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SCHOENEFELD, GERMANY - JUNE 02:  An empty parking lot stands at the unfinished new BER Willy Brandt Berlin Brandenburg International Airport on June 2, 2014 in Schoenefeld, Germany. The airport, which is years behind schedule with no opening date yet in sight, has now been hit by a corruption scandal involving head technician Jochen Grossmann, who is accused of demanding a EUR 500,000 bribe from a contracting firm. The airport's governing body is meeting today and has designated a task force to determine whether Grossmnn might have demanded bribes from other companies as well.  (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Parkfeld beim neuen BER. Bild: Getty Images Europe

«Auffällig grosszügig»: Chefs des Berliner Hauptstadtflughafens stehen unter Korruptionsverdacht

Führungskräfte des Flughafens Berlin Brandenburg, der sich im Bau befindet, sollen Siemens, Bosch und T-Systems überhöhte Rechnungen überwiesen haben. Ausserdem seien alle Forderungen der Firmen anstandslos bewilligt worden.



Beim Bau des Hauptstadtflughafens BER in Berlin stehen leitende Mitarbeiter sowie deutsche Grosskonzerne einem Zeitungsbericht zufolge unter Betrugsverdacht. Die Anti-Korruptionsbeauftragte der Flughafengesellschaft ermittelt wegen entsprechender Hinweise.

Nach Informationen der Zeitung «Bild am Sonntag» sollen sich BER-Führungskräfte gegenüber den Unternehmen Siemens, Bosch und der Telekom-Tochter T-Systems auffällig grosszügig gezeigt und die Bezahlung überhöhter Rechnungen angewiesen haben.

epa04526473 Airport Chief Executive Officer Hartmut Mehdorn answers journalists' questions in Motzen, Germany, 12 December 2014. A supervisory board meeting of the airport operating company Berlin-Brandenburg (Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, FBB) is taking place in Motzen, Brandenburg, Germany. The date for the opening of the airport remains uncertain.  EPA/WOLFGANG KUMM

Ist auch BER-CEO Hartmut Mehdorn in den Fall verwickelt? Namen nennt die «Bild am Sonntag» keine. Bild: EPA/DPA

Manager der Flughafengesellschaft hätten bis zur Absage des Eröffnungstermins Mitte 2012 fast jede Forderung der drei Firmen anstandslos bewilligt, berichtete das Blatt unter Berufung auf interne Dokumente. So habe etwa Siemens nachträglich 22 Millionen Euro erhalten, nachdem das Unternehmen wegen zusätzlicher Leistungen 22,9 Millionen Euro gefordert habe. Bei T-Systems zahlte die Flughafengesellschaft demnach 99 Prozent der Nachforderungen.

Nachzahlungsquoten einmalig und verdächtig

Derart hohe Nachzahlungsquoten sind laut Juristen der Flughafengesellschaft «einmalig und verdächtig», heisst es laut der Zeitung in dem Bericht. Während die Konzerne dies nicht kommentieren wollten, kündigte ein Flughafen-Sprecher auf Anfrage der Zeitung an, «sämtliche seit Projektbeginn geleisteten Zahlungen einer nochmaligen, gesamthaften Prüfung zu unterziehen». Der BER war für eine Stellungnahme zu dem Bericht der «Bild am Sonntag» zunächst nicht zu erreichen.

Der neue Technikchef des Flughafens war laut dem Blatt bis vor einem Jahr als Siemens-Regionalleiter Ost auch für die Flughafenaufträge des Unternehmens zuständig. Erst Vergangene Woche hatte der niederländische Gebäudeausrüster Royal Imtech Konkurs angemeldet. Das Unternehmen, dessen deutsche Zweigstelle Zulieferer für die Brandschutzanlage des Hauptstadtflughafens ist und dort auch für Elektroarbeiten, Heizung, Sanitär und Lüftung zuständig ist, war durch mutmassliche Betrugsfälle in Schieflage geraten. Das Unternehmen soll in einen Korruptionsfall am BER verwickelt sein.

Vier Eröffnungstermine abgesagt

Der Flughafen Berlin Brandenburg (Beiname: Willy Brandt) soll die deutsche Nummer drei hinter Frankfurt und München werden. Er ist für bis zu 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt, ein Ausbau auf bis zu 45 Millionen ist genehmigt. Vier Eröffnungstermine wurden abgesagt, weil Planungsfehler und Baumängel abgearbeitet werden.

Der Neubau ersetzt den bestehenden Flughafen Tegel und den geschlossenen Flughafen Tempelhof, später auch Schönefeld. Bauherren sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Die Kosten stiegen seit Baubeginn 2006 von 2,0 Milliarden Euro auf zuletzt 5,4 Milliarden Euro, teilweise wegen Projekt-Erweiterungen. (sda/afp)

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