Justizminister werfen Purdue vor, sich mit Hilfe buchhalterischer Tricks teilweise aus der Verantwortung zu stehlen. So beschuldigt Mark Herring, der demokratische Generalstaatsanwalt von Virginia, die Familie Sackler, sie habe von 2008 bis 2018 mindestens 4 Milliarden Dollar aus dem Familienunternehmen abgezogen und in Sicherheit gebracht.

FILE - This Feb. 19, 2013, file photo, shows OxyContin pills arranged for a photo at a pharmacy in Montpelier, Vt. More than 28,000 Americans died from overdosing on opiates in 2014, a record high for the nation. That’s 78 people per day, a number that doesn’t include the millions of family members, first responders and even taxpayers who feel the ripple of drug addiction in their daily lives. A rise in prescription painkillers is partially to blame: The sale of these drugs has quadrupled since 1999, and so has the number of Americans dying from an addiction to them. When prescriptions run out, people find themselves turning to the cheaper alternative heroin and, increasingly, the even more deadly drug fentanyl. (AP Photo/Toby Talbot, File)

Mit OxyContin machte das Unternehmen Purdue Pharma Milliarden-Umsätze. Bild: AP/AP

Dazu passt der Vorwurf von Herrings Parteikollegin Letitia James, die in New York als Justizministerin tätig ist. Sie wirft der Sackler-Familie vor, Geld auf ausländischen Bankkonten versteckt zu haben – und verwies am vergangenen Freitag auf entsprechende Überweisungen auf Schweizer Finanzinstitute. Ein Sprecher des angeschuldigten Mitglieds der Sackler-Familie nannte die Transaktionen «vollständig legal» und warf der Justizministerin vor, den Vergleich abschiessen zu wollen.

Die kritischen Justizminister fordern eine Nachbesserung des Vergleichs mit Purdue. Sie sind der Meinung, dass sie die besseren Karten haben – denn für Ende Oktober ist vor einem Bundesgericht in Ohio der Beginn eines Musterprozesses gegen die angeblichen Verantwortlichen der Opioid-Krise angesetzt. Der zuständige Bundesrichter Dan Polster drängt die involvierten Parteien allerdings schon lange dazu, vor Beginn des Prozesses einen Vergleich abzuschliessen. Diese Bemühungen stossen bei Klägern und Beklagten sauer auf. So wird Polster beschuldigt, er sei nicht neutral.

400 000 Todesfälle in den letzten 20 Jahren

Die Opioid-Krise in Amerika wird von den Behörden für 400 000 Todesfälle in den letzten zwanzig Jahren verantwortlich gemacht. Anfänglich waren Schmerzmittel wie Oxycontin einer der Treiber der Epidemie – auch weil Purdue den Vorwurf zurückwies, das Medikament mache abhängig. Später sahen sich Opioid-Süchtige dazu gezwungen, auf illegale Drogen wie Heroin umzusatteln. Heute sind es primär synthetische Drogen wie Fentanyl, die für Überdosen verantwortlich gemacht werden.

Die Zahl der Todesfälle, die auf den missbräuchlichen Konsum von Schmerzmitteln zurückzuführen ist, hat sich auf einem hohen Niveau stabilisiert. Gegen die Hersteller dieser verschreibungspflichtigen Medikamente, aber auch gegen Firmen, die für den Vertrieb und Verkauf von Schmerzmitteln verantwortlich waren, sind vor Bundesgericht in Ohio rund 2600 Sammelklagen hängig. (mim/aargauerzeitung.ch)

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 17.09.2019 08:36
    Highlight Highlight Zum Glück haben die Sacklers noch genügend Geld zur Seite geschafft vorher...

    /s
  • michiOW 17.09.2019 07:25
    Highlight Highlight Ist keine Schweizer Firma involviert?🤔
    • -xoop- 17.09.2019 11:01
      Highlight Highlight Familie Sackler wollte Geld in der Schweiz verstecken. Das ist gerade aktuell.
    • michiOW 17.09.2019 11:55
      Highlight Highlight Ich meine Pharma Unternehmen.
  • Gawayn 17.09.2019 06:31
    Highlight Highlight Das ist nur eine der vielen Verbrecherfirmen.

    In den 80er Jahren wurden in der Zigaretten Industrie die Tabakblätter nach vearbeitet, um den Suchteffekt noch weiter zu steigern.

    Auf deren Konto fallen Millionen Krebstote.

    Das Schmerzmittel Kontargan, hat über Jahrzehnte, zu massivsten Fehlentwicklungen bei Schwangerschaften Geführt.

    Man könnte eine Liste führen.

    Von Baufirmen mit bewussten Mängeln, betrügerischem Nutzen von Steuergeldern usw...

    Gibt noch VIELE Firmen denen man den Prozess machen könnte...
    • Magd 17.09.2019 08:19
      Highlight Highlight Und dann bekommen sie wie Valeant hohe Bussen, in diesem Falle für massiv zu teuere Medikamente und werden vom Gericht gezwungen, die Preise zu senken. Blöderweise aber erst nach dem bezahlen der Mia Busse - sonst könnte die Firma diese nicht bezahlen. Also - eigentlich wir dummen Bürger, welche die zu teuren Medis kaufen, damit die Betrüger Firma die Busse ohne insolvenz bezahlen kann. Irre. Pharmafia.
    • Dr. Zoidberg 17.09.2019 12:16
      Highlight Highlight contergan wurde genau 4 jahre rezeptfrei vertrieben und man hat die missbildungen anfangs auch nicht mit contergan in verbindung gebracht. 1961 wurde es wegen der dann bekanntgewordenen nebenwirkungen rezeptpflichtig.

      bei contergan hat niemand studien unterdrückt und es wurden keine ärzte bestochen, um den verkauf anzukurbeln. insofern ist das ein ziemlich schlechtes beispiel.
    • Gawayn 17.09.2019 15:41
      Highlight Highlight @Zoidberg
      Erzähl das den Opfern und deren Familien.
      Die Firma, kam nie vor Gericht.
      Den Opfern wurde nicht geholfen.
      Auch halte ich es für unmöglich, das wirklich niemand die Gefahren kannte.

      Das ist de Facto eine mindestens genauso große Sauerei!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gulasch 17.09.2019 06:18
    Highlight Highlight Wie ist eigentlich die Situation in der Schweiz betreffend Opioiden?
    • Dr. Zoidberg 17.09.2019 12:58
      Highlight Highlight der opoidvebrauch in ch hat sich in den letzten 25 jahren etwa verzehnfacht. allerdings ist es der schweiz nicht üblich, dass dir dein arzt wegen zahnschmerzen tramadol oder oxycontin in der 100er-packung mit nach hause gibt (was in trumpland völlig normal ist). dazu kommt, dass in der schweiz patienten, die starke schmerzmittel nehmen, üblicherweise ärztlich kontrolliert werden. und schliesslich: schmerzmittel sind in der schweiz erheblich billiger als in god's own country, oxycontin zb kostet ca. 20% des us-preises, daher steigen weniger patientin auf heroin um.

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