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Nahost-Ticker: Irans Justizchef fordert Vergeltung

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Irans Justizchef fordert Vergeltung +++ Regime mobilisiert Anhänger

Die wichtigsten Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten in der Übersicht, fortlaufend aktualisiert.
12.01.2026, 05:0812.01.2026, 12:24
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13:27
Iran wirft USA und Israel Einflussnahme auf Proteste vor
Die iranische Regierung hat ihren Erzfeinden Israel und den USA eine Einmischung in die landesweiten Demonstrationen vorgeworfen. «Wir sehen uns einem terroristischen Krieg seitens der Feinde der iranischen Nation gegenüber», sagte der Sprecher der Parlamentskommission für Nationale Sicherheit und Aussenpolitik, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete. Er sprach von einer Einflussnahme der beiden Länder und sagte, dass dafür «offene sowie verdeckte Belege» existierten.

Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iranerinnen und Iraner gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben sich inzwischen zu einem landesweiten Aufstand entwickelt. In den Städten kam es zu heftigen Ausschreitungen und schweren Unruhen. Der Sicherheitsapparat reagiert mit brutaler Härte. Hunderte Demonstranten sind nach Angaben von Aktivisten bereits getötet worden. Es sind die schwersten Proteste im Iran seit Jahren. (sda/dpa)
10:25
Justizchef fordert Vergeltung
Irans Justizchef hat Vergeltung für bei den Protesten getötete Sicherheitskräfte und Polizisten gefordert.

«Es sollen entschlossene und wirksame Massnahmen zur Vergeltung für die getöteten Märtyrer und Opfer der jüngsten Unruhen ergriffen werden», sagte Gholam-Hossein Mohseni-Edschehi dem staatlichen Rundfunk zufolge. Wer Polizeikräfte angegriffen oder Einrichtungen der Sicherheitskräfte und städtische Infrastruktur attackiert habe, müsse vorrangig vor Gericht gestellt werden, sagte er.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Justiz «maximale Härte» im Umgang mit Demonstranten angekündigt. Bei früheren Protestwellen verhängte sie auch Todesurteile. Im Herbst 2022 gingen unter dem Motto «Frau, Leben, Freiheit» landesweit Menschen auf die Strasse. Im Zusammenhang mit den Protesten liess der Staat anschliessend mindestens zwölf Personen hinrichten. (sda/dpa)
10:18
Regime mobilisiert Anhänger
Irans Regime hat als Reaktion auf die systemkritischen Massenproteste seine eigenen Anhänger mobilisiert.


Der englischsprachige Regime-Propagandasender Press TV zeigt die Regime-Anhänger.

Der staatliche Rundfunk veröffentlichte auf Telegram Ausschnitte aus dem TV-Programm, die Demonstrationen in mehreren iranischen Städten zeigen sollen. Teilnehmer schwenkten Flaggen und zeigten Bilder einiger der bei den Unruhen getöteten Sicherheitskräfte. (sda/dpa)
09:36
China ruft zur Nichteinmischung in Iran auf
China hat auf die Proteste in Iran und die Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu einem möglichen Eingreifen mit einem Appell zur Nichteinmischung reagiert. Mao Ning, Sprecherin des Aussenministeriums, sagte in Peking, China lehne eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ab und widerspreche der Anwendung oder Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen.



«Schwierigkeiten überwinden»

Peking hoffe, dass Regierung und Bevölkerung Irans die aktuellen Schwierigkeiten überwinden und die nationale Stabilität wahren könnten. Zugleich betonte die Sprecherin auf Fragen von Journalisten, dass China die Lage aufmerksam beobachte. Berichte über verletzte oder getötete chinesische Staatsbürger lägen bislang nicht vor.

China und Irans Regime unterhalten seit Jahren eine enge wirtschaftliche und strategische Partnerschaft, die sich vor allem durch Handel und Energiebeziehungen auszeichnet, darunter den Export iranischen Öls nach China. (sda/dpa)
4:52
Trump: «Der Iran hat angerufen, sie wollen verhandeln»
Der Iran hat die USA nach Angaben von Präsident Donald Trump um neue Verhandlungen gebeten. Die iranische Führung habe ihn am Samstag angerufen, sagte er an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One vor Journalisten. «Der Iran will verhandeln.» Man werde sich vielleicht mit Vertretern des Irans treffen, ein Treffen werde vorbereitet. Angesichts dessen, was im Iran passiere, müssten die USA allerdings vielleicht auch vor einem Treffen handeln, sagte Trump mit Blick auf die anhaltenden Proteste.

«Der Iran hat angerufen, sie wollen verhandeln», sagte Trump. Sie seien es leid, von den USA geschlagen zu werden, sagte er – wohl mit Blick auf die israelischen Angriffe auf das iranische Nuklearprogramm, an denen sich im vergangenen Jahr auch das US-Militär beteiligt hatte.

Eine Journalistin fragte Trump im Flugzeug zunächst, ob der Iran möglicherweise erneut mit den USA über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln wolle. Im Anschluss fragte sie allerdings allgemein danach, ob der Iran verhandeln wolle. Trump führte in seiner Antwort nicht aus, worüber genau der Iran mit den USA Gespräche führen möchte.

Vor den Angriffen im Iran im vergangenen Jahr hatten Vertreter Teherans mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in indirekten Gesprächen über das umstrittene iranische Atomprogramm verhandelt. (con/sda/dpa)
4:22
Trump erwägt Hilfe für Proteste im Iran mit Satelliteninternet
Angesichts der Kommunikationsblockade im Iran erwägt US-Präsident Donald Trump, die Massenproteste in dem Land mit Satelliteninternet zu unterstützen. Auf die Frage einer Journalistin, ob er Starlink im Iran zugänglich machen werde, sagte der Republikaner, man werde darüber sprechen und das Internet wieder zum Laufen bringen, wenn das möglich sei. Trump erklärte später, er werde noch am Sonntagabend (Ortszeit) Tech-Milliardär Elon Musk anrufen. Dessen Firma SpaceX ist mit dem Dienst Starlink der weltweit bedeutendste Provider von Satelliteninternet.

Trump hatte den Teilnehmern der anhaltenden Massenproteste gegen die autoritäre Staatsführung in der Islamischen Republik Iran zuvor bereits mehrfach Unterstützung in Aussicht gestellt.

Die iranische Führung blockiert seit Donnerstag das Internet im Land, teils auch Telefonverbindungen. Damit will sie in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Ausserdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Eine Verbindung zur Aussenwelt wäre über das Starlink-Satellitensystem möglich, sofern die dafür notwendigen Terminals vorhanden sind.

Trump: Bekomme stündlich Berichte über Entwicklung im Iran
Der US-Präsident sagte vor Journalisten an Bord des Regierungsfluzeugs Air Force One auch, dass die Vereinigten Staaten die Lage im Iran sehr ernst nähmen. «Das Militär befasst sich damit, und wir prüfen einige sehr drastische Optionen. Wir werden eine Entscheidung treffen.» Trump gab an, stündlich Berichte zur Entwicklung im Iran zu bekommen.

Mehrere US-Medien hatten zuvor unter Berufung auf US-Beamte berichtet, dass Trump mögliche Militärschläge im Iran erwäge, aber auch Massnahmen, die kein direktes militärisches Eingreifen verlangten.

Der Iran hatte dem Erzfeind Israel und den USA für den Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der landesweiten Protestbewegung mit Gegenschlägen gedroht, etwa auf Ziele wie US-Militärstützpunkte im Nahen Osten. Darauf angesprochen sagte Trump nun: «Wenn sie das tun, werden wir sie so hart treffen, wie sie noch nie zuvor getroffen wurden.» (sda/dpa)
3:47
Schah-Sohn ruft zu weitergehenden Protesten im Iran auf
Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, ruft in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung im Iran zur nächsten Phase des Aufstands auf, «um die Islamische Republik zu stürzen». Neben der Besetzung zentraler Strassen in den Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Propaganda der Staatsführung und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, «legitime Ziele», erklärte er auf der Plattform X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, ob und in welchem Ausmass Menschen im Iran seine Forderungen überhaupt zu sehen bekommen.

Pahlavi rief zudem dazu auf, ausserhalb des Irans an allen iranischen Botschaften und Konsulaten die «schändliche Flagge der Islamischen Republik» gegen die alte Flagge auszutauschen, die zuletzt während der Herrschaft seines Vaters Schah Mohammed Reza Pahlavi genutzt worden war. Dessen prowestliche, aber ebenfalls repressive, Monarchie wurde 1979 durch eine islamische Revolution gestürzt. Der Schah verliess das Land mit seiner Familie und starb im Ausland.


Reza Pahlavi.

Neue Drohungen im Iran gegen Demonstranten
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte zuvor der Protestbewegung vorgeworfen, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die «Feinde» müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte er laut Übersetzung des Propagandakanals Press TV.

Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet. 483 Demonstranten seien getötet worden, berichtete das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Insgesamt seien bisher 544 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder sowie 47 Sicherheitskräfte. Rund 10'700 Menschen seien festgenommen worden. Man habe im Verlauf der vergangenen 24 Stunden eine «neue Welle» von Daten und Bildmaterial erhalten und prüfe dies, hiess es. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig prüfen.

Irans Behörden haben den Internetzugang für die Bevölkerung fast vollständig gesperrt, auch Telefonleitungen schienen teils nicht mehr zu funktionierten. (sda/dpa)
3:28
Hunderte Tote bei Protesten im Iran
Die Proteste im Iran gegen das Mullah-Regime halten an. Dieses geht mit massiver Gewalt gegen die Menschen vor. Menschenrechtsorganisationen sprechen von bereits hunderten Toten. Das Internet wurde gesperrt. Die jüngsten Entwicklungen rund um Iran findest du hier in der Zusammenfassung:
2:42
UN-Generalsekretär schockiert über Gewalt gegen Demonstranten im Iran

UN-Generalsekretär António Guterres
appelliert an die iranischen Behörden, keine Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Das Recht auf freie Meinungsäusserung müsse uneingeschränkt geachtet werden, schrieb Guterres auf der Plattform X. Er sei «schockiert» angesichts der Berichte über Gewalt gegen Demonstranten, die in den vergangenen Tagen zu Todesfällen geführt hätte. Er forderte «maximale Zurückhaltung» der Sicherheitskräfte.

Ausserdem forderte Guterres, den Menschen im Land wieder den Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Iranische Sicherheitsbehörden haben die Kommunikation im Land durch Internetsperren und blockierte Telefonleitungen stark eingeschränkt. So soll unter anderem der Kontakt zwischen Demonstranten verhindert werden. (sda/dpa)

16:33
Denkfabrik: Irans Führung verschärft Unterdrückung von Protesten
Die iranische Führung verschärft laut einer Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) die Unterdrückung von Protesten. «Das iranische Regime bezeichnet die Demonstranten nun nicht mehr als Randalierer, sondern als Terroristen», so das ISW. Das deute darauf hin, dass die Führung eine kompromisslose Haltung gegenüber den anhaltenden Protesten eingenommen habe.

«Das Regime wird wahrscheinlich seine Charakterisierung der Demonstranten als »Terroristen« nutzen, um ein weiteres hartes Vorgehen gegen die Proteste zu rechtfertigen», hiess es weiter. Es betrachte die Proteste zunehmend als militärisches Problem und nicht mehr als eine Frage der Strafverfolgung oder der Kontrolle von Menschenmengen.

Trotz der anhaltenden landesweiten Internetsperre finden laut der Denkfabrik im ganzen Land weiterhin Proteste statt. Seit dem 10. Januar um 0.00 Uhr Ortszeit seien 60 Proteste in 15 Provinzen registriert worden, von denen 25 mittelgross und acht gross waren. (sda/dpa)
15:21
Israels Armee: Würden auf iranischen Angriff mit Macht reagieren
Nach Irans Drohung, im Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der Protestbewegung auch mit Gegenschlägen auf Israel zu reagieren, sieht sich die dortige Armee vorbereitet. «Wir werden bei Bedarf in der Lage sein, mit Macht zu reagieren», teilte das israelische Militär mit.

Am Wochenende habe es wegen der Entwicklungen im Iran mehrere Lagebesprechungen gegeben, hiess es weiter. Israels Armee betonte zugleich: «Die Proteste sind eine interne iranische Angelegenheit.» Die Lage werde aber beobachtet.

US-Präsident Donald Trump hatte den Teilnehmern der Massenproteste gegen die Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. Teheran drohte, jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als «legitime Ziele» führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf.

Vor gut einem halben Jahr hatte Israel zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und mit den USA Ziele aus der Luft bombardiert, darunter Atomanlagen, militärische sowie zivile Einrichtungen in weiten Landesteilen. Irans Streitkräfte feuerten ballistische Raketen auf Israel. (sda/dpa)
14:01
Aktivisten: Mehr als 190 Demonstranten im Iran getötet
Iranische Aktivisten haben nach eigenen Angaben bislang die Namen von 192 getöteten Menschen bei den Massenprotesten im Land dokumentiert. Diese Zahl sei durch direkte Quellen oder mindestens zwei weitere unabhängige Quellen bestätigt worden, teilte Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo laut Übersetzung auf X mit.

Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA berichtete zuvor, dass bei den seit knapp zwei Wochen andauernden Massenprotesten 116 Menschen getötet und mehr als 2.600 weitere festgenommen worden seien. Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre habe es Demonstrationen in 185 Städten des Landes gegeben.

Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte jedoch höher liegen. Die iranischen Behörden haben den Zugang zum Internet für die Bevölkerung fast vollständig gesperrt. Menschen berichten auf X auch, dass Telefonleitungen nicht mehr funktionierten. Die Kommunikation mit der Aussenwelt ist nur über das Starlink-Satellitensystem möglich, sofern die dafür notwendigen Terminals illegal ins Land gebracht wurden.

Ein Nutzer schrieb auf Englisch auf X: «Die Massaker sind von grösserem Ausmass als alle Morde früherer Aufstände. Sie haben junge und alte Iraner niedergemäht wie Herbstblätter auf dem Boden.» Ein anderer berichtete: «Die Zahl der Leichen ist so hoch, dass sie im Innenhof aufgereiht wurden. Es wurden sehr viele Kühlcontainer für die Leichen herbeigeschafft. Die Menschen kommen, um sie zu identifizieren. Sie legen den Personalausweis auf die Leiche, machen ein Foto und weisen einen Code zu.»

Ein weiterer Nutzer zitierte den Polizeichef des Landes, der behauptet habe, dass die getöteten Menschen aus nächster Nähe erschossen oder erstochen worden seien, was bedeute, dass nicht die Polizei sie getötet habe.

Nach Angaben des iranischen, englischsprachigen Propagandakanals Press TV sollen in der Stadt Isfahan 30 Sicherheitskräfte bei Protesten getötet worden sein.

Alle Informationen können derzeit nicht unabhängig überprüft werden. (sda/dpa)
12:29
Schah-Sohn ändert Botschaft an Protestbewegung
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung gemässigtere Töne angeschlagen. «Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstrassen der Städte zu begeben. Trennen Sie sich unterwegs nicht voneinander oder von der Menschenmenge und nehmen Sie keine Seitenstrassen, die Ihr Leben gefährden könnten», sagte Pahlavi laut einer englischen Übersetzung seiner Rede, die auf X veröffentlicht wurde.

Am Samstag hatte der im Exil in den USA lebende Pahlavi noch zu landesweiten Streiks aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Er forderte ausserdem Demonstranten dazu auf, zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu kontrollieren. Wegen einer fast vollständigen Internetsperre im Iran ist nicht bekannt, ob und in welchem Ausmass Menschen seinem Aufruf gefolgt sind.

Kritiker: Aufruf brachte Demonstranten in Gefahr

Ein Kritiker schrieb auf Englisch auf X, Pahlavi hätte in seiner Erklärung zu Disziplin und Gewaltlosigkeit aufrufen sollen. Sein Aufruf, «die Zentren der Städte zu erobern und zu kontrollieren», bringe Demonstranten in Gefahr. Angesichts der zu erwartenden Reaktion der schiesswütigen iranischen Behörden halte er diesen Ansatz für unverantwortlich.

Aus seinem Exil heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition. Viele Menschen im Iran setzen ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan «Lang lebe der König» – ein direkter Hinweis auf Pahlavi. Dessen aktueller Erfolg sei jedoch weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet. (sda/dpa)

11:19
Iran: Proteste sollen US-Militäraktion provozieren
Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf wirft der Protestbewegung im Land vor, die Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die «Feinde» müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte Qalibaf laut Übersetzung des iranischen Propagandakanals Press TV.

Der Parlamentssprecher bezeichnete die seit Tagen anhaltenden Massendemonstrationen gegen die iranische Führung als einen von den USA inszenierten terroristischen Krieg gegen das Land. Teilnehmer an «Terrorakten» würden mit Gewalt verfolgt und die bei den Unruhen Festgenommenen bestraft. (sda/dpa)
9:41
Zugang zum Internet im Iran weiter blockiert
Die iranische Führung blockiert das Internet wegen der landesweiten Massenproteste den vierten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks teilte am Morgen auf der Plattform X mit, die Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich dabei um Zensur und stelle eine direkte Bedrohung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar.

Eine iranische Nutzerin schrieb auf X: «Ich habe es gerade so geschafft, mich mit Starlink (Satelliteninternet) ins Internet einzuloggen. Die Lage im Iran ist äusserst seltsam. Wir haben absolut keinen Zugang zu irgendetwas.» Auch das Online-Banking funktioniere kaum. SMS-Nachrichten könnten nicht gesendet oder empfangen werden, normale Telefonate funktionierten kaum. «Selbst die regierungseigenen Messaging-Apps wie Baleh und Eitaa haben das Versenden von Nachrichten deaktiviert.»

Durch die Internetsperren will die iranische Führung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Ausserdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste unterdrückt werden. Die Massnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.

Trotz der nahezu vollständigen Internetsperre gab es nach Angaben des Menschenrechtsnetzwerks HRNA mit Sitz in den USA am Samstagabend erneut Demonstrationen in 185 Städten des Landes. Die Zahl der bei den seit knapp zwei Wochen andauernden Massenprotesten getöteten Menschen stieg demnach auf 116. (sda/dpa)

8:41
Bericht: Iran droht mit Gegenangriff auf Israel und US-Basen
Der Iran droht dem Erzfeind Israel und den USA für den Fall eines US-Angriffs zur Unterstützung der landesweiten Protestbewegung gegen die autoritäre Staatsführung mit Gegenschlägen. Jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als «legitime Ziele» führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf. US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor den Teilnehmern der andauernden Massenproteste gegen die Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert.

«Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!», hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar. Die «New York Times» meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen. (sda/dpa)
17:53
Von der Leyen fordert Freilassung iranischer Demonstranten
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert die sofortige Freilassung aller festgenommenen Demonstranten im Iran und die vollständige Wiederherstellung des Internetzugangs in dem Land. «Die Strassen Teherans und Städte auf der ganzen Welt hallen wider von den Schritten iranischer Frauen und Männer, die Freiheit fordern», schrieb die deutsche Politikerin in sozialen Netzwerken.

Europa stehe fest an ihrer Seite und verurteile die gewaltsame Unterdrückung der legitimen Demonstrationen auf das Schärfste. Man verlange, dass die Grundrechte in dem Land endlich geachtet würden. Es gehe um die Freiheit der Meinungsäusserung, die Versammlungsfreiheit, die Reisefreiheit und vor allem um das Recht, frei zu leben. (sda/dpa)
15:48
Schah-Sohn ruft zu landesweitem Streik im Iran auf
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat aus seinem Exil in den USA zu landesweiten Streiks im Iran aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, erklärte Pahlavi auf der Plattform X. Ziel sei es, die finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die Knie zu zwingen.

Pahlavi rief ausserdem für Samstag und Sonntag um 18.00 Uhr (Ortszeit/15.30 MEZ) zu Demonstrationen auf. Dabei gehe es nicht nur darum, auf die Strassen zu gehen, sondern zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu halten.

Aus seinem Exil heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der Opposition. Im Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Viele Menschen im Land setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan «Lang lebe der König» – ein direkter Hinweis auf den im Exil lebenden Sohn des früheren Schahs.

Pahlavis aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet. (sda/dpa)

10:57
Iran: Regierung spielt Massenproteste herunter
Die iranische Führung hat die landesweiten Massenproteste heruntergespielt. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.

Weiter hiess es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten «bewaffnete Terroristen» zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen «bewaffneter Terroristen» scharf verurteilt. (sda/dpa)

Das Wichtigste

  • Im Iran kommt es seit dem Jahreswechsel zu heftigen Protesten gegen das Mullah-Regime. Grund ist der Zerfall der iranischen Währung Rial sowie die seit langem andauernde Repression im Land.
  • Das Regime hat das Internet gesperrt und geht mit grosser Gewalt gegen die Demonstrierenden vor. Menschenrechtsorganisationen sprechen von hunderten Toten.
  • US-Präsident Donald Trump hat den Protestierenden Hilfe in Aussicht gestellt. Wie diese aussehen soll, ist nicht klar. Das Mullah-Regime droht den USA bei einem Eingreifen mit Gegenschlägen.
  • Im Krieg zwischen Israel und der Hamas in Gaza kam es im Oktober 2025 zu einer Waffenstillstandsvereinbarung. Die Lage ist aber weiter fragil.
  • Zuletzt häuften sich Berichte, wonach sowohl die Hamas als auch Israel Vorbereitungen für neuerliche Kämpfe treffen.

Die Folgen des Kriegs in Gaza:

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