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Schwulen-Hasser oder Häftling: Wer darf Brasiliens Präsident werden?

Der Ex-Präsident Brasiliens will noch einmal ins höchste Staatsamt einsteigen – im Moment sitzt er allerdings im Gefängnis. Wenn er bei der Wahl im Oktober nicht antreten kann, dürfte es ein Hauen und Stechen um die Stimmen des beliebtesten Politikers des Landes geben.



Brasiliens beliebtester Politiker sitzt hinter Gittern. Wegen Korruption verbüsst der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2010) eine zwölfjährige Freiheitsstrafe. In der Polizeipräfektur von Curitiba empfängt er aber seine Gefolgsleute; er schreibt und kommentiert das politische Geschehen. Lula will noch einmal Präsident werden – so richtig eingreifen kann der prominenteste Häftling des Landes in den Wahlkampf aber nicht.

FILE - In this April 5, 2018 file photo, Brazil's former President Luiz Inacio Lula da Silva waves to supporters, in Sao Bernardo do Campo, Brazil. The Workers’ Party presidential candidate, universally known as Lula,  continues to be in the spotlight despite his three months behind bars. Analysts say his public profile is part of a risky strategy to attract attention and voters to his Workers' Party, even if the ex-president himself is not ultimately on the ballot.  (AP Photo/Nelson Antoine, File)

Luiz Inácio Lula winkt am 5 April 2018 seinen Anhängern zu.  Bild: AP/AP

«Weil alle Umfragen zeigen, dass ich die Wahl im Oktober leicht gewinnen würde, versucht die extreme Rechte in Brasilien, mich aus dem Rennen zu nehmen», schrieb der Ex-Präsident in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag in der «New York Times». «Wenn sie mich schlagen wollen, sollen sie es bei den Wahlen tun.»

Trotz allem wird seine linke Arbeiterpartei (PT) Lula am heutigen Mittwoch offiziell als Kandidat registrieren lassen. Eine ganze Reihe linker Gruppen will die Bewerbung mit Grossdemonstrationen unterstützen. «Wir werden politisch und juristisch für diese Kandidatur kämpfen», kündigte Parteichefin Gleisi Hoffmann an.

Brasiliens Ex-Präsident Lula da Silva soll ins Gefängnis

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Video: srf

Gute Sozialpolitik

Gerade unter einfachen Leuten geniesst der «Präsident der Armen» noch immer enormen Rückhalt. Er holte Millionen Brasilianer mit dem Programm «Fome Zero» (Null Hunger) aus der extremen Armut, stellte sich aber auch mit den Unternehmern gut.

Wegen seiner Haftstrafe ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Lula tatsächlich antreten darf. Ausgerechnet ein von ihm selbst eingebrachtes Gesetz verbietet die Kandidatur von Vorbestraften. Das Oberste Wahlgericht muss bis zum 17. September eine Entscheidung treffen.

Workers' Party candidate for vice president Fernando Haddad speaks during a press conference in Sao Paulo, Brazil, Tuesday, Aug. 7, 2018. Former Sao Paulo Mayor Haddad will replace jailed former President Luiz Inacio Lula da Silva if electoral justice bars him to run. (AP Photo/Andre Penner)

Fernando Haddad. Bild: AP/AP

Lulas Kandidatur ist der grosse Unsicherheitsfaktor bei der Wahl am 7. Oktober. Mit rund 30 Prozent in den jüngsten Umfragen ist er der mit Abstand beliebteste Bewerber. Kann er nicht antreten, dürfte ein Hauen und Stechen um die Stimmen seiner Anhänger beginnen. Zwar könnte sein Vizekandidat Fernando Haddad sicherlich von Lulas Popularität profitieren – ob wirklich alle Lula-Fans für die Kopie stimmen, wenn das Original nicht auf dem Wahlzettel steht, ist allerdings fraglich.

Häftlinge in Sao Paulo nehmen Wärter als Geiseln

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Video: srf

Manaus – 56 Tote bei Gefängnisrevolte

«Trump Brasiliens»

Zweitplatzierter in den Umfragen ist der ultrarechte Ex-Fallschirmjäger Jair Bolsonaro, der gegen Homosexuelle und Minderheiten hetzt und die Militärdiktatur (1964-1985) verherrlicht. Der «Trump Brasiliens» schockiert immer wieder mit Entgleisungen. Einer Politikerin bescheinigte er einmal, sie habe es nicht verdient, vergewaltigt zu werden, «weil sie sehr hässlich ist».

epa06709508 Presidential far-right pre-candidate Jair Bolsonaro (C) meets members of the military in Sao Paulo, Brazil, 03 May 2018. Brazil will hold general elections on 07 October 2018.  EPA/Sebastiao Moreira

Jair Bolsonaro geniesst eine zweifelhaften Ruf.  Bild: EPA/EFE

Ins Rennen geht auch die frühere Umweltministerin Marina Silva. Die evangelikale Christin aus einfachen Verhältnissen gilt vielen als Hoffnungsträgerin. Analysten bezweifeln jedoch, dass die farbige Politikerin sich in einer Stichwahl gegen den Widerstand der mächtigen Eliten durchsetzen könnte.

Brazil's Presidential candidate and former Environment Minister Marina Silva, gestures during the National Convention of the Sustainability Network Party, in Brasilia, Brazil, Saturday, Aug. 4, 2018. (AP Photo/Eraldo Peres)

Ex-Umweltministerin Marina Silva Bild: AP/AP

Ganz Brasilien steckt in einer schweren Krise. Vor einigen Jahren galt die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas noch als aufstrebende Regionalmacht – heutzutage ist das Land ein Sorgenkind. Durch die jüngsten Korruptionsskandale ist fast die gesamte politische Klasse des Landes diskreditiert. Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Die Olympischen Spiele und die Fussballweltmeisterschaft sorgten nicht für den erhofften Aufschwung. Und die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • TC_94 15.08.2018 18:58
    Highlight Highlight Acherje..
    Wenn man wüsste wieviele Homosexuelle wie ich, Bolsonaro unterstützen und wie homophob Lula war/ist .. Wen man wüsste was dort überhaupt abgeht..
    Ja, Bolsonaro hatte schon mal eine andere Meinung über die Homosexualität, aber ich habe ja nicht vor mit ihm ins Bett zu geheb... Also ist mir egal ob er meine Sexualität mag oder nicht.

    Er ist nicht die beste Wahl, aber von allen, mit Abstand der Beste Konkurrent. Bin von seinem Regierugsprogramm begeistert.

    Brasilien erträgt keine weitete linke Regierung mehr. Ich tendiere NOVO zu wählen, aber noch ist sehr sehr unbeliebt.
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 15.08.2018 17:43
    Highlight Highlight Militärs sind keine Politiker, die erwarten das Regierung und Bevölkerung absolut gehorchen wie Soldaten.
    Man gebe Mir ein Beispiel wo ein Berufsmilitär oder eine Militärregierung nicht zum Autokraten wurde?
  • CASSIO 15.08.2018 12:39
    Highlight Highlight beide sind keine option! ich muss wohl die sache in die hand nehmen...
  • Bits_and_More 15.08.2018 11:02
    Highlight Highlight Jair Bolsonaro hätte es auch lieber, dass sein Sohn einen tödlichen Unfall hat, als das er homosexuell ist.
    Aber gemäss ihm kann das nicht passieren, das sein Sohn gut erzogen ist. Dank dieser Erziehung kann er gar nicht Schwul sein oder auch keine Afrobrasilianerin heiraten.

    Liebe Brasilianer, so einen dürft ihr einfach nicht unterstützen!
  • elias776 15.08.2018 07:42
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