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Kolumbiens Militär tötete mehr als 6000 Zivilisten – und versuchte es zu vertuschen

19.02.2021, 09:0519.02.2021, 15:05
Kolumbiens Militär am Pranger.
Kolumbiens Militär am Pranger.Bild: keystone

Das kolumbianische Militär hat zwischen 2002 und 2008 mindestens 6402 Zivilisten getötet und als feindliche Guerillakämpfer ausgegeben. Dies geht aus einer Mitteilung der Sonderjustiz für den Frieden (JEP) hervor, die Verbrechen der am Konflikt in Kolumbien beteiligten Parteien aufarbeiten soll. Örtlichen Medien zufolge ist die in dem am Donnerstag (Ortszeit) vorgelegten Bericht genannte Zahl rund dreimal höher als die ursprünglich von der Generalstaatsanwaltschaft angegebene.

Diese hatte zwischen 1988 und 2014 nur 2248 solcher Opfer registriert, wie die Zeitung «El Espectador» berichtete. Die Sonderjustiz machte den Zeitraum von 2002 bis 2008 unter der Regierung des damaligen Präsidenten Álvaro Uribe als den mit den meisten Fällen (78 Prozent) dieser «falsos positivos» aus: Soldaten ermordeten Zivilisten und gaben sie als Guerilla-Kämpfer aus, um Quoten zu erfüllen und Prämien zu bekommen. Hardliner Uribe verteidigte dennoch seine Sicherheitspolitik in dem südamerikanischen Land.

Kolumbien litt über 50 Jahre unter einem bewaffneten Konflikt zwischen Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs. Während des Bürgerkriegs kamen mehr als 200'000 Menschen ums Leben, Millionen wurden innerhalb Kolumbiens vertrieben. Die grösste Rebellen-Organisation Farc schloss 2016 einen Friedensvertrag mit der Regierung von Uribes Nachfolger Juan Manuel Santos und legte die Waffen nieder. In dem Vertrag wurde auch eine besondere Gerichtsbarkeit (JEP) vereinbart. (aeg/sda/dpa)

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Proteste in Kolumbien

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Proteste in Kolumbien
quelle: epa / mauricio duenas castaneda
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Kolumbien: Kampf dem Drogenkrieg - mit Kaffee gegen Koka

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24 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insert_brain_here
19.02.2021 10:26registriert Oktober 2019
Proudly financed by Uncle Sam, was sind schon ein paar hunderttausend Tote Zivilisten wenn es um den Kampf gegen Drogen und den bösen Kommunismus geht.
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Coffeetime ☕
19.02.2021 11:49registriert Dezember 2018
50 Jahre Krieg, mehr als ein halbes Menschenleben. Das sind nicht 1-2 Monate Lockdown, Shutdown oder was auch immer. 50 Jahre. Die Kinder, welche in dieser Zeit in bestimmten Regionen Kolumbiens geboren wurden haben als Vorbild Krieg und Guerilla bekommen. Angst und Schrecken als normal Zustand... und darf eingesetzt werden, um das zu bekommen, was man will, egal ob rechtes Paramilitär oder linke Guerilla oder das Militär. Der Weg ist noch lang und steinig. Viel Kraft an die, die an die Demokratie glauben und sich dafür einsetzen. 5 mio Tote sind viel zu viele.
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Hartgeldstricher
19.02.2021 09:54registriert April 2019
Waren die USA nicht Berater der Kolumbianer? Haben ihnen wahrscheinlich gesagt, dass das schon in Vietnam super funktioniert hat mit den Body Counts...
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