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Das sind die letzten Aufnahmen von Tatiane Spitzner. 
Das sind die letzten Aufnahmen von Tatiane Spitzner. 
Bild: screenshot youtube/Tribuna do Paraná

Mann prügelt seine Frau zu Tode – dieses Video schockt Brasilien

09.08.2018, 06:1909.08.2018, 10:20

Es sind grausame Szenen, die von Sicherheitskameras in Brasilien aufgenommen wurden. Ein Mann schlägt und tritt in einer Garage immer wieder auf seine Frau ein. Sie versucht zu fliehen, doch er zwingt sie, in den Aufzug zu steigen. Dort geht die Tortur weiter. Es sind die letzten Bilder von Tatiane Spitzner.

Weniger als 20 Minuten später taucht Luís Felipe Manvailer wieder vor den Kameras auf – und zwar alleine. Er trägt den blutüberströmten, leblosen Körper seiner Frau vor dem Wohnhaus weg. Sie sei vom Balkon gesprungen, wird er bei der Vernehmung zu Protokoll geben. Selbstmord. Später ist noch zu sehen, wie er Blutflecken an den Wänden des Lifts beseitigen. 

Das Video der Sicherheitskamera

Nicht zu sehen ist der Kampf, der sich in der Wohnung abspielte. Während 15 Minuten hörten die Nachbarn die Hilfeschreie der Frau, bevor sie für immer verstummte.  

Luís Felipe Manvailer wurde nach der Tat am 22. Juli umgehend verhaftet. Er wird sich vor Gericht wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten müssen.*

Landesweite Empörung

Die Aufnahmen wurden in der beliebten Fernsehsendung «Fantástico» ausgestrahlt. Sie lösten eine landesweite Debatte über häusliche Gewalt aus. In Brasilien ist rund jede dritte Frau davon betroffen. In mehr als 50 Prozent der Fälle sind die Täter aktuelle oder ehemalige Partner, wie The New York Times schreibt.

Maria Laura Canineu von Human Rights Watch in Brasilien kommentierte, dass diese Aufnahmen die Realität wiederspiegeln. Brasilien müsse «lernen, dass die meisten dieser Fälle vermeidbar sind». Es komme selten vor, dass beim ersten Streit ein Mord geschehe.

Meist fange es mit verbalen Streitigkeiten an. Das Ausmass an Gewalt nehme erst allmählich zu. Und genau hier müsse man früh eingreifen. Übergriffe werden aber nicht, oder nur sehr selten, gemeldet. 

Der Mord an Tatiane Spitzner bestätigt Canineus Aussagen. Ermittlungen ergaben nämlich, dass der Täter vorher nie aktenkundig in Erscheinung getreten war. Jedoch berichte eine Freundin, dass die Getötete oft Blutergüsse an den Armen hatte. Zudem soll sie ihr per WhatsApp offenbart haben, dass ihr Ehemann sie «zu Tode hasse», wie The New York Times weiter schreibt. Nie aber habe sie eine Anzeige eingereicht.

«In Brazil, we have a very good law. The problem is that it’s not being implemented.»
«Wir haben gute Gesetze in Brasilien. Das Problem ist aber, dass diese nicht umgesetzt werden.»
Maria Laura Canineu, Human Rights Watch

Studentin wird in Paris auf offener Strasse geschlagen

Video: watson/Angelina Graf

Nur ein Viertel der betroffenen Frauen wendet sich an die Polizei. Stigmatisierung, wirtschaftliche Abhängigkeit oder Sorge um die eigenen Kinder nennt Maria Laura Canineu als mögliche Gründe. Hauptsächlich sind die Bürger der Überzeugung, dass der Staat nichts unternehmen werde. Und es sei tatsächlich so, dass Täter von häuslicher Gewalt oft keine Konsequenzen fürchten müssen.

Der Polizei mangelt es an Ausbildung und Ressourcen, wird Canineu von The New York Times weiter zitiert. Opfer werden  zwar auch ermutigt, sich zu speziellen Polizeistationen für Frauen zu begeben. Leider gebe es davon aber nur sehr wenige und diese haben sehr eingeschränkte Öffnungszeiten.

Und es komme auch vor, dass Frauen von der Polizei nicht ernst genommen werden. Das zeigt der Fall von einer 24-jährigen Putzfrau. Als sie die Todesdrohungen ihres Ex-Freundes meldete, wurde sie ausgelacht und verspottet. 

Im weltweiten Vergleich weist Brasilien mit 4,4 Morden auf 100'000 Frauen die siebthöchste Frauenmordrate auf. Diejenige der USA ist nur halb so hoch. 

Weckruf auf Social Media

Die Schwester der Verstorbenen hat auf Instagram eine Seite namens «TodosPorTatiane» eingerichtet. Darauf warnt sie: «Gewalt hinterlässt Spuren. Sie zu ignorieren führt zu Femizid». Insgesamt folgen ihr mehr als 112'000 Menschen.

Nachdem der schreckliche Vorfall im Fernsehen gezeigt wurde, verbreiteten sich grosses Entsetzten und Betroffenheit über Twitter. Unter dem Hashtag #metaAcolher forderten aufgebrachte Brasilianer die Leute auf, bei häuslicher Gewalt die Augen nicht zu verschliessen. Die Debatte hat sich mittlerweile weit über die Landesgrenze ausgeweitet. (vom)

* In einer früheren Version des Artikels stand, dass dem Ehemann nur 5 Jahre Gefängnis drohen. Das war nicht korrekt. 

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Video: srf
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