Trump macht geschenkten Katar-Jumbo-Flieger bereits im Sommer zur neuen Air Force One
Ausgerechnet auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos musste Donald Trumps Air Force One diese Woche umkehren: Wegen eines «kleineren elektrischen Problems» drehte die über 30 Jahre alte Jumbo-Jet-Präsidentenmaschine über dem Atlantik ab. Trump stieg später auf eine Boeing 757 um, die normalerweise dem Vizepräsidenten als Air Force Two dient. Der Vorfall unterstreicht, wieso der US-Präsident zunehmend ungeduldig auf eine neue Air Force One drängt – und erklärt, warum nun ein umstrittenes Übergangsflugzeug aus Katar schneller als geplant einsatzbereit gemacht wird.
Wie die US-Luftwaffe mitteilt, soll die von der katarischen Regierung gespendete Boeing 747 bereits in diesem Sommer als neue Air Force One einsatzbereit sein. Das Flugzeug wird offiziell als «VC 25 bridge aircraft» bezeichnet und soll die Zeit überbrücken, bis die beiden von Boeing umgebauten neuen Präsidentenjets geliefert werden. Diese werden jedoch frühestens 2028 erwartet.
Die US Air Force dagegen betont die Eile. «Die Luftwaffe bleibt entschlossen, die Auslieferung des VC-25-Brückenflugzeugs zur Unterstützung der Präsidentenluftfahrt zu beschleunigen, mit einer erwarteten Übergabe spätestens im Sommer 2026», erklärte ein Sprecher gegenüber dem «Wall Street Journal».
Geschenk aus Katar sorgt für Kritik
Die Kosten für die Umrüstung des Jets schätzt Luftwaffenminister Troy Meink auf unter 400 Millionen Dollar. Finanziert wird das Projekt aus umgeschichteten Mitteln eines Programms zur Erneuerung der amerikanischen Interkontinentalraketen.
Zum Vergleich: Der Vertrag mit Boeing für zwei neue Air Force Ones (offizielle Bezeichnung: VC 25 B) hat ein Volumen von 3,9 Milliarden Dollar. Wegen technischer Probleme, Lieferengpässen und Personalmangel liegt das Projekt rund vier Jahre hinter dem Zeitplan. Boeing musste bereits mehr als zwei Milliarden Dollar Verlust verbuchen. Und die Verzögerungen gehen weiter.
Darum verteidigt Trump weiterhin vehement den Katar-Jumbo als geschenkten Gaul, dem man besser nicht ins Maul schaut. Nach der jüngsten Panne auf dem Flug nach Davos spottete Trumps Sprecherin Karoline Leavitt, die katarische Maschine klinge «much better»: «Das kleine mechanische Problem beweist, dass Präsident Trump recht hat und die neue Air Force One eine willkommene Spende für die US-Luftwaffe sein wird.»
Kritiker hingegen warnen vor erheblichen ethischen und sicherheitspolitischen Risiken. Die Annahme eines Grossflugzeugs von einem ausländischen Staat könnte zudem gegen die sogenannte Foreign Emoluments Clause der US-Verfassung verstossen, die Geschenke fremder Regierungen ohne Zustimmung des Kongresses untersagt.
Auch aus Trumps eigenem politischen Lager kommt immer wieder Kritik. Konservative Kommentatoren sprechen von schlechtem Augenmass und verweisen auf mögliche Abhängigkeiten von Katar. Trump selbst erklärte dagegen öffentlich, es wäre «dumm», ein solches Geschenk abzulehnen, und nannte es eine «grossartige Geste» der Scheichs.
Alte Flotte, neue Ungeduld
Welche technischen Fähigkeiten die katarische Boeing 747 letztlich haben wird, bleibt streng geheim. Unklar ist insbesondere, ob sie dieselben Systeme erhält wie die heutigen Air-Force-One-Flugzeuge, darunter Luftbetankung, Raketenabwehr und hochgesicherte Kommunikationsanlagen. Fachleute bezweifeln, dass ein vollständiger Umbau auf die höchsten Sicherheitsstandards in so kurzer Zeit möglich ist.
Die beiden derzeit als Air Force One eingesetzten Jumbo-Jets stammen noch aus der Zeit von George W. Bush und gelten als zunehmend störanfällig. Trump kritisiert seit Jahren nicht nur das Alter der Maschinen, sondern auch deren mangelnden Komfort auf Langstreckenflügen. Die Bezeichnung Air Force One wird übrigens nicht fest an ein Flugzeug vergeben, sondern der jeweiligen Maschine zugeschrieben, mit der sich der US-Präsident gerade in der Luft befindet.
Was nach Trumps Präsidentschaft mit dem geschenkten Katar-Jet geschieht, ist offen. Regierungsvertreter halten es für möglich, dass die Maschine im Besitz des US-Staates bleibt und als Ersatz- oder Trainingsflugzeug genutzt wird. Trump selbst brachte jedoch bereits ins Spiel, den Jet später als Ausstellungsstück in seiner geplanten Präsidentenbibliothek zu zeigen – ähnlich wie ein früheres Präsidentenflugzeug von Ronald Reagan.
